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Wolfgang Brandt

Snow White: A Tale of Terror

Snow White: A Tale of Terror

Das Märchen der Brüder Grimm über das schöne, unschuldige Schneewittchen hat mit seinen düsteren und komplexen Themen sowie seinen archetypischen Bildern über Jahrhunderte hinweg die Leser fasziniert. Doch oft wurde es im Film nicht adäquat behandelt. Snow White: A Tale of Terror versucht, dies mit herausragenden Darstellern, beeindruckenden gotischen Kulissen und Kostümen sowie einem sorgfältig ausgearbeiteten Drehbuch, das die Nuancen der Originalgeschichte betont, zu ändern. Sieben Jahre nach dem tragischen Unfall, bei dem seine Frau im Kindbett stirbt, heiratet Frederick Hoffman, der sich allein um seine Tochter Lilli kümmert, die Dame Claudia. Claudia bringt bei ihrem Einzug auf das Anwesen einen unheimlichen, kunstvoll geschnitzten Spiegel mit. Begleitet wird sie von ihrem stummen Bruder. Bald verstricken sich die eifersüchtige Stiefmutter und die misstrauische Tochter in einen endlosen Kreislauf aus Eifersucht und verletzten Gefühlen. Indem der Film die tiefenpsychologischen Implikationen dieser komplexen Familiensituation auslotet und die zahlreichen symbolischen Elemente der Geschichte (wie den vergifteten Apfel und die ausgestoßenen, zurückgezogen lebenden Holzfäller) nutzt, wird er sowohl visuell beeindruckend als auch emotional subtil. Diese Version von Schneewittchen richtet sich nicht an Kinder, sondern an Erwachsene, die mehr als nur einen gelungenen Grusel zu schätzen wissen.

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Luciens Manuskript – ein etwas anderes Herangehen an eine Buchbesprechung

Luciens Manuskript – ein etwas anderes Herangehen an eine Buchbesprechung

Die literarische Dreiecksbeziehung zwischen Autor, Lektor und Verlagsassistentin könnte man als humorvolles Bühnenstück bezeichnen, in dem sich alle Protagonisten in einem lustigen Geflecht aus Missverständnissen und kreativen Dramen verfangen.

Der Autor ist ein sehr emotionaler Mensch, der eine besondere Beziehung zu seinen Texten hat. Er ist der Überzeugung, dass jeder seiner Sätze eine kostbare Perle ist und sein Meisterwerk in alle Ewigkeit bewahrt werden muss – auch wenn es nur um den epischen Leidensweg von Notizen geht. Als natürliche Gegenpole lassen sich die Realität sowie der Lektor ausmachen.

Der Lektor hat die Aufgabe, den Autor vor allzu großen Übertreibungen zu bewahren und ihn auf den Boden der Realität zurückzuholen. Während der Autor in jedem Wort einen Schatz sieht, vertritt der Lektor die Meinung, dass das Kürzen eine hohe Kunst ist. Es ist von Vorteil, wenn der Lektor die Fähigkeit besitzt, dem Autor in einer freundlichen Art und Weise zu vermitteln, dass seine Texte sprachlich noch optimiert werden können. Ihre Gespräche ähneln mitunter der Diskussion zwischen einem Künstler und einem Chirurgen, der alles Überflüssige entfernen möchte.

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Beetlejuice Beetlejuice

Drei Generationen der Familie Deetz kehren nach einer unerwarteten Familientragödie nach Winter River zurück. Das Leben von Lydia, die immer noch von Beetlejuice heimgesucht wird, gerät aus den Fugen, als ihre rebellische Teenagertochter ein geheimnisvolles Portal ins Jenseits entdeckt. Wenn jemand dreimal den Namen Beetlejuice sagt, kehrt der schelmische Dämon zurück, um sein ganz eigenes Chaos zu entfesseln.

Tim Burton feierte vor 36 Jahren mit seinem zweiten Spielfilm BEETLEJUICE (1988) ein beeindruckendes Debüt. Der Film gilt als Kultklassiker und präsentiert eine der bemerkenswertesten Leistungen von Michael Keaton. Für Winona Ryder markierte dieser Film einen wichtigen Karriereschritt. Nun freuen wir uns, bekannt zu geben, dass dieses Trio, zusammen mit Catherine O’Hara, für eine lang ersehnte Fortsetzung zurückkehrt.

In BEETLEJUICE BEETLEJUICE von Alfred Gough und Miles Millar sehen wir Lydia Deetz  als Moderatorin einer TV-Sendung namens Ghost House. Sie ist in einer Beziehung mit ihrem Produzenten Rory und hat eine Tochter namens Astrid, zu der der Kontakt momentan distanziert ist. Nach einem tragischen Unfall werden sie von Lydias Stiefmutter Delia nach Winter River gerufen.

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Abraham Lincoln: Vampirjäger

Abraham Lincoln: Vampirjäger

Die humoristische Darstellung historischer Figuren in einem alternativen Kontext stellt stets eine interessante Herausforderung dar, insbesondere wenn es um so eine zentralen Figur der US-amerikanischen Geschichte wie Abraham Lincoln geht. Der Regisseur Timur Bekmambetov hat sich dieser Herausforderung angenommen und einen außergewöhnlichen Ansatz gewählt, der auf einer Fusion von historischem Drama und übernatürlichem Horror basiert. Dies ermöglicht es, die Ikone Lincoln aus einer neuen Perspektive zu betrachten, die weit über die konventionellen Grenzen hinausgeht.

Der Film, der auf dem Drehbuch von Seth Grahame-Smith basiert, verzichtet darauf, sich in die traditionellen Darstellungen Lincolns zu fügen, die oft mit majestätischer Ernsthaftigkeit und gravitätischer Präsenz einhergehen. Stattdessen wird ein junger Lincoln präsentiert, der sich in einem fantastischen Kampf gegen übernatürliche Mächte wiederfindet. Diese ungewöhnliche Prämisse bietet sowohl Herausforderung als auch Möglichkeit für die Darsteller, insbesondere für Benjamin Walker, der Lincoln verkörpert. Seine Darstellung vermeidet die überreizte Ernsthaftigkeit, die oft mit historischen Dramen assoziiert wird, und bietet stattdessen eine frische Interpretation.

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Samhain

Samhain

Das Samhain-Fest markierte das Ende des keltischen Jahres und den Beginn des neuen und kann daher mit dem Silvesterabend verglichen werden. Historischen Berichten zufolge war es ein weitverbreiteter Glaube unter den Kelten, dass die Nacht dem Tag vorausging, weshalb die Feierlichkeiten am Abend vor Samhain stattfanden. Dieses Fest galt als das bedeutendste der vier keltischen Feste und stellte einen entscheidenden Zeitpunkt voller symbolischer Bedeutung für die vorchristlichen Iren dar. Die Feierlichkeiten auf dem Hügel von Tlachtga könnten von einem Fruchtbarkeitsritual abstammen, in dem viele andere Glaubensvorstellungen vereint wurden, die in einem großen Feuerfest zum Ausdruck kamen.

Der wahrnehmbare und scheinbare Rückgang der Sonnenkraft zu dieser Jahreszeit war für den frühen Menschen besorgniserregend, und das Entzünden der Winterfeuer symbolisierte den menschlichen Versuch, der Sonne bei ihrer Himmelsreise zu helfen. Feuer, als irdisches Gegenstück zur Sonne, war ein mächtiges Symbol, um die menschliche Ohnmacht gegenüber dem Gefühl des Verfalls der Natur beim Einsetzen des Winters auszudrücken.

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