1. Advent

Unser Lese-Tipp

Des Teufels Depressionen

Download-Tipps

Nick Carter- Band 5

Archive
Folgt uns auch auf

Jim Buffalo – 13. Abenteuer – Kapitel 4

Jim Buffalo,
der Mann mit der Teufelsmaschine
Veröffentlichungen aus den Geheimakten des größten Abenteurers aller Zeiten
Moderner Volksbücher-Verlag, Leipzig, 1922

Ein verbrecherischer Filmfabrikant
Das 13. Abenteuer Jim Buffalos

4. Kapitel

In der Nacht vom Sonntag zum Montag

Am Sonntagabend erhielt Jim Buffalo einen Eilbrief Dufferins. Inliegend fand er neben einigen herzlichen Worten die erbetene Auskunft, die er mit gemischten Gefühlen aufnahm.

Sie lautete:

Simson Bringthon, geboren am 2, Januar 1880 in Baltimore, zuerst Handlungsgehilfe, dann Steward auf Australiendampfer. 1908 zweijährige Gefängnisstrafe wegen Hehlerei, verbüßt in Ohio. Aufenthalt bis 1915 nicht nachzuweisen. 1916 als Kellner in seiner Heimatstadt Baltimore. 1917 Kinovorführer in New-Orleans. Zweite sechsmonatige Gefängnisstrafe wegen Filmdiebstahl. 1919 und 1930 Hafenarbeiter in Hoboken, seit Ende 1921 in New York; hier auf unkontrollierte Weise zu plötzlichem Reichtum gelangt. Augenblicklich Mitinhaber der Zentral-Film-Company.

»Die Lebensgeschichte eines Taugenichts!«, murmelte Jim Buffalo. »Ich glaube, diesem wackeren Bringthon ist mit Vorsicht zu begegnen!«

Nachdenklich trat er ans Fenster.

Draußen war es Nacht geworden. Plötzlich strengte Jim Buffalo die Augen an.

Hatte unten nicht eben eine dunkle Gestalt den Vorgarten der Villa betreten?

Ehe Buffalo jedoch das Fenster öffnen konnte, war das schattenhafte Phantom auch schon verschwunden.

Augenblicklich ging er hinaus.

»Sind die Türen geschlossen?«

Der Diener nickte.

Buffalo dachte nach.

Schließlich konnte er sich auch im unsicheren Licht der Nacht getäuscht haben.

Als auch niemand klingelnd Einlass begehrte, kehrte er in sein Arbeitszimmer zurück.

Gedankenvoll knipste er das elektrische Licht an, um jedoch im gleichen Augenblick verdutzt auf der Schwelle stehen zu bleiben.

Das Fenster stand weit offen.

Aus dem Sessel erhob sich eine elegante Gestalt.

Eine Maske bedeckte ihr Gesicht.

»Good evening, Mister Buffalo«, erklang eine sonore, wohltönende Stimme. »Haben Sie keine Bedenken – wenn ich auch meinen Weg zu Ihnen durchs Fenster nahm, so führt mich doch keine Feindseligkeit hierher.«

Buffalo zog entschlossen die Tür hinter sich zu.

»Wer sind Sie?«

»Man nennt mich Fred Caterpink.«

Jim Buffalo warf einen forschenden Blick auf den nächtlichen Besucher, dann lächelte er freundlich.

»Ich mache Ihre Bekanntschaft früher, als ich dachte«, sagte er. »Aber das macht nichts – heiße Sie auch schon heute herzlich willkommen.«

Darauf trat er auf den Maskierten zu und streckte ihm die Hand entgegen, die dieser mit kräftigem Druck umschloss.

»Offen gestanden«, lächelte er, »auf eine so herzliche Begrüßung war ich nicht vorbereitet.«

»Sie sind ein Freund er Menschheit, Mister Caterpink, und deswegen auch schon längst der meine. Vor wenigen Tagen erst sang ich Ihr Loblied einem Manne gegenüber der Sie als Mensch ebenfalls hoch schätzt, als Beamter jedoch verfolgen muss.«

»Dufferin!«

»Richtig. Ich bin jedoch kein Beamter und darf aus diesem Grunde Ihr Freund sein – das heißt, wenn Ihnen an meiner Freundschaft etwas gelegen ist!«

»Ich werde stolz sein, einen Jim Buffalo meinen Freund nennen zu dürfen.«

»Keine Schmeicheleien«, lachte der große Abenteurer und ließ sich am Schreibtisch nieder. »Bezüglich Ihres augenblicklichen Besuches glaube ich dessen Grund zu kennen!«

Caterpink schüttelte verwundert den Kopf.

»Sind Sie Gedankenleser?«

»Das nicht, aber ich glaube, dass ich ein wenig kombinieren kann!«

»Weswegen komme ich also?«

»Wegen Simpson Bringthon!« Caterpink schlug mit der flachen Hand überrascht auf die Schreibtischplatte.

»Stimmt’s!«

»Allerdings.«

»Na also!«

»Woher wusste Sie, dass …«

»Nichts ist einfacher als dafür die Erklärung! Sie haben dem wackeren Bringthon einen Brief geschrieben, indem Sie ihm die erfreuliche Nachricht kundgaben, dass Sie ihn etwas erleichtern wollen! Bringthon ist Mitinhaber der Zentral-Film-Company. Nun lasen Sie aus den Zeitungen, dass es dieser Firma gelungen ist, mich zu bewegen, meine Teufelsmaschine zu Filmaufnahmen zur Verfügung zu stellen.

Wenn ich nun noch außerdem annehme, dass Sie an mich die Bitte richten wollen, den Schieber nicht durch meine Maschine zu unterstützen, so glaube ich, das Richtige geraten zu haben.«

»So ist es«, murmelte Caterpink. »Bringthon ist ein gefährlicher Blutaussauger! Er verdient Ihr Entgegenkommen nicht! Ich bin allerdings zu Ihnen geeilt, um Sie zu bitten, der Firma mitzuteilen, dass Sie ihr die Teufelsmaschine nicht zu dem Film überlassen können!«

Buffalo nickt. »Das möchte ich am liebsten«, sagte er, »aber ich kann nicht mehr zurück!«

»Wieso?«

»Die Zentral-Film-Gesellschaft hat für die Maschine bereits 75.000 Dollars an die Armenkasse bezahlt!«

Caterpink glaubte nicht recht zu hören.

»Bringthon … 75.000 Dollar … Armenkasse? Das sind drei Begriffe, die nicht zueinanderpassen! Es wäre das erste Mal, dass Bringthon etwas für die Armen täte!«

»Aber es ist so …«

»Nun dann, wenn Sie ein gutes Werk damit verbinden, will ich selbstverständlich auch nicht von der Mitttätigkeit Ihrer Maschine abraten …«

Caterpink erhob sich.

»Ah, Sie wollen mich also schon wieder verlassen?«

Der Fürst der Hochstapler nickte ernst.

»Die Pflicht ruft«, murmelte er. »In jeder Nacht verhungern in New York rund 50 Menschen – diesem Sterben will ich abhelfen …«

»Sie … gehen … heute … Nacht …zu …?«

»Simpson Bringthon!«, meinte Caterpink.

Sie reichten sich stumm die Hände, dann stieg Caterpink zum Fenster hinaus.

Sekundenspäter war er in der Dunkelheit untergetaucht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.