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Im Original Johann Wilhelm Wolf

Deutsche Märchen und Sagen 2

Johann Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

2. Vom dummen Peter

Es war einmal eine Frau, die mit zwei Kindern in einem kleinen Häuschen wohnte. Das eine von den Kindern war ein Mädchen; und die Frau hatte es mehr als lieb. Das andere war ein Junge und der wurde gehalten, als gehörte er nicht zum Haus. Er hatte es schlimmer als ein Hund, denn ein Hund bekommt doch noch frisches Stroh, um darauf zu schlafen. Der dumme Peter aber, denn so nannten sie ihn, musste sich mit trockenen Blättern begnügen. Dabei war das Dach des Ställchens, worin er schlief, noch so undicht, dass es überall tropfte, wenn ein Weiterlesen

Deutsche Märchen und Sagen 1

Johann Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

1. Das goldene Schloss

Es waren einmal ein König und eine Königin, die wohnten in einem Schloss von purem Gold. Die Königin war eine Zauberin. Sie hatte unter vielen anderen Sachen auch ein Spiegelchen. Wenn der König ausging, dann schaute sie da hinein und dann konnte sie alles sehen, wohin er ging, was er tat, gerade als hätte er vor ihr gestanden. Zugleich hatte sie alsdann die Macht, ihn überall hingehen zu lassen, wohin sie wollte. Es geschah nun einmal, dass sie den König auf die Art hin und wieder spazieren gehen ließ, bis er endlich an das Gestade der See kam. Weiterlesen

Hessische Sagen 25

Die zwei Brüder

In der alten Kirche zu Vöhl hingen zwei Schwerter, deren einem ein Stück fehlte. Dies sollen die Waffen gewesen sein, mit denen zwei Brüder oder Vetter vor Zeiten gegeneinander fochten, sodass der eine von des anderen Hand fiel, wie solches die Limburger unterm Jahr 1354 berichtet.
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Hessische Sagen 24

Die vermauerte Tür

Eine solche befindet sich in dem Speisesaal des freiherrlich Riedeselschen Schlosses Eisenbach und von ihr gibt es folgende Sage. Jedes Mal, wenn in dem Saal zwölf zu Tisch saßen, kam durch diese Tür, nie aber durch eine andere, der Dreizehnte dazu, sodass die schlimme Zahl voll wurde und einer aus der Gesellschaft binnen Jahresfrist sterben musste. Da hat man die Unglückstür zuletzt vermauert und seitdem wurde es anders, und wie oft auch noch zwölf Gäste sich zur Tafel setzten, erschien kein Dreizehnter mehr.
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Hessische Sagen 23

Die Kirche in Usenborn

Als die Einwohner von Usenborn sich einst ihre Kirche bauen wollten, hatten sie eine ganz andere Stelle zu dem Bau gewählt, als die, an der jetzt die Kirche steht. Aber alles Holz, welches sie am Tage zusammenfuhren, wurde in der Nacht durch einen Engel an Weiterlesen