Mahpiya-win – Die Entscheidung – Teil 5
Sie wusste nicht, wie viele Tage oder Wochen sie sich bereits im Lager befand, hatte jedes Zeitgefühl verloren. Täglich sank Belinda abends müde auf ihr Fell nahe dem Eingang. Die Tage waren erfüllt mit Arbeit: Wasser holen, Feuerholz, Beeren und Kräuter sammeln, primitive Kleidungsstücke nähen. Wenn Wacinyanpi-win schimpfte, wusste Belinda, dass sie wieder etwas falsch machte. Scheinbar durfte man nicht jedes Holz sammeln, sondern nur bestimmte Äste. Das erste Mal, als sie falsches Holz auf den Arm nahm, wollte Wacinyanpi-win zuschlagen, doch Belinda hatte einen Ast in die Hand genommen und die Indianerin herausfordernd angestarrt. Die Schelten endeten nie. Entgegen ihrer Annahme, Wilde seien dreckig, musste sie täglich zum Fluss hinunter, um sich im eisigen Wasser zu waschen. Frauen badeten getrennt von den Männern. Anfangs wurde Belinda wegen ihrer Weiterlesen
Mahpiya-win – Die Entscheidung – Teil 4
Als die Sonne ihrem Zenit entgegen strebte, war das Unwetter vorbei. Das Land dampfte. Überall standen riesige Wasserlachen, Gräser und Strauchwerk glänzten wie frisch gebadet. Doch die Spuren des großen Regens verschwanden wieder rasch. Nach und nach verdunsteten die Pfützen und die Spuren des Regens verschwanden langsam. Reiter tauchten auf den Höhen der Sierra Carrizo auf. Langsam bewegten sich die fünf Männer hinunter in das Tal, in dem die kleine Siedlung eingebettet war. Der Ort wirkte wie ausgestorben, als die fünf Reiter mit ihren Pferden auf die Überlandstraße einschwenkten. Es fehlte das pulsierende Leben, dass eine schöne Stadt ausmachte. Es fehlten Kinderlachen, Schule und Kirche. Hier lebten Leute, die vor etwas geflüchtet waren, die am liebsten ihre Ruhe hatten. Ein beliebtes Ziel für Banditen, die nach ihren Beutezügen Rast machten. Reitern wie Pferden war Weiterlesen
Mahpiya-win – Die Entscheidung – Teil 3
Wärme war das Erste, was Belinda fühlte. Sie setzte sich auf und hielt das Fell, das sie wärmte, vor ihre Brust. Jemand hatte sie ausgezogen. Verwundert stellte sie fest, dass sie nicht gefesselt war. Wozu auch? Die Indianer wussten, dass sie keine Fluchtmöglichkeit aus dem Lager hatte. Durch die geöffnete Türklappe des Zeltes drang Tageslicht. Der Geruch von Fett und Kräutern hing in der Luft und von draußen drang das Aroma von gekochtem Fleisch herein. Das Zelt war geräumig. Verschiedene Körbe standen in einer Reihe, ein eigenartiges Gestell mit einer hohen Lehne erregte ihre Aufmerksamkeit. Eine Frau trat ein und hielt ihr eine Schale hin. Auffordernd deutete sie darauf und plapperte in ihrer Sprache. Vorsichtig griff Belinda danach. Bekam sie eine letzte Mahlzeit, bevor man sie tötete? Ein schneller Tod war nicht so schlimm, doch die Grausamkeiten, die man sich erzählte, kamen sicher nicht von Weiterlesen
Mahpiya-win – Die Entscheidung – Teil 2
Seit einer Woche war sie mit dem jüngsten Sohn der Cahoon-Familie verheiratet. Ben las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Ihr Vater Jeremiah Whitelock hatte darauf bestanden, dass sie auf seiner Ranch lebten, da Belinda sein einziges Kind war und er zudem nur eine Tochter hatte. Nach dem Tod seiner Frau hatte er nicht wieder geheiratet. Die zuvorkommende Behandlung, die Ben ihr gegenüber zeigte, missbilligte ihr Vater, der keine Gefühle zeigen konnte. Es war nicht einfach, mit dem griesgrämigen alten Mann unter einem Dach zu leben. An ihre Mutter konnte sich Belinda nicht erinnern. Sie war fünf, als diese nach einem Unfall gestorben war. Belinda befand sich mit Ben alleine auf der Ranch. Ihr Vater war mit seinen Männern zur Wolfsjagd draußen. Der strenge Winter trieb die Wölfe auf der Jagd nach Beute gefährlich nah an die Ranch heran.
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Mahpiya-win – Die Entscheidung – Teil 1
Mahpiya-win – Die Entscheidung – Teil 1
Ereignisse, die auf wahren Begebenheiten beruhen, als die Zeit der freien Lakota sich dem Ende neigte
Sie starrte auf den Rücken des Kerls, der mit einem grunzenden Laut der Zufriedenheit auf den Gang hinaus trat und die Tür mit einem lauten Knall zuwarf. Der Letzte für diese Nacht, der Letzte für alle Zeiten. Sie betrachtete ihre Oberarme, drehte sich mit dem Rücken zum halb blinden Spiegel, der über der Kommode hing und sah über ihre Schulter. Die Narben an Armen und Rücken würden sie für immer erinnern. Erinnern an eine Zeit des Ekels, Abscheu, Hass, Scham und Erniedrigung. All dies hatte sie in den letzten Monaten zur Genüge Weiterlesen
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