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Weird Tales – Das Grab

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Thorsten Schleif – Richter morden besser

Thorsten Schleif – Richter morden besser

Siggi Buckmann, um die fünfzig Jahre alt, ist Richter am Amtsgericht. Er ist geschieden, liebt seine Frau noch immer und hat zwei erwachsene Töchter. Als junger Jurist wollte er der Gerechtigkeit dienen. Nun, da er schon lange am Amtsgericht seinen Job versieht, macht er nur noch Dienst nach Vorschrift, denn sämtliche Urteile, die er auf dieser Ebene fällt, werden in Berufungsverfahren kassiert, und er hat sich damit abgefunden, dass er nicht sehr viel bewirken kann.

Eines Tages jedoch wird Friedrich Diepenberg, genannt Fredi, Gelegenheitsdieb, obdachlos, heroinsüchtig und ein wirklich netter Kerl, Opfer von Heroin, das schlecht mit einem Pflanzenschutzmittel gestreckt wurde. Fredi ist dabei schon der dritte Junkie innerhalb eines Monats, der auf diese Weise stirbt.

Siggi Buckmann ist schockiert von Fredis Tod. Dieser hat einmal einer seiner Töchter sehr geholfen, und der Richter kennt auch seine Geschichte sehr gut. Fredi verlor seine kleine Tochter Corinna, die mit ihrer besten Freundin auf dem Heimweg von der Schule war, durch zwei junge Raser, die sich ein Autorennen lieferten. Diese überfuhren die Mädchen an einer grünen Fußgängerampel. Die Raser kamen mit einer Bewährungsstrafe davon. Fredi aber rutschte ab, verlor Job und Frau und begann mit Alkohol und Tabletten. Dann kam er zum Heroin, verlor alles andere, am Ende auch seine Wohnung und lebte dann auf der Straße.

Im Winter wurde er von Siggi Buckmann regelmäßig für drei Monate eingesperrt, weil selbst das Gefängnis in der kalten Jahreszeit eine Verbesserung seiner Lebensverhältnisse bedeutete, denn er bekam dort ein Dach über dem Kopf, drei regelmäßige Mahlzeiten am Tag und eine ärztliche Grundversorgung.  Im Frühjahr war er dann wieder frei.

Nach drei erfolglosen Therapieversuchen übernahmen die Sozialhilfeträger keine weiteren Kosten für Therapien, und es war nun nur noch eine Frage der Zeit, bis Fredi am Heroin starb.

Bei Fredis Beerdigung trifft Richter Buckmann Kriminalhauptkommissar Nick Hiller. Dieser erzählt ihm, dass man eine Mordkommission mit nur drei Beamten eingerichtet hat, um die Junkie-Morde aufzuklären. Nick selber ist allerdings nicht Mitglied dieser Kommission, sondern nur Berater, obwohl er über große Erfahrung mit der Drogenszene verfügt, weil er lange Zeit ein ausgezeichneter Drogenfahnder war.

Seine Qualitäten als Drogenfahnder jedoch wurden ihm vor einiger Zeit zum Verhängnis. Das Innenministerium verkündete zu dieser Zeit, das Drogenproblem sei landesweit auf dem Rückmarsch. Die neue Kriminalität sei der Wohnungseinbruch. Gerade dann ließ Nick einen großen Rauschgiftring auffliegen, den es nach diesen Aussagen eigentlich nicht mehr hätte geben dürfen. Um solche Peinlichkeiten für den Minister künftig zu verhindern, wurde Nick zum Betrugsdezernat versetzt, was dieser hasste.

Buckmann fragt Nick, was er von dem Fall um die toten Junkies hält, und bittet ihn, auch wenn er jetzt nur noch für Betrug zuständig ist, sich bei seinen alten Quellen umzuhören, woher der gestreckte Stoff stammt. Nick sagt ihm dies zu.

Bereits am darauffolgenden Morgen kann Nick berichten, dass das tödliche Heroin von einer Organisation stammt, die ihm früher schon einmal Arbeit gemacht hat. Er hat den Chef und einige seiner Mitarbeiter auffliegen lassen. Dann war eine Zeit lang alles ruhig. Jetzt aber ist die Organisation wieder aktiv. Der zweite Mann hat die Führung des Drogenrings übernommen, weil der Chef noch für mindestens sechs Jahre im Gefängnis sitzt. Nick nennt dem Richter den Namen des neuen Drogenbosses. Er heißt Ercan Ayaz.

Der Amtsrichter hat den Namen schon einmal gehört. Als er recherchiert, findet er heraus, dass Ayaz einer der beiden halbstarken Raser ist, die die beiden kleinen Mädchen totgefahren haben und nur Bewährungsstrafen bekamen. Buckmann beschließt, seine Kontakte bei der Staatsanwaltschaft zu aktivieren. Vielleicht ergibt sich diesmal eine Gelegenheit, Ayaz für längere Zeit hinter Gitter zu bringen. Eine interessante, verwickelte und zum Teil auch dramatische Geschichte beginnt.

 

Thorsten Schleif ist selbst Richter im Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen und kennt als solcher die Gepflogenheiten der Richter, Staatsanwälte, Anwälte und Kriminalisten sehr gut, was in seinem Roman, den er humorvoll-ironisch verfasst hat, sehr deutlich wird.

Insbesondere der Einfluss der Politik auf Richter und ihre Entscheidungen ist dem Autor wohl ein Dorn im Auge, was er in seiner Geschichte auch thematisiert und sehr deutlich kritisiert.

Der finale Mord, um den es in seiner Story geht, ist ein Mord in mittelbarer Täterschaft, den die Juristen offenbar in ihrem Studium anhand von konstruierten Fällen behandeln. Als Beispiel führt der Verfasser den Fall an, dass ein Mann seinen Nachbarn auf diese Weise umbringen will. Er weiß, dass ein zweiter Nachbar sehr eifersüchtig ist und erzählt diesem, der erste Nachbar habe ein Verhältnis mit seiner Frau. Daraufhin ermordet der vermeintlich gehörnte Ehemann den Nachbarn, der getötet werden soll. Hier hat der, der dem eifersüchtigen Mann erzählt hat, seine Frau betrüge ihn mit dem, den er tot sehen will, einen Mord in mittelbarer Täterschaft begangen.

Wie sich ein solcher Mord im vorliegenden Fall abspielt, soll hier nicht offengelegt werden. Es sei nur darauf hingewiesen, dass es sich dabei um einen perfekten Mord handelt. Einzig ein Geständnis des Mordes durch den mittelbaren Täter kann hier nämlich dazu führen, dass diese Tat aufgeklärt wird.

Fazit:

Der Autor beschreibt in seinem Roman einen perfekten Mord. Außerdem stellt er sehr kompetent den Alltag eines Richters und vieler Personen dar, die mit den Gerichten zu tun haben.

Dabei verwendet er häufig das Stilmittel des ironischen Witzes, eines sehr feinen Humors, der mich während des Lesens immer wieder zum Schmunzeln brachte.

Insgesamt handelt es sich bei Richter morden besser um einen anspruchsvollen Kriminalroman, der dem Leser zu empfehlen ist, der Wert legt auf Qualität, eine spannende Story und Inhalte, die ihm Neues vermitteln.

Der Autor:

Thorsten Schleif wurde im Februar 1980 geboren und studierte Rechtswissenschaften in Bonn. Er ist seit 2007 Richter im Dienst des Landes NRW und zurzeit Vorsitzender des Schöffengerichts und Jugendrichter am Amtsgericht Dinslaken. Außerdem ist er an der Ausbildung von Referendaren beteiligt.

Von 2019 an veröffentlichte er zwei Sachbücher, 2021 zwei Hörbücher und schließlich seinen ersten Roman Richter morden besser. Seit 2016 betätigt er sich zudem als Keynote Speaker, das heißt, als Vortragsredner.

Er lebt mit seiner Frau und den zwei gemeinsamen Kindern in Duisburg.

Quellen:

Bilder:

  • Cover des Romans. Mit freundlicher Genehmigung der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH.
  • Foto des Autors. Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

(ww)

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