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Die Schreckensherrschaft der Reno-Bande – Teil 2

Eine Verbrecherkarriere nimmt ihren Lauf

Der zweitjüngste Bruder Clinton und seine Schwester Laura hatten mit den illegalen Aktivitäten ihrer Geschwister nichts am Hut. Honest Clint, wie Clinton genannt wurde, blieb in Jackson County, während die Reno-Gang ihr Unwesen trieb. Aufzeichnungen besagen, dass Clinton im Februar 1880 angeklagt worden sei, an einem Überfall beteiligt gewesen zu sein, doch stellte sich heraus, dass die Anschuldigungen ihm gegenüber sich für haltlos erwiesen.
Laura kam zu keiner Zeit mit dem Gesetz in Konflikt, jedoch bekümmerte sie sich um ihre Brüder. Die Renos und ihre Verbündeten wählten ein ausgebranntes Gebäude von Rockford, welches hinter dichtem Gestrüpp entlang des White River nördlich der Stadt lag, als Versteck. Ende 1864 raubten Frank und zwei Gang-Mitglieder – Grant Wilson und Dixon – die Post und Gilbert’s Store in der Nähe von Jonesville aus und wurden kurz darauf von US-Marshals festgenommen. Sie wurden angeklagt und wieder freigelassen.
Die Dinge nahmen ihren Lauf. Im Jahr 1865 mehrten sich im Jackson County Raubüberfälle, so unter anderem auf die Postämter in Dudleytown und Seymour, zusammen mit mehreren Einbrüchen in Geschäfte. Wilson, der nach den Raubüberfällen in Jonesville verhaftet wurde, wandte sich als Kronzeuge gegen Frank Reno. Aber er wurde ermordet, bevor er seine Aussagen vor Gericht machen konnte, und Frank wurde später aufgrund des Mangels an Beweisen freigesprochen. Das Rader House, ein Hotel in Seymour, wurde zum Zufluchtsort für die Reno-Brüder und ihre Gefolgsleute. Zu dieser Zeit mussten viele Reisende, welche im Hotel übernachteten, feststellen, dass in ihre Zimmer eingebrochen wurde. Die Ausgabe der Seymour Times vom 27. Juli 1865 brachte eine Warnung an Besucher der Region heraus, »vorsichtig zu sein, da Diebe und Mörder den Ort heimsuchen.« Am 3. August verfasste die gleiche Zeitung einen Leserbrief, in welchem die Gesetzlosigkeit in Jackson County verurteilt und die Bildung von Bürgerwehren zur Wiederherstellung der Ordnung gefordert wurde. »Nichts außer ein Lynchgesetz wird den Ruf des Ortes und seiner Bürger retten«, erklärte der Redakteur Dr. J.R. Monroe.

Das Jahr 1866 begann mit der Ermordung eines Rader House Gastes, dessen enthauptete Leiche im White River gefunden wurde. Das Postamt in Cortland wurde am 11. Januar ausgeraubt, weitere Morde im Februar und Juli folgten.
In den Monaten nach dem Bürgerkrieg entwickelte sich das südliche Indiana zu einer Brutstätte für die Copperheads, eine Gruppierung von Sympathisanten, die den Wiederaufbau des Südens unterstützten. Am 9. Oktober fanden Landtagswahlen statt. Die Wut auf die Reno-Gang wurde durch den Hass auf die Copperheads ersetzt. Grund dafür war die Tatsache, dass sich die Copperheads durch Wähler aus dem nahegelegenen Kentucky helfen ließen, um eine pro-süd-gerichtete Gesetzgebung erreichen zu können. Diese Zeit nutzten die Renos für neue Überfälle aus. Ihr nächster Schlag sollte in die Geschichte Amerikas als erster Eisenbahnraub in Friedenszeiten eingehen. Sicherlich wird an dieser Stelle der ein oder andere Westernfreak anmerken, dass es am 5. Mai 1865 einen Überfall auf die Ohio & Mississippi Railroad bei North Bend, Ohio gab, ca. einen Monat später, nachdem General Robert E. Lee bei Appomattox Court House vor den Truppen der Nordstaaten unter Generalleutnant Ulysses S. Grant kapitulierte und Historiker den 9. April 1865 als offizielles Ende des amerikanischen Bürgerkrieges bezeichnen. Wer tatsächlich für den Überfall verantwortlich war, konnte jedoch nie ermittelt werden. In der Regel wird den Reno-Brüdern der Beginn der Eisenbahnraub-Ära zugeschrieben, die von Jesse und Frank James und später von Butch Cassidy und Sundance Kid fortgeführt wurde.

Text- und Bildquellen:

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