Sagen der mittleren Werra 100
Von Eckardtshausen nach Förtha zieht sich links am Weg eine tief bewaldete Schlucht hin, die den Namen Toller Jägersgraben trägt, weil der tolle Jäger und das wütende Heer darin hausen sollen.
a)
Ein armer Kötzenflicker aus Förtha musste einmal nachts dort vorbeikommen. Da hörte er ein großes Spektakel im Graben; es klang, als würde der ganze Wald zusammenbrechen. Er sah auch, wie jemand seiner Meinung nach ein Stück Wild erlegte. Er dachte: Den lässt du hübsch links liegen! Und ging im Bogen um ihn herum. Als der Kötzenflicker vorbei war, konnte er es aber doch nicht übers Herz bringen. Er rief im Spaß: »Kann man da auch einen Braten davon kriegen!« Und machte sich dann auf den Heimweg. Kaum hatte er sich jedoch niedergelegt, flogen Haus- und Stubentür auf und es gab einen schweren Fall auf den Tisch.
Dem Kötzenflicker wurde es himmelangst, doch er stand auf, machte Licht und betrachtete das Geschenk. Zu seinem Schrecken gewahrte er das Viertel eines Pferdes, an dem sogar noch das Hufeisen hing. Am anderen Morgen hockte der arme Teufel den Weiterlesen
Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 62

Der Pferdehirt von Dierberg, an dem der Tod vorbeigegangen ist
Im Dorf Dierberg bei Lindow geht die Sage von einem Pferdehirten, der sich zu Lichtmess sehen lässt.
Dies verhält sich so: Ein alter Pferdehirt, der in seinem früheren Leben nicht viel getaugt hatte, weidete einst einige Pferde.
Da er durch die Hitze des Tages sehr erschöpft war, legte er sich unter einer hohen Eiche nieder und schlief ein. Als er wieder aufwachte und die Pferde heim trieb, wunderten sich alle Leute, dass die Pferde ohne Hirten kamen. Als er nach Hause kam, sah ihn seine Frau nicht. Sie wunderte sich auch, dass der Hund, der sonst nie von seinem Herrn wich, ohne ihn kam.
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Sagen der mittleren Werra 99
Vom spukenden Mönch auf dem Wackenhof
Drei Viertelstunden hinter Möhra in Richtung Eisenach stand das ehemalige Lazaritenkloster Wachenhausen mit einer dem heiligen Bonifatius geweihten Kapelle.
Eine der drei Wohnungen, aus denen der Wackenhof besteht, hat noch ein steinernes Untergeschoss. Dieses soll ebenso wie der unter dem Haus befindliche Keller, der sogenannte Mönchskeller, aus jener alten Zeit stammen. In diesem Keller hält sich eine spukende Mönchsgestalt auf, die bis heute nicht selig werden konnte. Wenn es dem Mönch dort zu kalt wird, steigt er die Treppe in die Küche hinauf, setzt sich an den Herd und wärmt sich. Da er niemandem etwas in den Weg legt, machen es die Leute, die an seine Erscheinung gewöhnt sind, mit ihm gerade so. Wenn die Knechte und Mägde jedoch ihre nicht zum Haus gehörenden Liebsten heimlich einschmuggeln und bei sich schlafen lassen, kommt der Mönch zornig zu ihnen ans Bett, packt die Eindringlinge, schleppt sie in den Stall und wirft sie vor das Vieh in die Raufen. Gewiss kommen sie dann kein zweites Mal wieder.
Auch soll der Mönch es nicht dulden, dass die Mägde vor dem Anrichten zu viel von den Speisen naschen. Als eine von ihnen den Weiterlesen
Sagen der mittleren Werra 98
Der verfluchte Wald bei Wilhelmsthal
Zwischen Wilhelmsthal und Ruhla steht rechts und links vom Fahrweg ein Eichwald mit verdorrten Wipfeln. Die Sage erzählt darüber Folgendes:
Es soll einmal geschehen sein, dass sie in Eisenach einen Unschuldigen zum Strick verurteilten. Auf dem Weg zum Galgen beteuerte der Mann vor allen Leuten nochmals seine Unschuld. Als er jedoch sah, dass alles vergebens war, verfluchte er den Wald, aus dem das Holz für den Galgen eines Unschuldigen gezimmert worden war.
Seit jener Zeit verdorren hier die Wipfel des Waldes, weil das Galgenholz aus ihm genommen wurde.
Der Taubeneller Hans
Es kamen einmal zwei Studenten nach Taubenellen. Sie hatten schon viel vom Taubeneller Hans, einem gewaltigen Hexenmeister, gehört und wollten gern einen seiner Streiche miterleben. Man wies sie vom ehemaligen Jägerhaus in die Mühle, wo sie, ohne ihre Weiterlesen
Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 61

Herr von Kahlebutz in Kampehl verwest nicht
Vor mehreren Jahren hauste in Kampehl bei Wusterhausen an der Dosse ein Herr von Kahlebutz, von dem gesagt wird, dass er ein sehr jähzorniger Mann gewesen sei. Eines Tages wollte er nach Wusterhausen reiten. Am Bückwitzer See, wo der Weg über die Schwänze (so heißt der Abfluss des Sees in die Dosse) führt, traf er einen Schäfer. Mit diesem geriet er wegen des Weideplatzes in Streit. Als der Schäfer sein gutes Recht behauptete, erschlug ihn der Jähzornige. Obwohl es niemand gesehen hatte, fiel der Verdacht auf ihn. Er wurde vor Gericht in Neustadt an der Dosse vorgeladen, leugnete die Tat jedoch und schwor, dass er seine Hand niemals gegen den Schäfer erhoben habe. Sollte er einen falschen Eid schwören, dann wolle er, dass sein Leib Weiterlesen
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