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Die drei Musketiere – Zwanzig Jahre danach – 7. – 10. Bändchen – Kapitel XIX

Alexandre Dumas
Zwanzig Jahre danach
Siebentes bis zehntes Bändchen
Fortsetzung der drei Musketiere
Nach dem Französischen von August Zoller
Verlag der Frankh’schen Buchhandlung. Stuttgart. 1845.

XIX. Der Rächer

Alle vier traten in das Zelt. Es war noch kein Plan gemacht, man musste etwas feststellen.

Der König sank in einen Lehnstuhl und rief: »Ich bin verloren!«

»Nein, Sire«, entgegnete Athos, »Ihr seid nur verraten.«

Der König stieß einen tiefen Seufzer aus.

»Verraten, verraten durch die Schottländer, in deren Mitte ich geboren bin, die ich immer den Engländern vorzog! Oh, die Elenden!«

»Sire«, sprach Athos, »es ist nicht die Stunde zu Klagen und Anschuldigungen, sondern der Augenblick, wo Ihr zeigen müsst, dass Ihr König und Edelmann seid. Erhebt Euch, Sire! Denn Ihr habt wenigstens hier drei Männer, die Euch nicht verraten werden. Darüber könnt Ihr unbesorgt sein. Ah! Wenn wir nur fünf wären«, murmelte Athos, an d’Artagnan und Porthos denkend.

»Was sagt Ihr?«, fragte Karl aufstehend.

»Ich sage, Sire, dass es nur ein Mittel gibt. Mylord von Winter bürgt für sein Regiment, er tut es wenigstens so ungefähr, streiten wir nicht um Worte. Er stellt sich an die Spitze seiner Leute, wir stellen uns an die Seite Seiner Majestät, wir machen eine Öffnung in die Armee von Cromwell und erreichen Schottland.«

»Es gäbe noch ein Mittel«, versetzte Aramis; »Einer von uns müsste die Kleidung und das Pferd des Königs nehmen. Während man diesen mit aller Hitze verfolgte, würde der König vielleicht durchkommen.«

»Der Rat ist gut«, sagte Athos, »und wenn Seine Majestät einem von uns diese Ehre erweisen wollte, so würden wir sehr dankbar dafür sein.«

»Was ist Eure Ansicht von diesem Rat, Mylord von Winter?«, sprach der König und schaute dabei voll Bewunderung die zwei Männer an, deren einzige Sorge es war, auf ihr Haupt die Gefahren zu häufen, die ihn bedrohten.

»Ich denke, Sire, dass, wenn es ein Mittel gibt, Euere Majestät zu retten, Monsieur d’Herblay dasselbe vorgeschlagen hat. Ich bitte also Eure Majestät untertänig, sogleich ihre Wahl zu treffen, denn wir haben keine Zeit zu verlieren.«

»Aber willige ich ein, so erfolgt dadurch der Tod oder wenigstens das Gefängnis für denjenigen, welcher meinen Platz einnehmen wird.«

»Es entspringt daraus die Ehre für ihn, seinen König gerettet zu haben!«, rief der Graf von Winter.

Der König schaute seinen alten Freund mit Tränen in den Augen an, machte das Band des Heiligen-Geist-Ordens los, den er trug, um die zwei Franzosen zu ehren, die ihn begleiteten, und schlang es um den Hals von Winter, welcher knieend dieses furchtbare Zeichen des Vertrauens und der Freundschaft seines Fürsten empfing.

»Es ist richtig«, sagte Athos, »er dient ihm länger als wir.«

Der König hörte diese Worte, wandte sich voll Rührung um und sprach: »Messieurs, wartet einen Augenblick, ich habe jedem von Euch ebenfalls ein Band zu geben.«

Dann ging er an einen Schrank, in welchem seine eigenen Orden eingeschlossen waren, und nahm zwei Insignien des Hosenbandordens heraus.

»Diese Orden können nicht für uns sein«, sprach Athos.

»Warum nicht, Monsieur?«, versetzte Karl.

»Diese Orden sind für Könige, und wir sind nur einfache Edelleute.«

»Lasst alle Throne der Erde vorüberziehen«, sagte der König, »und findet mir größere Herzen als die Euren. Nein, nein, Ihr lasst Euch nicht Gerechtigkeit widerfahren, Messieurs, aber ich bin da, um dies zu tun. Auf die Knie, Graf.«

Athos kniete nieder; der König schlang ihm das Band der Gewohnheit gemäß von der Linken zur Rechten um, hob sein Schwert und sprach statt der herkömmlichen Formel Ich mache Euch zum Ritter, seid tapfer, treu und redlich: »Ihr seid tapfer, treu und redlich, ich mache Euch zum Ritter, Monsieur Graf.«

Dann sich an Aramis wendend: »Nun Ihr, Monsieur Chevalier.«

Und dieselbe Zeremonie wurde mit denselben Worten wiederholt, während Winter, von Dienern unterstützt, seinen Panzer losmachte, um eher für den König gehalten zu werden.

Als Karl mit Aramis, wie mit Athos geendigt hatte, umarmte er beide.

»Sire«, sagte Lord Winter, der im Angesicht einer großen Entwicklung seine ganze Kraft und seinen ganzen Mut wieder gewonnen hatte, »Sire, wir sind bereit.«

Der König schaute die drei Edelleute an und sprach: »Ich muss also fliehen?«

»Durch ein Heer fliehen, nennt man in allen Ländern der Welt angreifen«, erwiderte Athos.

»Ich werde mit dem Schwert in der Hand sterben«, rief Karl. »Monsieur Graf, Monsieur Chevalier, wenn ich je König bin …«

»Sire, Ihr habt uns bereits mehr geehrt, als es einfachen Edelleuten gebührte; die Dankbarkeit ist also auf unserer Seite. Aber verlieren wir keine Zeit mehr, denn wir haben bereits nur zu viel verloren.«

Der König reichte allen dreien zum letzten Mal die Hand, vertauschte seinen Hut mit dem von Winter und ging hinaus.

Das Regiment von Winter war auf einer Plattform aufgestellt, welche das Lager beherrschte. Der König wandte sich, gefolgt von den drei Freunden, zu der Plattform.

Das schottische Lager schien endlich erwacht zu sein; die Leute waren aus ihren Zelten und hatten sich in Reihe und Glied gestellt, wie zu einer Schlacht.

»Seht Ihr«, sprach der König, »vielleicht bereuen sie es und sind bereit zu marschieren.«

»Wenn sie bereuen«, versetzte Athos, »so werden sie uns folgen.«

»Wohl, was tun wir?«, fragte der König.

»Wir wollen das feindliche Heer beobachten«, erwiderte Athos.

Die Augen der kleinen Gruppe hefteten sich sogleich auf die Linie, die man bei Tagesanbruch für Nebel gehalten hatte, und die nun die ersten Sonnenstrahlen als ein in Schlachtordnung aufgestelltes Heer bezeichneten. Die Luft war rein und durchsichtig, wie es gewöhnlich zu dieser Morgenstunde der Fall ist. Man unterschied vollkommen die Regimenter, die Standarten sowie die Farbe der Uniformen und der Pferde.

Dann sah man auf einem niedrigen Hügel, etwas vor der feindlichen Front, einen kleinen, gedrungenen, schwerfälligen Mann erscheinen; dieser Mann war von einigen Offizieren umgeben. Er richtete ein Augenglas nach der Gruppe, zu welcher der König gehörte.

»Kennt dieser Mann Eure Majestät persönlich?«, fragte Aramis.

Karl erwiderte lächelnd: »Dieser Mann ist Cromwell.«

»Dann senkt Euren Hut, Sire, damit er die Unterschiebung nicht wahrnimmt.«

»Ah!«, sprach Athos, »wir haben viel Zeit verloren.«

»Nun den Befehl«, erwiderte der König, »und wir ziehen ab.«

»Gebt Ihr ihn, Sire?«, fragte Athos.

»Nein, ich ernenne Euch zu meinem Generalleutnant«, sprach der König.

»Hört, also, Mylord von Winter«, sagte Athos, »entfernt Euch, Sire, ich bitte Euch; was wir sprechen wollen, geht Eure Majestät nichts an.«

Der König machte lächelnd drei Schritte rückwärts.

»Folgendes ist mein Vorschlag«, fuhr Athos fort. »Wir teilen Euer Regiment in zwei Schwadronen. Ihr stellt Euch an die Spitze der ersten, Seine Majestät und wir stellen uns an die Spitze der zweiten. Versperrt uns nichts den Zug, so greifen wir alle miteinander an, um die feindliche Linie zu forcieren und uns in die Tyne zu werfen, über die wir schwimmend oder watend gelangen. Stößt uns dagegen ein Hindernis auf unserem Zuge auf, so lasst Ihr und Eure Leute Euch bis auf den letzten Mann töten, wir und der König setzen unseren Weg fort. Sind wir einmal am Ufer angelangt, so ist das Weitere unsere Sache; und wären sie drei Glieder hoch aufgestellt, wenn nur Eure Leute ihre Schuldigkeit tun.«

»Zu Pferde«, rief Lord Winter.

»Zu Pferde!«, sprach Athos, »alles ist bedacht und entschieden.«

»Vorwärts, Messieurs«, sagte der König, »vorwärts. Wählen wir das alte Kriegsgeschrei der Franzosen: Mon joie et Saint-Denis! Das Kriegsgeschrei von England wird gegenwärtig von zu vielen Verrätern wiederholt.«

Man schwang sich in den Sattel, der König nahm das Pferd von Winter, Winter das des Königs; Winter stellte sich in das erste Glied der ersten Schwadron, und der König, Athos zu seiner Rechten und Aramis zu seiner Linken, in das erste Glied der zweiten.

Die ganze schottische Armee betrachtete diese Vorkehrungen mit der Unbeweglichkeit und dem Schweigen der Scham.

Man sah, wie einige Hauptleute aus den Gliedern hervortraten und ihre Schwerter zerbrachen.

»Das tröstet mich«, sagte der König, »ich sehe, dass nicht alle Verräter sind.«

In diesem Augenblick ertönte die Stimme von Lord Winter.

»Vorwärts!« rief er.

Die erste Schwadron fing an, sich in Bewegung zu setzen, die zweite folgte ihr und stieg die Plattform hinab. Ein der Zahl nach ungefähr gleichstarkes Regiment Kürassiere entwickelte sich hinter dem Hügel und ritt im schnellsten Galopp entgegen.

Der König zeigte Athos und Aramis, was vorging.

»Sire«, sprach Athos, »für diesen Fall ist vorhergesehen, und wenn die Leute von Lord Winter ihre Schuldigkeit tun, so rettet uns dieses Ereignis, statt uns zu verderben.«

In diesem Augenblick hörte man Lord Winter, allen Lärm beherrschend, den die galoppierenden und wiehernden Pferde machten, mit kräftiger Stimme ausrufen:

»Säbel in die Hand!«

Alle Säbel fuhren aus den Scheiden und erschienen wie Blitze.

»Auf! Messieurs«, rief der König ebenfalls, berauscht durch das Getöse und den Anblick, »auf, Messieurs, den Säbel in die Hand!«

Aber diesem Befehl, wobei der König das Beispiel gab, gehorchten nur Athos und Aramis.

»Wir sind verraten«, sagte der König ganz leise.

»Wir wollen noch warten«, versetzte Athos, »vielleicht haben sie die Stimme Eurer Majestät nicht erkannt und harren noch des Befehls ihres Schwadrons-Chefs.«

»Haben sie nicht den ihres Obersten gehört? Aber seht! Seht!«, rief der König, sein Pferd mit einem so gewaltigen Ritt parierend, dass es sich auf seinen Haxen bog und zugleich das von Athos am Zaum fassend.

»Ah, Feige! Ah, Elende! Ah, Verräter!«, rief Lord Winter, dessen Stimme man deutlich hörte, während seine Leute Reihe und Glied verlassend, sich in der Ebene zerstreuten.

Kaum fünfzehn Mann waren um ihn gruppiert und erwarteten den Angriff der Kürassiere von Cromwell.

»Lasst uns mit ihnen sterben!«, sprach der König.

»Lasst uns sterben«, wiederholten Athos und Aramis.

»Herbei, ihr treuen Herzen!«, rief Lord Winter.

Diese Stimme gelangte bis zu den zwei Freunden, welche im Galopp hinzueilten.

»Keine Gnade«, rief in französischer Sprache und Lord Winter antwortend eine Stimme, welche sie beben machte.

Lord Winter wurde bei dem Klang dieser Stimme bleich und wie versteinert.

Diese Stimme war die eines Reiters, der auf einem prachtvollen Rappen an der Spitze eines Regiments chargierte, dem er in seinem Eifer zehn Schritte voraneilte.

»Er ist es!«, murmelte Lord Winter und ließ, die Augen starr, den Säbel an seiner Seite hinabsinken.

»Der König! Der König!«, riefen mehrere Stimmen, getäuscht durch das blaue Band und das isabellfarbige Pferd des Lords, »fangt ihn lebendig!«

»Nein, es ist nicht der König!«, rief der Reiter, »lasst Euch nicht täuschen. Nicht wahr, Mylord von Winter, Ihr seid nicht der König? Nicht wahr, Ihr seid mein Oheim?«

In demselben Augenblick richtete Mordaunt den Lauf einer Pistole gegen Winter. Der Schuss ging los, die Kugel durchbohrte die Brust des alten Edelmanns, der auf seinem Sattel aufsprang und in die Arme von Athos und Aramis fallend nur noch die zwei Worte Der Rächer! murmelte.

»Erinnere dich meiner Mutter!«, brüllte Mordaunt, während er, vom wütenden Galopp seines Pferdes fortgerissen, vorüberjagte.

»Elender!«, schrie Aramis und drückte eine Pistole auf ihn ab, als er ganz nahe an ihm vorüberritt, aber das Zündkraut allein fing Feuer und der Schuss ging nicht los.

In diesem Augenblick fiel das ganze Regiment über die zwei Männer her, welche standgehalten hatten. Die zwei Franzosen wurden umzingelt, gepresst, eingehüllt. Nachdem sich Athos überzeugt hatte, dass Lord Winter tot war, ließ er den Leichnam los, zog seinen Degen und rief: »Auf, Aramis, für die Ehre Frankreichs!«

Die zwei Engländer, die sich zunächst bei den zwei Edelleuten befanden, stürzten beide tödlich getroffen von den Pferden.

In demselben Augenblick erscholl ein furchtbares Hurra und dreißig Klingen funkelten über ihren Häuptern.

Plötzlich stürzte ein Mensch mitten aus den englischen Reihen hervor, die er niederwarf, sprang auf Athos zu, umschlang ihn mit seinen nervigen Armen, entriss ihm sein Schwert und sagte ihm in das Ohr: »Still! Ergebt Euch. Mir Euch ergeben, heißt nicht Euch ergeben.«

Ein Riese hatte zugleich die Handgelenke von Aramis ergriffen, der sich vergebens dem furchtbaren Druck zu entziehen versuchet.

»Ergebt Euch!«, sprach er, ihn fest anschauend.

Aramis hob den Kopf empor; Athos wandte sich um.

»D’Art…«, rief Athos, dem der Gascogner mit der Hand den Mund verschloss.

»Ich ergebe mich«, sagte Aramis, Porthos sein Schwert reichend.

»Feuer! Feuer!«, rief Mordaunt, zu der Gruppe zurückkehrend, bei der die zwei Freunde waren.

»Und warum Feuer?«, fragte der Oberst. »Jedermann hat sich ergeben.«

»Es ist der Sohn von Mylady«, sprach Athos zu d’Artagnan.

»Ich habe ihn erkannt.«

»Es ist der Mönch«, sagte Porthos zu Aramis.

»Ich weiß es.«

Zu gleicher Zeit fingen die Glieder an, sich zu öffnen. D’Artagnan hielt das Pferd von Athos, Porthos das von Aramis am Zügel. Jeder von ihnen versuchte seinen Gefangenen mit vom Schlachtfeld fortzuziehen.

Diese Bewegung entblößte die Stelle, wohin der Leichnam von Winter gefallen war. Mit dem Instinkt des Hasses hatte Mordaunt den Toten wiedergefunden und er betrachtete ihn, über sein Pferd herabgebeugt, mit einem entsetzlichen Lächeln.

Athos legte, bei aller seiner Ruhe, die Hand an seine Halfter, in denen sich seine Pistolen noch befanden.

»Was macht Ihr?«, sprach d’Artagnan.

»Lasst mich diesen Menschen töten.«

»Keine Gebärde, die auf den Glauben führen dürfte. Ihr kennt ihn oder wir sind alle vier verloren.«

Dann sich gegen den jungen Mann umwendend, rief er: »Gute Beute, gute Beute! Freund Mordaunt. Monsieur du Vallon und ich, wir haben jeder unseren Mann, Ritter vom Hosenbandorden, nicht mehr.«

»Aber mir scheint, es sind Franzosen!«, rief Mordaunt und schaute Athos und Aramis mit blutgierigen Augen an.

»Meiner Treu, ich weiß es nicht. Seid Ihr ein Franzose, Monsieur?«, fragte er Athos.

»Ich bin es«, antwortete dieser mit ernstem Ton.

»Wohl, mein lieber Monsieur, Ihr seid nun der Gefangene eines Landsmannes.«

»Aber der König?«, sprach Athos ängstlich, »der König?«

»Ei, wir haben den König.«

»Ja«, sagte Aramis, »durch einen schändlichen Verrat.«

Porthos presste das Handgelenke seines Freundes gewaltig zusammen und sagte lächelnd zu ihm: »Ei, Monsieur, man führt den Krieg ebenso gut durch Geschicklichkeit, als durch Kraft. Schaut.«

Man sah die Schwadron, welche den Rückzug von Karl beschützen sollte, den König umgebend, der allein und zu Fuß in einem großen freien Räume ging, dem englischen Regiment entgegenreiten. Der Fürst war scheinbar ruhig, aber man gewahrte, was er leiden musste, um ruhig zu scheinen. Der Schweiß lief ihm über das Gesicht und er trocknete die Stirn und die Lippen mit einem Tuch ab, das sich jedes Mal mit Blut befleckt von seinem Mund entfernte.

»Da ist Nebuchodonosor«, rief einer von den Kürassieren von Cromwell, ein alter Puritaner, dessen Augen sich bei dem Anblick des Mannes entflammten, den er den Tyrannen nannte.

»Was sagt Ihr, Nebuchodonosor?«, sprach Mordaunt mit einem furchtbaren Lächeln. »Nein, es ist König Karl I., der gute König Karl, der seine Untertanen plündert, um sie zu beerben.«

Karl schlug die Augen gegen den Frechen auf, der so sprach. Er erkannte ihn nicht, aber die ruhige und religiöse Majestät seines Angesichtes machte, dass Mordaunt seine Blicke senkte.

»Guten. Morgen, Messieurs«, sagte der König zu den Edelleuten, die er den einen in den Händen von d’Artagnan, den anderen in denen von Porthos sah. »Der Tag war unglücklich, doch das ist, Gott sei Dank, nicht Euer Fehler. Wo ist mein alter Winter?«

Die zwei Edelleute wandten die Köpfe ab und schwiegen.

»Suche, wo Straffort ist«, sprach Mordaunt mit seiner scharfen Stimme.

Karl bebte, der Teufel hatte gut getroffen, Straffort war sein ewiger Gewissensbiss, der Schatten seiner Tage, das Gespenst seiner Nächte.

Der König schaute um sich her und erblickte einen Leichnam zu seinen Füßen; es war der von Lord Winter.

Karl stieß keinen Schrei aus, vergoss keine Träne. Es verbreitete sich nur eine Leichenblässe über sein Antlitz. Er setzte ein Knie auf die Erde, hob den Kopf von Winter in die Höhe, küsste ihn auf die Stirn, nahm das Band des Heiligen-Geist-Ordens, das er ihm um den Hals geschlungen hatte, und legte es auf seine Brust.

»Lord Winter ist also getötet?«, fragte d’Artagnan, seine Augen auf den Leichnam heftend.

»Ja«, sprach Athos, »und zwar von seinem Neffen.«

»Er ist der Erste von uns, welcher hingeht«, murmelte d’Artagnan; »er war ein Braver, er ruhe im Frieden.«

»Karl Stuart«, sprach nun der Oberst des englischen Regiments, auf den König zureitend, der die Insignien des Königtums wieder angenommen hatte, »Ihr ergebt Euch uns als Gefangener?«

»Oberst Thomlison«, sprach Karl, »der König ergibt sich nicht; der Mensch weicht nur der Gewalt.«

»Euren Degen.«

Der König zog seinen Degen und zerbrach ihn auf dem Knie.

In diesem Augenblick lief ein Pferd, von Schaum bedeckt, die Augen entflammt die Nüstern weit aufgerissen, herbei und blieb, als es seinen Herrn erkannte, vor Freude wiehernd stehen: Es war Arthus.

Der König lächelte, liebkoste es mit der Hand, schwang sich leicht in den Sattel und rief: »Vorwärts, Messieurs, führt mich, wohin Ihr wollt.«

Dann sich rasch umwendend.

»Halt, es kam mir vor, als bewegte sich Lord Winter; lebt er noch, so verlasst diesen edlen Mann nicht, bei allem, was Euch heilig ist.«

»Oh! Seid unbesorgt«, erwiderte Mordaunt, »die Kugel hat ihm das Herz durchbohrt.«

»Flüstert kein Wort mehr, macht keine Gebärde, wagt keinen Blick, weder was mich noch was Porthos betrifft«, sagte d’Artagnan zu Athos und Aramis, »denn Mylady ist nicht tot … Ihre Seele lebt in dem Körper dieses Teufels!«

Die Abteilung rückte, Ihren königlichen Gefangenen mit sich führend, gegen die Stadt zu, aber auf halbem Weg brachte ein Adjutant des General Cromwell dem Obersten Thomlison den Befehl, den König nach Holdenby House zu führen.

Zu gleicher Zeit gingen die Eilboten in allen Richtungen ab, um England und ganz Europa zu verkündigen, der König Karl Stuart sei Gefangener des General Oliver Cromwell.

Die Schottländer betrachteten diese ganze Szene, die Muskete bei Fuß und den Claymore in der Scheide.

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