Unser Lese-Tipp

Des Teufels Depressionen

Download-Tipps

Casparino

Archive
Folgt uns auch auf

Die drei Musketiere – Zwanzig Jahre danach – 7. – 10. Bändchen – Kapitel XVI

Alexandre Dumas
Zwanzig Jahre danach
Siebentes bis zehntes Bändchen
Fortsetzung der drei Musketiere
Nach dem Französischen von August Zoller
Verlag der Frankh’schen Buchhandlung. Stuttgart. 1845.

XVI. Wie d’Artagnan und Porthos, der eine 219, der andere 215 Louis d’or durch den Verkauf von Stroh gewannen

Mazarin wollte sogleich nach Saint-Germain abreisen, aber die Königin erklärte, dass sie die Personen, welche sie nach Cours-la-Reine beschieden, erwarten würde. Nur bot sie dem Kardinal den Platz von La Porte an. Der Kardinal nahm ihn an und ging von einem Wagen in den anderen.

Nicht ohne Grund hatte sich das Gerücht verbreitet, der König sollte in der Nacht Paris verlassen. Zehn bis zwölf Personen waren seit sechs Uhr abends in das Geheimnis eingeweiht worden, und so verschwiegen sie auch gewesen, so hatten sie doch nicht Befehle zu ihrer Abreise geben können, ohne dass die Sache ein wenig ruchbar wurde. Überdies hatte jede von diesen Personen zwei bis drei andere, für welche sie sich interessierte, und da man nicht daran zweifelte, die Königin verlasse Paris mit furchtbaren Racheplänen, so hatte jeder seine Freunde oder seine Verwandten in Kenntnis gesetzt, sodass das Gerücht von dieser Abreise wie ein Lauffeuer die Stadt durcheilte.

Der erste Wagen, welcher nach dem der Königin ankam, war der Wagen des Monsieur Prinzen. Er enthielt Monsieur von Condé, die Frau Prinzessin und die Frau Prinzessin Witwe. Diese beide waren in der Nacht geweckt worden und wussten nicht, um was es sich handelte.

Der zweite enthielt den Monsieur Herzog von Orleans, die Frau Herzogin, die Grande-Mademoiselle und den Abbé de la Riviere, den unzertrennlichen Günstling und vertrauten Rat des Prinzen.

Der dritte enthielt Monsieur von Longueville und den Monsieur Prinzen von Conti, Bruder und Schwager des Monsieur Prinzen. Sie stiegen aus, näherten sich der Karosse des Königs und der Königin und brachten den Majestäten ihre Huldigungen dar.

Die Königin senkte ihren Blick in die Tiefe des Wagens, dessen Schlag offen geblieben war, und sah, dass niemand mehr darin saß.

»Aber wo ist denn Frau von Longueville?«, fragte sie.

»In der Tat, wo ist denn meine Schwester?«, sagte der Monsieur Prinz.

»Frau von Longueville ist leidend, Madame«, antwortete der Herzog, »sie hat mich beauftragt, sie bei Eurer Majestät zu entschuldigen.«

Anna warf einen raschen Blick auf Mazarin, der mit einem unmerklichen Zeichen des Kopfes antwortete.

»Was sagt Ihr dazu?«, fragte die Königin.

»Ich sage, dass es eine Geisel für die Pariser ist«, erwiderte der Kardinal.

»Warum ist sie nicht gekommen?«, fragte ganz leise der Monsieur Prinz seinen Bruder.

»Still«, antwortete dieser, »sie hat ohne Zweifel ihre Gründe.

»Sie stürzt uns ins Verderben«, murmelte der Prinz.

Die Wagen kamen in Menge an. Der Marschall de la Meilleraie, der Marschall von Villeroy, Guitaut, Villequier, Comminges erschienen hintereinander. Die zwei Musketiere trafen ebenfalls, die Pferde von d’Artagnan und Porthos an der Hand führend, ein. D’Artagnan und Porthos schwangen sich in den Sattel. Der Kutscher von Porthos nahm die Stelle von d’Artagnan auf dem königlichen Bock ein. Mousqueton ersetzte den Kutscher, er fuhr aus ihm bekannten Ursachen stehend, wie der Automedon des Altertums.

Obwohl in ihren Gedanken mit tausend Einzelheiten beschäftigt, suchte doch die Königin d’Artagnan mit den Augen, aber der Gascogner hatte sich mit seiner gewöhnlichen Klugheit wieder unter der Menge verloren.

»Wir wollen die Vorhut bilden«, sagte er zu Porthos, »und uns gute Quartiere in Saint-Germain verschaffen, denn niemand wird an uns denken. Ich fühle mich sehr müde.«

»Ich ebenfalls«, versetzte Porthos, »ich sinke vor Schlaf um. Wer sollte glauben, dass wir nicht einmal den geringsten Kampf gehabt haben? Die Pariser sind doch wahre Dummköpfe.«

»Sind wir nicht vielmehr sehr gewandte Leute?«, versetzte d’Artagnan.

»Vielleicht.«

»Und wie geht es Eurem Faustgelenk?«

»Besser; aber glaubt Ihr, dass wir sie diesmal bekommen?«

»Was?«

»Ihr Euern Grad und ich meinen Titel?«

»Meiner Treu, ja, ich wollte darauf wetten. Wenn sie sich nicht erinnern, so werde ich sie daran mahnen lassen.«

»Man hört die Stimme der Königin«, sagte Porthos. »ich glaube, sie will zu Pferde steigen.«

»Ah! »Sie wollte wohl, aber …«

»Was aber?«

»Aber der Kardinal will nicht. Messieurs«, fuhr d’Artagnan, sich an die zwei Musketiere wendend, fort, »begleitet die Karosse des Königs und verlasst die Kutschenschläge nicht. Wir lassen die Wohnungen in Bereitschaft setzen.«

D’Artagnan ritt von Porthos begleitet gegen Saint-Germain.

»Vorwärts, Messieurs«, rief die Königin.

Der königliche Wagen begab sich auf den Weg, gefolgt von allen anderen Karossen und von mehr als fünfzig Reitern.

Man gelangte ohne irgendeinen Zwischenfall nach Saint-Germain; aussteigend, fand die Königin den Monsieur Prinzen, welcher mit entblößtem Haupt wartete, um ihr die Hand zu bieten.

»Welch ein Erwachen für die Pariser!«, sprach Anna von Österreich strahlend.

»Es ist Krieg«, sagte der Prinz.

»Wohl, es sei Krieg! Haben wir nicht den Sieger von Rocroy, Nördlingen und Lens bei uns?«

Der Prinz verbeugte sich zum Zeichen des Dankes.

Es war drei Uhr morgens. Die Königin trat zuerst in das Schloss. Alle folgten ihr; es hatten sie ungefähr zweihundert Personen bei ihrer Flucht begleitet.

»Messieurs«, sagte die Königin lachend, »quartiert Tuch in dem Schloss ein, es ist geräumig und es wird durchaus nicht an Platz gebrechen; aber da man nicht darauf gefasst war, dass wir hierher kommen würden, so meldet man mir, es seien im Ganzen nur drei Betten vorhanden: eines für den König, eines für mich …«

»Und eines für Mazarin«, sagte ganz leise der Monsieur Prinz.

»Und ich werde also auf dem Boden schlafen?«, sprach Gaston von Orleans mit sehr unruhigem Lächeln.

»Nein, Monseigneur«, erwiderte Mazarin, »denn das dritte Bett ist für Eure Hoheit bestimmt.«

»Aber Ihr?«, fragte der Prinz.

»Ich werde nicht schlafen«, antwortete Mazarin, »ich habe zu arbeiten.«

Gaston ließ sich das Zimmer zeigen, wo das Bett war, ohne sich darum zu bekümmern, wie seine Frau und seine Tochter wohnen würden.

»Ich werde mich niederlegen«, sagte d’Artagnan, »kommt mit mir, Porthos.«

Porthos folgte d’Artagnan mit dem tiefen Vertrauen, das er zu dem Verstand seines Freundes hatte.

Sie gingen nebeneinander auf dem Platz vor dem Schloss, Porthos schaute mit verwunderten Augen d’Artagnan an, der an seinen Fingern rechnete.

»Vierhundert, das Stück zu einer Pistole, macht vierhundert Pistolen.«

»Ja«, sagte Porthos, »vierhundert Pistolen; aber was macht vierhundert Pistolen?«

»Eine Pistole ist nicht genug, es ist einen Louis d’or wert.«

»Was ist einen Louis d’or wert?«

»Vierhundert zu einem Louis d’or macht vierhundert Louis d’or.«

»Vierhundert«, sagte Porthos.

»Ja, sie sind zu zweihundert und jede Person braucht wenigstens zwei. Das macht also vierhundert.«

»Was, vierhundert?«

»Hört«, sagte d’Artagnan.

Da allerlei Leute umherstanden, welche mit aufgesperrtem Mund die Ankunft des Hofes betrachteten, so vollendete er seinen Satz ganz leise in das Ohr von Porthos.

»Ich begreife«, sprach Porthos, »meiner Treu! Ich begreife sehr gut. Zweihundert Louis d’or für jeden, das ist hübsch! Aber was wird man dazu sagen?«

»Was man will. Sollte man übrigens erfahren, dass wir es sind?«

»Aber wer wird die Verteilung übernehmen?«

»Ist nicht Mousqueton da?«

»Und meine Livree?«, sagte Porthos, »man wird meine Livree erkennen.«

»Er kann seinen Rock umwenden.«

»Ihr habt immer recht, mein Lieber«, rief Porthos. »Aber wo Teufels schöpft Ihr denn alle Eure Gedanken?«

D’Artagnan lächelte.

Die zwei Freunde gingen in die nächste beste Straße. Porthos klopfte an die Tür des Hauses rechts, während d’Artagnan an die des Hauses links klopfte.

»Stroh«, sagten sie.

»Monsieur, wir haben keines«, antworteten die Leute, welche öffneten. »Wendet Euch an den Futterhändler.«

»Wo ist der Futterhändler?«

»Die letzte große Tür der Straße.«

»Rechts oder links?«

»Links.«

»Sind noch andere Leute in Saint-Germain, bei denen man bekommen könnte?«

»Der Wirt zum gekrönten Schaf und Gros-Louis, der Pächter.«

»Wo wohnen sie?«

»In der Rue des Urselines.«

»Beide?«

»Ja.«

»Sehr gut.«

Die zwei Freunde ließen sich die zweite und dritte Adresse ebenso genau bezeichnen, wie sie sich hatten die erste bezeichnen lassen. Dann begab sich d’Artagnan zu dem Futterhändler und kaufte von ihm die hundertfünfzig Bunde Stroh, welche er besaß, um die Summe von drei Pistolen. Er ging sodann zu dem Wirt, wo er Porthos fand, der zweihundert Bunde für eine ähnliche Summe gekauft hatte. Der Pächter Gros-Louis endlich stellte hundertachtzig zu ihrer Verfügung. Das machte im Ganzen vierhundertdreißig.

Saint-Germain hatte nicht mehr.

Dieses ganze Geschäft nahm ihnen nicht mehr als eine halbe Stunde weg.

Mousqueton wurde gehörig unterrichtet an die Spitze des improvisierten Handels gestellt. Man schärfte ihm ein, nicht ein Strohhälmchen unter einem Louis d’or den Bund aus seinen Händen zu geben, und vertraute ihm auf diese Art vierhundertdreißig Louis d’or.

Mousqueton schüttelte den Kopf und begriff nichts von der Spekulation der zwei Freunde.

D’Artagnan kehrte, drei Bunde Stroh mit sich nehmend, in das Schloss zurück, und jeder schaute, schnatternd vor Kälte und vor Schlaf umfallend, mit neidischen Augen den König, die Königin und Monsieur auf ihren drei Feldbetten an.

Der Eintritt von d’Artagnan in den großen Saal brachte ein allgemeines Gelächter hervor. Aber d’Artagnan gab sich den Anschein, als bemerkte er nicht einmal, dass er der Gegenstand der Aufmerksamkeit aller Anwesenden war, und breitete mit so viel Geschicklichkeit und Heiterkeit sein Strohlager aus, dass allen diesen armen Schlaftrunkenen, welche nicht schlafen konnten, das Wasser im Mund zusammenlief.

»Stroh!«, riefen sie, »Stroh! Wo findet man Stroh?«

»Ich will Euch führen«, sprach Porthos.

Er führte die Liebhaber zu Mousqueton, der ihnen großmütig die Bunde, zu einem Louis d’or das Stück, abgab. Man fand wohl, dass es ein wenig teuer war, aber wenn man große Lust zu schlafen hat, wer würde dann nicht zwei oder drei Louis d’or für einige Stunden guten Schlummers bezahlen!

D’Artagnan trat jedem sein Bett ab, das er zehnmal hintereinander wieder anfing, und da man glaubte, er hätte wie die anderen seinen Bund um einen Louis d’or bezahlt, so hatte er auf diese Art in weniger als einer halben Stunde etwa dreißig Louis d’or. Um fünf Uhr morgens kostete das Stroh achtzig Livres das Bund, und man konnte nicht einmal mehr bekommen.

D’Artagnan war darauf bedacht gewesen, vier Bunde für sich beiseitezulegen. Er nahm aus seiner Tasche den Schlüssel des Kabinetts, wo er sie verborgen hatte, und kehrte, begleitet von Porthos, zurück, um mit Mousqueton abzurechnen, der ihnen naiver Weise und als ein würdiger Intendant vierhundert Louis d’or zustellte und noch hundert für sich behielt.

Mousqueton, der nichts von dem wusste, was sich im Schloss ereignet hatte, begriff nicht, wie ihm nicht selbst früher der Gedanke gekommen war, Stroh zu verkaufen.

D’Artagnan legte das Gold in seinen Hut und rechnete sodann im Schloss mit Porthos ab. Es kamen jedem von ihnen zweihundertfünfzehn Louis d’or zu.

Porthos bemerkte jetzt erst, dass er kein Stroh für seine eigene Rechnung hatte. Er kehrte zu Mousqueton zurück, aber Mousqueton hatte, ohne irgendetwas für sich selbst zu behalten, das Stroh bis auf das letzte Hälmchen verkauft.

Er suchte d’Artagnan wieder auf, der mit seinen vier Bunden Stroh im Zuge war, sich das Lager zu bereiten, und zum Voraus mit wahrer Wonne ein so weiches, am Kopf so gut aufgefülltes, am Fuß so vortrefflich bedecktes Bett betrachtete, ein Bett, um das ihn der König selbst beneidet haben würde, wenn er nicht in dem seinen so gut geschlafen hätte.

D’Artagnan wollte um keinen Preis sein Bett für Porthos in Unordnung bringen, aber gegen vier Louis d’or, die ihm dieser bezahlte, willigte er ein, dass Porthos das Lager mit ihm teilte.

Er legte seinen Degen über seinen Kopf, seine Pistolen an seine Seite, breitete seinen Mantel zu seinen Füßen aus, setzte seinen Hut auf den Mantel, und streckte sich wollüstig auf dem knisternden Stroh aus. Schon umschmeichelten ihn die süßen Träume, welche der Besitz von zweihundert in einer Stunde gewonnenen Louis d’or erzeugt hatten, als eine Stimme an der Tür erscholl und ihn auffahren machte.

»Monsieur d’Artagnan!«, rief die Stimme, »Monsieur d’Artagnan!«

»Hier«, sagte Porthos, »hier!«

Porthos begriff, dass wenn d’Artagnan ginge, ihm das Bett allein bleiben würde.

Ein Offizier näherte sich.

D’Artagnan erhob sich auf den Ellenbogen.

»Seid Ihr Monsieur d’Artagnan?«, sprach der Offizier.

»Ja, Monsieur; was wollt Ihr?«

»Ich soll Euch holen.«

»In wessen Auftrag?«

»Im Auftrage Seiner Eminenz.«

»Sagt Monseigneur, ich wolle schlafen, und rate ihm als Freund, dasselbe zu tun.«

»Seine Eminenz hat sich noch nicht niedergelegt und wird sich nicht niederlegen. Sie verlangt sogleich nach Euch.«

»Die Pest ersticke Mazarin, der nicht zu rechter Zeit zu schlafen weiß«, murmelte d’Artagnan. »Was will er von mir? Etwa mich zum Kapitän machen? Dann verzeihe ich ihm.«

Der Musketier stand brummend auf, nahm seinen Degen, seinen Hut, seine Pistolen, seinen Mantel und folgte sodann dem Offizier, während Porthos, nunmehr der alleinige Besitzer des Bettes, die schöne Neigung seines Freundes nachzuahmen suchte.

»Monsieur d’Artagnan«, sprach der Kardinal, als er den Mann erblickte, den er zu so ungelegener Zeit hatte holen lassen, »ich habe nicht vergessen, mit welchem Eifer Ihr mir dientet, und ich will Euch einen Beweis hiervon geben.«

Schön!, dachte d’Artagnan, das kündigt sich gut an.

Mazarin betrachtete den Musketier und sah, wie sich sein Gesicht erheiterte.

»Monsieur d’Artagnan«, sagte er, »habt Ihr große Lust, Kapitän zu werden?«

»Ja, Monseigneur.

»Und Euer Freund wünscht immer noch Baron zu sein?«

»In diesem Augenblick träumt er, er sei es, Monseigneur.«

»Dann nehmt diesen Brief und bringt ihn nach England«, sprach Mazarin und zog aus einem Portefeuille den Brief, welchen er bereits d’Artagnan gezeigt hatte.

D’Artagnan schaute den Umschlag an; es war keine Adresse darauf.

»Dürfte ich nicht erfahren, wem ich ihn zustellen soll?«

»Wenn Ihr in London ankommt, erfahrt Ihr es. Erst in London erbrecht Ihr den doppelten Umschlag.«

»Und meine Instruktionen?«

»Bestehen darin, dass Ihr in jeder Beziehung dem zu gehorchen habt, an welchen dieser Brief gerichtet ist.«

D’Artagnan wollte neue Fragen machen, als Mazarin beifügte: »Ihr reist nach Boulogne, wo Ihr im Wappen von England einen jungen Edelmann namens Mordaunt findet.«

»Ja, Monseigneur. Und was soll ich mit diesem Edelmanns machen?«

»Ihm folgen, wohin er Euch führen wird.«

D’Artagnan schaute den Kardinal mit erstaunter Miene an.

»Ihr seid nun unterrichtet; geht«, sprach Mazarin.

»Geht, das ist gleich gesagt«, versetzte d’Artagnan. »Aber um zu gehen, muss man Geld haben, und ich habe keines.«

»Ach«, sprach Mazarin, sich hinter dem Ohr kratzend, »Ihr sagt, Ihr habt kein Geld?«

»Nein, Monseigneur.«

»Aber der Diamant, den ich Euch gestern Abend schenkte?«

»Ich wünschte ihn als ein Andenken an Eure Eminenz zu behalten.«

Mazarin seufzte.

»Es ist in England sehr teuer zu leben und besonders für einen außerordentlichen Gesandten.«

»Bah!«, versetzte Mazarin, »es ist ein äußerst nüchternes Land, wo man seit der Revolution in der höchsten Einfachheit lebt. Doch gleichviel!«

Er öffnete eine Schublade und zog eine Börse hervor.

»Was sagt Ihr zu diesen tausend Talern?«

D’Artagnan streckte die Unterlippe übermäßig vor.

»Ich sage, Monseigneur, es ist wenig; denn ich werde gewiss nicht allein reisen.«

»Ich zähle darauf«, antwortete Mazarin. »Monsieur du Vallon wird Euch begleiten, … der würdige Edelmann, denn nach Euch, mein lieber Monsieur d’Artagnan, ist er sicherlich derjenige Mensch, welchen ich in Frankreich am meisten achte und ehre.«

»Dann, Monseigneur«, sagte d’Artagnan, auf die Börse deutend, welche Mazarin noch nicht losgelassen hatte, »dann, wenn Ihr ihn liebt und schätzt, begreift Ihr wohl auch …«

»Es sei, in Berücksichtigung seiner Person, füge ich zweihundert Taler bei.«

»Filz!«, murmelte d’Artagnan. »Aber bei unserer Rückkehr«, fügte er laut bei, »können wir wenigstens, Monsieur Porthos auf seine Baronie und ich auf meinen Grad zählen, nicht wahr?«

»Bei meiner Treu!«

»Ein anderer Schwur wäre mir lieber«, sagte leise d’Artagnan zu sich selbst. Dann wieder laut: »Kann ich nicht Ihrer Majestät der Königin meine Huldigung darbringen?«

»Ihrer Majestät?«, antwortete Mazarin rasch, »Ihr müsst ohne Verzug abreisen. Geht also, Monsieur!«

»Noch ein Wort, Monseigneur. Wenn man sich da schlägt, wohin ich gehe, soll ich mich schlagen?«

»Ihr werdet alles tun, was Euch die Person befiehlt, an die ich Euch adressiere.«

Es ist gut, Monseigneur«, sagte d’Artagnan, die Hand ausstreckend, um den Sack in Empfang zu nehmen, »ich bezeuge Euch meine Achtung.«

D’Artagnan steckte langsam den Sack in seine weite Tasche, wandte sich gegen den Offizier um und sprach zu diesem: »Monsieur, wollt die Güte haben, Monsieur du Vallon ebenfalls im Auftrag Seiner Eminenz zu wecken und ihm zu sagen, ich erwarte ihn in den Ställen.«

Der Offizier entfernte sich sogleich mit einem Eifer, der etwas Interessiertes zu haben schien.

Porthos hatte sich soeben in seinem Bett ausgestreckt und fing an, seiner Gewohnheit gemäß, harmonisch zu schnarchen, als er fühlte, dass man ihm auf die Schulter klopfte.

Er glaubte, es wäre d’Artagnan, und rührte sich nicht.

»Im Auftrag des Kardinals«, sprach der Offizier.

»Wie!«, versetzte Porthos, die Augen weit aufsperrend, »was sagt Ihr?«

»Ich sage, dass Euch Seine Eminenz nach England schickt, und dass Ihr von Monsieur d’Artagnan in den Ställen erwartet werdet.«

Porthos stieß einen tiefen Seufzer aus, stand auf, nahm seinen Hut, seine Pistolen, seinen Degen und seinen Mantel und entfernte sich, nachdem er noch einen Blick des Bedauerns auf das Bett geworfen, in welchem er so gut zu schlafen sich versprochen hatte.

Kaum hatte er dem Offizier den Rücken gewendet, als dieser sein Lager einnahm, und er hatte die Türschwelle noch nicht überschritten, als sein Nachfolger ebenfalls mächtig schnarchte. Und dies ging ganz natürlich zu: Er war der Einzige in der ganzen Versammlung, der, nebst dem König, der Königin und Monseigneur Gaston von Orleans, gratis schlief.