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Storys & Lyrik

Gator, der Söldner

Der steinerne Gott

»Du spielst falsch!«

In der von flackerndem Kerzenlicht nur spärlich erleuchteten Weinschenke Zum blauen Krug wurde es augenblicklich totenstill. Das Stimmengemurmel der wenigen Gäste erstarb und das Klirren von tönernen Bechern und Krügen setzte aus. Die meisten der Anwesenden starrten ungläubig auf den groß gewachsenen jungen Nordländer, der in abgerissenen Kleidern an dem Spieltisch in der Mitte der schäbigen Spelunke saß. Ein zerschlissenes Fellhemd verhüllte nur dürftig die knochigen Schultern, seine Füße steckten in einer abgetragenen Stoffhose und ausgetretenen Schnürstiefeln.
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Das Kreuz des Todes

Bei dem vor­lie­gen­den Ro­man han­delt es sich um ei­nen nie als Print­ver­si­on er­schie­ne­nen Ein­zel­ro­man der Bastei-Se­rie Vam­pi­re, wel­che von Herbst 2001 bis Som­mer 2002 er­schien und es ins­ge­samt nur auf 20 Bän­de brach­te. Haupt­fi­gur der Ro­ma­ne war der Vam­pir Bru­ce Dar­kness, der sich im Auf­trag sei­nes Herrn, Ba­ron Bo­ris von Kra­doc, sei­nes Zei­chens obers­ter Vam­pir von New York, um ab­trün­ni­ge Vam­pi­re so­wie sons­ti­ge mensch­li­che und dä­mo­ni­sche Ge­fah­ren, die sei­ne »Fa­mi­lie« be­droh­ten, küm­mer­te. Sei­ne Ri­va­len wa­ren da­bei nicht nur Vam­pir­jä­ger und Po­li­zis­ten, son­dern auch der Erz­en­gel Bab­riel und der Vamp Katri­na, wel­che ihm sei­ne Vor­machts­tel­lung an der Sei­te von Kra­docs miss­gönn­te und ihn bei je­der Ge­le­gen­heit mit Wort und Tat sti­chel­te.

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Träne des Todes

Träne des Todes

Stille lag in der Unterwelt. Dunkelheit umgab jeden Gegenstand. Nur ein lebendes Wesen, falls man in diesem Fall von Leben reden kann, befand sich im Raum. Schräg hatte es sich in den steinernen Thron gesetzt. Eine scharfe, lange Sense war gegen die kalte Wand gelehnt worden. Wie vielleicht einige schon vermuteten, dies war der Thronsaal des Todes. Der Tod selber saß auf dem Thron. Niemand sonst würde es wagen, außer er wollte Qualen durchleben, die schlimmer waren, als das Fegefeuer. Ein Seufzen erklang und schwang lange im Raum nach. Der Tod selber hatte den Seufzer ausgestoßen. Doch klang er weiblich. Der Herrscher der Toten hatte seine gewohnte Gestalt als Skelett im schwarzen Umhang abgelegt. Schon lange hatte er es vorgehabt, doch nie hatte er etwas gefunden, was ihm wirklich gefiel. Zwar hatte er eine kleine Schwäche für Raubkatzen, die Stärke und Eleganz ausstrahlten, die ihn einfach faszinierten, doch war es unpassend gewesen, sich dieser Gestalt zu bemächtigen. Doch dann hatte er SIE getroffen. Es hätte alles so einfach werden sollen. Er hatte nur die Seele holen wollen. Sie Weiterlesen

Der Werwolf von Groß Schneen

Der Werwolf von Groß Schneen

Die Geschichte lehnt sich an eine reale Überlieferung aus dem Ort Groß Schneen bei Göttingen an. Ursprünglich geschrieben für das Göttinger Stadtmagazin trends & fun, wo sie in der Reihe Wilde Heimat erschienen ist.

»Dieb!« Es ist nur ein zischendes Flüstern, doch trotzdem ist es nicht zu überhören. Das Tuscheln verfolgt mich, während ich mir meinen Weg über den Dorfplatz bahne. Dann mischt sich ein neuer Schmähruf in das Geraune.
»Werwolf!«, sagt eine raue Stimme, und auch dieses Wort wird von der Menge bereitwillig weitergetragen. Woher wissen sie es? Verrät mich mein Blick, mein Gang? Immerhin tritt nun Angst in die Augen der Menschen und sie geben den Weg für mich frei. Dieb nennt man mich zu Unrecht, doch ich weiß, wem ich diesen Ruf verdanke. Wenzel, der Wirt – er hat mich beschuldigt, um mein kleines Stückchen Land seinem Grundbesitz hinzuzufügen. Und dies war der Beginn all meiner Leiden. Nun stehe ich vor dem Wirtshaus, um ein letztes Mal mein Recht zu fordern. Ich sehe, Weiterlesen

Das große Verschwinden

Das gro­ße Ver­schwin­den

Le­ben ist Il­lu­si­on, und Re­a­li­tät nur ein Teil­chen der Vor­stel­lungs­kraft.

Träu­me sind an­geb­lich nur Schäu­me. Das je­den­falls sucht uns die Schul­weis­heit zu leh­ren. Aber wie oft ist mir schon auf­ge­fal­len, dass ich im Wach­zu­stand Din­ge er­leb­te, die mir als Déjà-vu-Er­leb­nis­se von Träu­men her be­kannt vor­ka­men?

Un­zäh­li­ge Male si­cher! Ih­nen haf­te­te ein Atem des Ver­trau­ten an, der mir durch den Schlei­er des be­wuss­ten Den­kens vor­ent­hal­ten wur­de, und erst, wenn es ge­sche­hen war, mich die Er­kennt­nis durch­fuhr, dass ich das schon ein­mal er­lebt habe. Ja, dass ich das ei­gent­lich vor­her Weiterlesen