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Ein Ostseepirat Band 2 – Kapitel 33

Carl Schmeling
Ein Ostseepirat
Historischer Roman, Zweiter Band
XXXIII. Mann und Frau

Oberst Staelswerd war mit seiner Wache glück­lich, so schnell es eben ging, bei der Kustodie ange­langt; jedoch nur, um zu seinem Schreck und Ärger eine höchst unangenehme Bescherung und einen auf­geregten Stadtteil zu finden.

Das Gerücht von dem Geschehenen verbreitete sich trotz der späten Stunde sehr schnell. Bald war auch ein Teil der Scharwache an dem Ort.

Der Schließer war schwer verwundet, lebte jedoch noch und konnte erzählen, was geschehen war. Die Stadtwache schickte sich an, nach den ihr von den Nachbarn werdenden Nachweisungen die Flüchtigen zu verfolgen.

Das war kein Resultat, mit dem der Baron sich zufrieden fühlen konnte. Ärgerlich verließ er den Schauplatz, als dessen Regisseur er mit Recht zu betrachten war.

In übelster Laune durch die finsteren Straßen stolpernd und unangenehm von dem berührt, was er auf demselben von Begegnenden noch hören musste, kam er vor seiner Wohnung an, um dort noch obendrein von der Stadtwache angehalten zu werden.

Staelswerd gab sich zu erkennen.

»Was gibt es denn hier?«, war eine Frage, die ihm unwillkürlich entfuhr.

Der Wachtmeister erklärte ihm, was vorgefallen und Staelswerd fuhr auf.

»Teufel, was wird das?«, meinte er, dann er­zählte er dem Sicherheitsbeamten, was er wusste.

»Folgen Sie mir«, schloss er seine Rede.

Staelswerd begab sich, von dem Beamten begleitet, nicht in seine Wohnung, sondern zu den Zimmern seiner Frau und verlangte Einlass.

Es dauerte lange, bis seinem Verlangen ent­sprochen wurde. Er hatte vorhin noch keinen be­stimmten Verdacht gehabt, doch jetzt fasste er den­selben.

Bei seinem Eintritt in das Zimmer seiner Ge­mahlin flog deshalb sein Blick suchend umher, doch er fand nichts Bemerkenswertes.

»Sie wünschen?«, fragte die Baronin.

»Sie haben Besuch gehabt!«, antwortete der Oberst. »Ich glaube nicht nötig zu haben, Sie zu fragen, ob und wann ich Besuch annehmen darf.«

»Wer ist der Herr?«

»Sie werden ihn an der Uniform erkennen. Es gibt Besuche, die ich denn doch nicht zu leiden nötig habe.«

»Was will der Mann? Ich denke, wir sind uns genug, um unsere Verhältnisse zu erörtern.«

»Der Mann ist auf meinen Befehl hier und wird Ihre Zimmer, wenn es sein muss, das ganze Haus durchsuchen!«

»Kraft welches Rechts fühlen Sie sich zu einem solchen Befehl gedrungen?«

»Kraft desjenigen, welches jedem Ehemann zu­steht!«

»Ihre Dienerin, gestrenger Eheherr«, spottete die Dame.

»Sie werden guttun, in einem anderen Ton zu sprechen, Madame. Wachtmeister, tun Sie Ihre Schuldigkeit!«

»Mein Freund«, sagte die Baronin, »es ist dies das Haus des Gouverneurs.«

»Gnädige Frau, es sind verdächtige Personen in dies Haus gegangen und nach ihnen suche ich.«

»In meiner Wohnung kann nur jemand mit meiner Einwilligung kommen. Ich brauche niemand Rechenschaft darüber zu geben, wen ich einlasse.«

»Es sind hier unten drei Leute verhaftet«, sagte der Mann, »von denen man vermutet …!«

»Wie«, rief die Dame jäh, »wer ist ver­haftet?«

»Derselbe Mann, welcher der Eispartie seine angenehme Gesellschaft ohne alles Recht schenkte«, sagte der Baron.

Die Dame erbleichte.

»Also doch«, flüsterte sie, »ich werde meinen Vater wecken lassen!«

»Nicht von der Stelle!«, sagte der Baron, ihr den Weg vertretend, als sie Miene machte, hinaus­zueilen.

»Sie wollten …«

»Wachtmeister, ich befehle Ihnen nochmals Ihre Schuldigkeit zu tun.«

Die Baronin war mit ihrem Mut zu Ende; die Mitteilung über die Verhaftung Jacobsons hatte denselben gebrochen. Sie machte keinen Versuch mehr, die Durchsuchung ihrer Zimmer zu verhindern.

Schon im nächsten Zimmer wurden die drei kaum befreiten Damen gefunden.

»Ei!«, rief der Oberst, »vortrefflich, Sie werden Gesellschaft bekommen, meine Damen! Wachtmeister, ich übergebe Ihnen auch jene Frau da. Sie wird zu verantworten haben, was sie getan hat.«

»Mich!«, rief die Baronin.

Inzwischen hatte jedoch die Zofe der Baronin getan, was ihre Herrin tun wollte. Sobald sie deren Absicht im Vorzimmer bemerkte, war sie zu dem anderen Flügel des Hauses geeilt und hatte den Gouverneur wecken lassen.

Als derselbe erwacht war, hatte sie ihm mit geläu­figer Zunge mitgeteilt, was in seinem Haus vor­ging.

Der Gouverneur erschien daher nun in Nacht­kleidern in seinem Zimmer. Die Entrüstung war in seinen Zügen zu lesen.

Staelswerd war in seinem Hass gegen seine Ge­mahlin zu weit gegangen und hatte vergessen, dass er selbst nur in diesem Haus geduldet, nur durch den Gouverneur aufrecht gehalten wurde.

Seine Gemahlin eilte dem Vater entgegen.

»Sind Sie noch Gouverneur dieser Stadt, mein Papa?«, rief sie außer sich, »sind Sie noch Herr in Ihrem Haus, oder dieser Mann, dessen Bravour darin zu bestehen scheint, gegen Damen zu Felde zu ziehen, und der hier durch die Polizei eine Hausdurchsuchung halten lässt.«

»Schere Er sich hinaus!«, donnerte der Gou­verneur dem Beamten zu. »Sind das die Damen, da?«

»Jawohl, Vater.«

»Sie bleiben bis auf Weiteres meine Gäste. Sie begeben sich sofort in Arrest, Herr Oberst.«

»Exzellenz!«, stotterte Staelswerd. »Hinaus oder ich lasse Sie in Ketten an den Ort Ihrer Bestimmung transportieren.«

Das war eine böse Wendung der Dinge. Doch Staelswerd musste gehorchen. Mit einem Wutblick auf seine Gemahlin ging er zähneknir­schend ab.

Der Gouverneur riss das Fenster auf und brüllte in die Nacht hinaus, dass sich die Beamten sämtlich zum Teufel scheren sollten, ihm aber am nächsten Morgen Rapport über die Ereignisse der Nacht zu machen hätten.

»Sorge für die Damen!«, rief der erzürnte Herr dann der Tochter zu und eilte mit einer Ver­beugung hinaus.

»Alles kann noch gut werden«, ermutigte die Baronin ihre Gäste, wenn uns der Kapitän nicht gefangen wäre. Für ihn sieht es allerdings böse aus, doch wir werden ja morgen sehen, was sich tun lässt; ich gelte etwas bei dem Vater.«