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Deutsche Märchen und Sagen 181

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

239. Rotmützchen

In Ostflandern halten die Knechte es sehr mit den Rotmützchen und diese helfen ihnen zu manch bösen Streichen. Wenn die Knechte nämlich ein Liebchen haben, welches ihnen nicht ganz hold ist, dann lassen sie sich das Mädchen nachts von den Rotmützchen aus dem Bett holen und in ihre Kammer oder in den Pferdestall bringen, in dem sie schlafen. Wenn das Mädchen nun erwacht, dann ist es so beschämt, dass es froh ist, zu schweigen und den Knecht, der es ihm angetan hatte, auf seiner Seite zu halten, damit er nur nicht von der Sache spreche. Dadurch ist schon manches Mädchen zu einer Heirat gezwungen worden.

240. Rübezahls Pferde

Ein vornehmer Kriegsobrist hat mir erzählt, Rübezahl sei einmal einem schwedischen Oberstleutnant in Gestalt einer vornehmen Person erschienen und habe sechs schöne weiße Pferde mit sich geführt. Dem Schweden behagte die Beute über die Maßen, doch durfte er keine Gewalt gebrauchen, weil grade ein Waffenstillstand geschlossen war. Er umzingelte also mit seinen Soldaten den erwähnten Herrn, hielt ihn an und fragte ihn, ob es ihm nicht beliebe, die weißen Pferde gegen einige der Soldatenpferde zu tauschen.

»Ihr seid nicht weit mehr von der Stadt ab«, sprach er zu Rübezahl, »und ich muss noch einige Meilen Wegs machen und meine Pferde sind müde.«

Rübezahl lächelte und sprach, er wäre des Tausches zufrieden.

Der Offizier suchte die schlechtesten seiner Pferde aus, nahm dagegen die sechs schönen weißen und ritt hocherfreut weg, denn er meinte, einen sehr guten Tausch gemacht zu haben. Als aber der Wagenknecht morgens aufstand, die schönen Rosse zu füttern, fand er statt ihrer ebenso viel Büschel Stroh an die Krippe gebunden.