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Oskar Ludwig Bernhard Wolff

Der Märkische Eulenspiegel 23

Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe

Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin

Wie Clauert mit purpurianischem Tuch einen guten Markt hielt

Wenn Clauert sich vielleicht an einem bekannten Ort aufhielt, versammelten sich viele um ihn, um der Ursache willen, dass sie viele amüsante Dinge von ihm hörten. Besonders aber war die Karte nicht weit von ihnen, weil sie wussten, dass Clauert sie sehr liebte. So kam er denn auch einmal nach Teltow zu einem guten Freund. Sogleich verfügten sich einige seiner guten Zechbrüder dorthin. Als diese vernahmen, dass Clauert Geld bei sich hatte, ließen sie alsbald eine Karte holen, setzten sich mit ihm zusammen und gewannen Weiterlesen

Der lustige Kirmesbruder – Teil 9

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Der lustige Kirmesbruder
welcher durch listige Ränke auf den Kirmessen die Bauern und andere Personen unterhalten und vergnügt gemacht hat

Achte Kirmes

Wie der lustige Kirmesbruder mit den herrschaftlichen Leuten, dem Hofmeister und dem Kammermädchen in Gesellschaft kommt und eine gute Rolle spielt

In Osteriz war es Sitte, dass die Herrschaft ihren Dienstleuten die Kirmes beim Hofmeister auf dem anderen Gut ausrichtete. Dabei musste der Hofmeister stets mit dem Kammermädchen anwesend sein, damit es ordentlich zuging und jeglicher Unfug verhindert wurde. Diese Kirmes besuchte ich ebenfalls und erlebte dort manche lustige Stunde. Der Hofmeister und das Kammermädchen waren außerordentlich gut gelaunt und nirgends ging es toller zu als hier. Von dem klugen Hofmeister habe ich dabei viele Kunst- und Handgriffe gelernt, die mir einiges begreiflich machen, nämlich, wie es wohl kommt, dass die Junker so schön und so artig mit Weiterlesen

Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius … Teil 15

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius,
seinem Leben, seinen Taten und seinem Ende
Volksbücher Nr.46, Verlag Otto Wigand, Leipzig

Wie Virgilius starb

Da Virgilius in seinem Leben bereits viele wunderbare und künstliche Dinge vollbracht hatte, versprach er dem Kaiser, noch viel größere und wunderbarere Dinge zu vollbringen, falls er so glücklich sein sollte, am Leben zu bleiben. So wollte er unter anderem erreichen, dass die Fruchtbäume und das Getreide dreimal im Jahr tragen, dass jeder Baum zur gleichen Zeit reife Früchte und Blüten haben sollte, dass Schiffe ebenso leicht und jederzeit gegen den Strom wie mit dem Strom segeln können sollten, dass man einen Pfennig ebenso leicht verdienen wie ausgeben könnte, dass Frauen ihre Kinder ohne Schmerzen zur Welt bringen könnten und vieles andere mehr, was hier zu weit führen würde, wenn man es einzeln aufzählen wollte.

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Der lustige Kirmesbruder – Teil 8

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Der lustige Kirmesbruder
welcher durch listige Ränke auf den Kirmessen die Bauern und andere Personen unterhalten und vergnügt gemacht hat

Siebente Kirmes

Wie der lustige Kirmesbruder verschiedene Wetten abschließt und gewinnt

Je mehr Kirmesfeste ich besuchte, desto bekannter wurde ich. Das war auch der Grund, weshalb ich an verschiedene Orte eingeladen wurde, um den Gästen mit meinen kurzweiligen Scherzen die Zeit zu vertreiben. In dieser Absicht nahm man mich einstmals auch mit nach Wetzelfeld zu einem sehr reichen Bauern, der uns aufs Herrlichste bewirtete. Bei dieser Kirmes suchte man sich vornehmlich mit Wetten zu belustigen. So wettete ich zuerst um einen halben Gulden, dass David Springer, wenn er unter den Tisch kriechen würde, drei Schläge, die ich mit der Hand auf den Tisch tun wollte, nicht aushalten könnte.

David Springer, der sich viel zutraute, machte sich daran, die Wette ganz sicher zu gewinnen, und begab sich deshalb unter den Weiterlesen

Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius … Teil 14

Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Die wunderbare und merkwürdige Geschichte vom Zauberer Virgilius,
seinem Leben, seinen Taten und seinem Ende
Volksbücher Nr.46, Verlag Otto Wigand, Leipzig

Wie Virgilius in Rom eine eherne Schlange erschuf

Daraufhin erschuf Virgilius durch seine Zauberkunst in Rom eine Schlange aus Erz. Wer ihr die Hand in den Rachen legte, musste schwören, dass seine Sache gerecht und wahr sei. War die Sache falsch und lügenhaft, konnte man die Hand nicht wieder herausziehen. Im gegenteiligen Fall zog man sie ohne Mühe und Schaden heraus. Nun geschah es, dass ein Ritter aus der Lombardei seine Frau in Verdacht hatte, mit einem seiner Mannen zu fremdgehen, den sie sehr wertschätzte. Die Dame verteidigte sich jedoch sehr klug und edel und willigte ein, mit ihm nach Rom zu der Schlange zu ziehen und dort einen Eid zu schwören, dass sie unschuldig sei.
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