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Im Original C. L. Wucke

Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 69

Die Gänse von Putlitz

Uralt ist das Geschlecht der Edlen Herrn geheten de Gense in der Priegnitz. Bald nennen sie sich von Wittenberge, bald von Perleberg, wo auch eine Gänseburg war, bis schließlich die Bezeichnung von Putlitz alle anderen überwog, und dieser Name verblieb. Lange haben sie eine hervorragende Stellung in der Geschichte der Priegnitz eingenommen, und ihr Länderbesitz war groß, größer zeitweise als der der Grafen von Ruppin. Auch in der altmärkischen Wische auf dem linken Elbufer besaßen sie Güter, denn dort liegt ebenfalls mitten im Sumpf ein Burgwall, die Gansenburg genannt.
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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 68

Die Wenden bei Lenzen

In der Nähe von Lenzen gegen Mecklenburg zu liegt das Dorf Seedorf, welches auf einem abgelassenen See von niederländischen Kolonisten gegründet sein soll. Daneben ist eine Breite des Flüsschens Löcknitz, die in der Sprache der Leute der Wennsee genannt wird. In diesem soll nach der Sage einstmals ein ganzes Wendenheer seinen Untergang gefunden und der See daher den Namen empfangen haben. Man meint auch, dass es an demselben nicht recht richtig sei; wenigstens sollen sich des Nachts die Geister der Umgekommenen noch dort sehen lassen und, den Kopf unter dem Arm, herumwanken. Wirklich sind auch noch in der neuesten Zeit dort Menschenschädel, die sehr alt waren, von den Fischern aus dem Wasser aufgefischt worden.
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Sagen der mittleren Werra 104

Von der Hexe zu Möhra

In Möhra lebte vor noch nicht allzu langer Zeit eine Hexe, die in dem ganzen Dorf gefürchtet war, und der kein Mensch bei Leib und Leben auf eine ihrer Fragen mit Ja oder Nein geantwortet hätte; denn viele hatten deutlich gesehen, wie Hans oft des Nachts als ein mit einem Feuerschein umgebener schwarzer Klumpen durch den Schornstein zu ihr spill (d. h. auf Besuch) gegangen war.

Einmal hatte es jedoch eine junge Bauerntochter versehen, der Gefürchteten gerade mit Ja geantwortet und sich damit in die Gewalt der Hexe gegeben. Da merkte das Mädchen bald, was sie getan hatte, denn sie wurde von Stund an so krank, dass sie das Bett nicht mehr verlassen konnte. Dazu kam noch, dass sie während ihrer Krankheit jedes Mal in der dritten Nacht einen barbarischen Hasen zum Spillgast bekam, der sich zu ihr auf das Bett setzte und sie gar gewaltig ängstigte.

Als sie nun dieses ihrem Vater klagte und dieser öffentlich auf die Hexe loszog, wurde ihm noch dazu sein ganzes Vieh im Stall aufstößig, sodass es kein Futter mehr zu sich nehmen konnte.

Ja, bei dem nächsten nächtlichen Besuch fing der Hase sogar zu reden an und sprach: »Ja, ja, mein Liebchen, das wird wohl noch Weiterlesen →

Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 67

Das Wunderblut zu Wilsnack

In der Prignitz lebte im Jahre 1383 ein Edelmann namens Heinrich von Bülow; dieser brannte auf feindselige Weise elf Dörfer in der Prignitz nieder und zerstörte sie, darunter auch das damalige Dorf Wilsnack. In jenem Dorf brannte die Kirche mit allem Inhalt vollständig ab. Der Pfarrer von Wilsnack, Herr Johannes, hatte damals drei Hostien für die Krankenkommunion eigens in der Kirche aufbewahrt.

In der Nacht nach dem Brand, als er gerade schlief, hörte er plötzlich eine Stimme rufen: »Steh auf, Johannes, und bereite dich darauf vor, am Altar der abgebrannten Kirche die Messe zu lesen!«

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Sagen der mittleren Werra 103

Von der weißen Frau in Möhra

»Mein Urgroßvater, den sie nur Schmied’s Hans nannten«, begann einer aus Möhra, »hier vom Wirtshausfenster aus kann man gerade wieder das Haus sehen, in dem er gewohnt hat. Der hatte eine weiße Frau im Haus, um die sich aber kein Mensch weiter bekümmerte, weil sie noch keinem etwas zuleide getan hatte. Nur ein einziges Mal hat er sie böse gemacht, als er wie gewöhnlich spät aus dem Wirtshaus heimging, in der Küche etwas knistern hörte und glaubte, es sei seine Frau. Da rief er sie dreimal bei ihrem Namen: ›Else! Else!‹ Und da er keine Antwort erhielt, wurde er böse und hieß sie, während er die Treppe hinaufging, ihn im … lecken. Kaum war ihm dieser Schimpf über die Zunge gekommen, stürzte die weiße Frau zornig aus der Küche und ihm nach. Er war jedoch mit ein paar Sätzen an der oberen Stubentür, denn dorthin und in die untere Stube durfte sie nicht gehen. Sie verschwand daher in der Rauchkammer, in die sie sonst aus dem Keller oder der Küche ging.

Neben der Rauchkammer war die Schlafkammer einer Frau aus Ruhla, die dem Alten nach Elses Tod den Haushalt besorgte. Zu der kam die weiße Frau später oft mehrere Nächte hintereinander, wenn die Alte müde war und sie ein verfluchtes Schönglaich (Schindluder) nannte, so seufzte sie und verschwand. Auch nach Schmieds Hansens Tod blieb das Gespenst im Haus. Da fiel Weiterlesen →