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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 13

Die Geschichte vom Müller Pumpfuß

Vom Müller Pumpfuß und seinen Streichen weiß man aber noch in der ganzen Mark zu erzählen, besonders in der Ucker- und Neumark. Er konnte mehr als Brot essen, hatte aber nirgends rechte Ruhe und wanderte gern als Feierbursche umher. Wehe aber den Müllern, wenn sie ihn nicht gut aufnahmen oder gar die Frau Meisterin überhaupt einen Imbiss versagte, dann spielte er ihnen sicherlich einen argen Possen. Dann geschah es zum Beispiel, dass er den Mühlstein, der so groß war, dass ihn vier Pferde kaum von der Stelle brachten, auf den Nacken nahm und damit aufs Dach kletterte, wo er ihn liegen ließ, sodass der Müller und all seine Gesellen ihn nachher nur mit der äußersten Mühe wieder herunter brachten.

Einmal kam er auch so zu einer Mühle, wo der Mann gerade nicht zu Hause war, und sprach als Feierbursche um Frühstück an. Die Frau setzte ihm Butter und Brot vor, aber in der Ofenröhre hatte sie einen Braten für ihren Mann. Pumpfuß, der das merkte, fragte, ob sie nicht noch etwas Fleisch hätte. Die Frau aber sagte Nein. Da ging er fort und sagte nicht Adieu.

Mit einem Mal hörte die Frau über ihrem Schornstein etwas rasseln. Als sie hinaufblickte, war der Läufer (der oberste Mühlstein) über dem Schornstein und drehte sich wie toll. Da merkte sie, wer der Feierbursche gewesen war, schickte ihm schnell nach und ließ ihn bitten, doch zurückzukommen, sie hätte auch Braten für ihn.

Pumpfuß ließ sich erst lange bitten, dann aber ging er zurück und frühstückte rechtschaffen. Während er aber frühstückte, war der Läufer wieder an seinem Ort und alles in Ordnung.

Ein anderes Mal kam er vor einer Windmühle vorbei und hörte, dass eben scharf gemacht wurde.

Er ging hinauf, sprach den Handwerksgruß und fragte: »Ist es erlaubt, scharf zu machen?«

Da man ihm antwortete »Immerzu«, so machte er sich daran. Er stellte sich an den Läufer und arbeitete los. Aber niemand bot ihm etwas an, weder zu essen noch zu trinken. Endlich wurde ihm doch die Zeit zu lang, er steckte den Pickenstiel durch das Loch des Läufers, hob ihn sich auf die Schulter und ging zum Wirtshaus Dort setzte er den Stein nieder und frühstückte. Aber es dauerte gar nicht lange, da kamen Meister und Geselle und baten ihn, zum Müllerhaus zu kommen. Erst nachdem er sie hatte eine Weile zappeln lassen, ließ er sich erbitten und nahm den Stein mit. Beim Müller aber gab es nachher das Beste aus Küche und Keller.

Wenn es ihm einmal einfiel, Arbeit auf einer Mühle zu nehmen, dann machte er gewöhnlich so viele Tollheiten, besonders wenn eine außergewöhnliche Zumutung an ihn gestellt wurde, dass man gern froh war, wenn er wieder das Haus verließ.

Einst war er Bescheider auf einer Windmühle. Nun kam eines Tags die Frau Meisterin zu ihm herauf und bat ihn, ihr ein wenig Kaffeeholz zu hauen. Pumpfuß ärgerte sich über diese Zumutung, sagte aber scheinbar ruhig, sie möchte nur etwas warten, er würde gleich etwas besorgen.

Auf einmal knasterte und knisterte es gewaltig in dem Kammrade und Getriebe, und siehe da, alle Kämme brachen aus dem Kammrade heraus und fielen der Frau zu Füßen.

»So, da ist Kaffeeholz«, sagt Pumpfuß.

Aber die Frau war bleich vor Schrecken und konnte kein Wort hervorbringen wegen des großen Schadens in der Mühle.

Da dauerte sie denn doch Pumpfuß, und er ging zur Scheune, holte ein Bund Stroh, schnitt die Ähren ab und steckte sie in die Kammlöcher. Dann ließ er die Mühle an, und siehe, es ging alles wieder so frisch wie vorhin. Die Frau hatte aber kein Kaffeeholz mehr von ihm gewollt.

Zuletzt hatte er aber doch kein gutes Ende genommen. Er kam nämlich zu einer Mühle, die hatte zwölf Gänge, die gingen sämtlich. Aber es war auch einer da, auf dem durfte niemand mahlen, der war verschlossen; das war der dreizehnte, und auf diesem Gang mahlte der Teufel.

Der Mühlenmeister versprach nun Pumpfuß, den er kannte, ein hübsches Stück Geld, wenn er ihm den dreizehnten Gang auch freimachte.

Da ging er hinein in den Gang und redete mit dem Teufel; der sagte auch Ja, er wolle weichen, wenn er ein halbes Jahr lang keine Kunststücke mehr machen und keinen Branntwein mehr trinken wollte. Das versprach auch Pumpfuß und sagte dann dem Müller, er würde in einem halben Jahr wiederkommen, dann sollte der Gang frei sein.

Am letzten Tag vor Ablauf des halben Jahres kam er auch wieder. Da machten die Gesellen ein großes Fest und beredeten ihn, dass er trank. Die Zeit war aber noch nicht ganz verflossen, es fehlten noch einige Stunden. Als er darauf hinausging und nicht wieder kam, gingen sie ihn zu suchen, und als sie ihn fanden, war ihm das Genick umgedreht. Das hatte der Teufel getan, weil er sein Wort nicht gehalten hatte.