Der Märkische Eulenspiegel 23
Der Märkische Eulenspiegel
Seltsame und kurzweilige Geschichten von Hans Clauert in Trebbin
Niedergeschrieben von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
Leipzig, 1847
Überarbeitete Ausgabe
Hans Clauert, Schlosser aus Trebbin
Wie Clauert mit purpurianischem Tuch einen guten Markt hielt
Wenn Clauert sich vielleicht an einem bekannten Ort aufhielt, versammelten sich viele um ihn, um der Ursache willen, dass sie viele amüsante Dinge von ihm hörten. Besonders aber war die Karte nicht weit von ihnen, weil sie wussten, dass Clauert sie sehr liebte. So kam er denn auch einmal nach Teltow zu einem guten Freund. Sogleich verfügten sich einige seiner guten Zechbrüder dorthin. Als diese vernahmen, dass Clauert Geld bei sich hatte, ließen sie alsbald eine Karte holen, setzten sich mit ihm zusammen und gewannen ihm sein ganzes Geld ab. Da setzte er vier Ellen purpurianisches Tuch zu, in der Hoffnung, etwas von seinem Geld zurückzubekommen. Doch sein Unglück war so groß, dass er auch diese vier Ellen Tuch verlor.
Am Abend ging er vor die Tür, sah sich um und sagte: »Ich bin alt geworden und habe nicht gewusst, dass die Leute hier in Teltow purpurianisches Tuch so gut kennen und dass es sich hier so gut verkaufen lässt. Ich hatte eben nicht mehr als die schlechten vier Ellen dabei und hätte schon vor langer Zeit mit solchem Tuch viel Geld verdienen können, wenn ich gewusst hätte, dass es sich hier so gut verkaufen lässt. Wohlan, sie sollen es mir ein andermal teuer genug bezahlen!«
Traurig ging er hin, legte sich auf eine Bank und gedachte zu schlafen, doch das purpurianische Tuch ließ ihm keine Ruhe, sodass er vor Kummer nicht einschlafen konnte.
Nun war in demselben Gasthaus noch ein anderer Gast, der am Tag gesehen hatte, dass Clauert einen Beutel voller Geld bei sich trug. Er wusste jedoch nicht, dass er es verspielt hatte. Er dachte, Clauert wäre eingeschlafen, und hoffte, eine gute Beute zu machen. Er schlich sich deshalb heimlich zu ihm und griff ihm in den Beutel. Clauert schwieg dazu anfangs, obwohl er es wohl hörte und fühlte.
Schließlich sagte er: »Suche du nur, mein lieber Sohn, suche, ob du etwas finden kannst. Ich habe die ganze Nacht gesucht und doch keinen Heller mehr finden können.«
Da ließ der Dieb seinen Mantel und seinen Hut liegen und lief davon. So konnte Clauert wenigstens noch eine Zeche bezahlen, während er sonst vielleicht sogar seinen eigenen Mantel hätte zurücklassen müssen.
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