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Seraina Kobler – Nachtschein

Seraina Kobler – Nachtschein

Die Geschichte beginnt damit, dass Elenor Engler, Mutter eines erwachsenen Sohnes und Ehefrau eines vermögenden Immobilienbesitzers und Hoteliers aus Zürich ein Schlafmittel nimmt, ein Abendkleid anzieht und im Mantel, aber barfuß zum Ufer des Sees geht.

Schließlich geht sie weiter ins Wasser, Schritt für Schritt, um zu schwimmen, solange die Kraft reicht, bis in die Mitte des Sees und dann einfach loszulassen und zu ertrinken.

Ein Muscheltaucher, der am Abend zuvor getrunken hat, zieht seinen Neopren-Anzug über, setzt die Taucherbrille auf, verstaut seine Kleider in einem wasserdichten Beutel am Ufer des Sees und springt hinein. Auf der Suche nach Muscheln wird er schnell fündig.

Endlich, als er tiefer tauchen will, gesellen sich Schwäne zu ihm, die auf etwas Fressbares hoffen. Er schwimmt zurück und will gerade den Schwänen sein Revier überlassen, als er die Gestalt im Wasser bemerkt. In den letzten Jahren ist es immer beliebter geworden, im Winter im See zu schwimmen, aber an einem eisigen im Novembermorgen und in einem solchen Kleid?

Er sieht sich um. Kein Filmteam in der Nähe. Dann durchzuckt es ihn wie ein Stromstoß, er zieht seine Tasche aus dem Gebüsch und ruft die Seepolizei an. Danach zieht er die Flossen wieder an und paddelt eilig los. So wird Elenor Engler gerettet und in die Psychiatrie gebracht.

Dort hat sie später auch mit der Seepolizistin Rosa Zambrano zu tun, der Hauptakteurin in Seraina Koblers Krimi. Diese ermittelt zusammen mit ihrem Geliebten Martin, den sie seit der Polizeischule kennt, in einem Fall von Brandstiftung und dem offenbar daraus folgenden Tod einer jungen Frau.

Martin ist wenige Jahre jünger als Rosa, zielstrebig bei der Arbeit und unentschlossen in Beziehungen. Rosa ist zu dem Zeitpunkt, als sie mit Martin eine Beziehung beginnt, frisch getrennt und wünscht sich ein Kind. Das Ganze ist also ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Die Brandstiftung mit mutmaßlicher Todesfolge hat sich mitten in Zürich, genauer gesagt im Hafen Enge ereignet. Dort traf sich Ruben, der Sohn von Elenor Engler, mit Iva, der Tochter einer Geschäftspartnerin seines Vaters, auf dessen Jacht. Während Iva an Bord bleibt, klettert Ruben an Land, um dort Getränke zu holen. Iva denkt darüber nach, wie es wäre, wenn sie als DJ einen eigenen Klub hätte, als jemand das Boot betritt, den sie kennt.

Der dem Leser Unbekannte ist fast komplett vermummt, presst sie auf die Matratze und drückt ihr ein Handtuch aufs Gesicht, als sie schreien will. Er dreht sie auf dem Bauch, klebt ihr den Mund mit Klebeband zu, fesselt ihre Handgelenke mit ihrem eigenen Schal und hält sie fest. Dann zieht er seine Hose aus, reißt mit den Zähnen ein Kondom auf, vergewaltigt sie und legt ihr dabei eine Schlinge um den Hals.

Ab als Ruben Engler zurückkehrt, glaubt er, Iva habe einvernehmlichen Sex, als er durch das Bullauge schaut. Er verlässt das Boot wieder, wirft die Flaschen, die er gekauft wird, in den See und schenkt die Tüte mit dem Essen, das er ebenfalls geholt hat, einen Obdachlosen, der auf einer Bank in der Nähe sitzt. Auf dem Rückweg trifft er seinen Vater, der leicht schwankend aus dem Seebad Enge tritt. Dieser ruft nach ihm, aber Ruben reagiert nicht. Dann brennt das Boot der Englers, später der halbe Hafen und Iva verliert schließlich ihr Leben.

 

Die Autorin hat mit Nachtschein eine spannende, verwickelte Kriminalgeschichte verfasst und berührt zudem eine Reihe von Themen, die den Leser zeigen, dass sie einen regen Verstand hat und Kompetenzen in vielerlei Bereichen.

Zuerst ist da ihr Wissen über Kulinarisches. Ferner kennt sie sich in der Stadt Zürich und ihrer Architektur bestens aus und ist auch wirtschaftlich in dieser Stadt auf dem Laufenden. Dazu kommt, dass sie Kenntnisse von der Arbeiter Seepolizei besitzt und auch über künstliche Befruchtung, die Gepflogenheiten bei öffentlichen Ausschreibungen, Kommunal- und Landespolitik und die Tätigkeit von Journalisten informiert ist.

Auffällig ist zudem, dass Seraina Kobler psychologisch interessante Charaktere entworfen hat und eine Sicht auf die Menschen hat, wie ein wenig ungewöhnlich ist und nicht der Norm entspricht. So bekommt dieser Zürich-Krimi eine ein wenig extravagante Note und ist für den Leser interessant, der gerne Bücher über nicht alltägliche Leute konsumiert.

Fazit:

Die Verfasserin bietet mit Nachtschein einen Kriminalroman, der mannigfaltige Erzählbereiche gekonnt miteinander verknüpft und dabei extravagante Charaktere und deren Lebensentwürfe beschreibt.

Ich möchte diese Geschichte demjenigen Leser empfehlen, der gerne einmal einen Krimi liest, der etwas anders als der Durchschnitt ist.

Die Autorin:

Seraina Kobler wurde 1982 in Locarno geboren. Sie wuchs in Onsernonetal im Tessin auf und studierte Linguistik und Kulturwissenschaften in Winterthur und Konstanz.

2003 kam sie nach Zürich, studierte dort Literarisches Schreiben und arbeitete anschließend als Journalistin, u.a. bei der Neuen Zürcher Zeitung, bevor sie freie Autorin wurde. Sie hat vier Kinder und lebt mit ihrer Familie In Zürich und Lausanne.

2020 gab sie ihr Romandebüt mit dem Titel Regenschatten. Ihr erster Zürich-Krimi um Rosa Zambrano von der Seepolizei, mit dem Titel Tiefes dunkles Blau, war in der Schweiz ein Bestseller.

Quellen:

Bilder:

  • Cover des Romans. Mit freundlicher Genehmigung des Diogenes-Verlags.
  • Foto der Autorin: Franco. P. Tettamanti. Copyright: Diogenes-Verlag. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung des Diogenes-Verlags.

(ww)