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Wendy Heard – Kill Club

Wendy Heard – Kill Club

Jasmine Benavides, genannt Jazz, ist eine junge amerikanische Frau und lebt in Los Angeles. Sie hat einen festen Job bei Trader Joe‘ s und kann sich eine kleine Singlewohnung und einen alten Truck leisten. Außerdem hat sie einige Vorstrafen wegen Kneipenschlägereien und spielt Schlagzeug in einer Band.

Zudem spart sie einiges Geld an, um ihrem Sohn Joaquin, dreizehn Jahre alt, eine gute Ausbildung ermöglichen zu können. Joaquin weiß nicht, dass Jazz seine Mutter ist. Ihm wurde gesagt, sie sei seine Schwester.

Er lebt bei seiner Adoptivmutter namens Carol Coleman, die ein altes Haus besitzt und sehr fromm ist. Sie geht zu den Gottesdiensten einer Freikirche und glaubt, Gott heile alle Krankheiten seiner Schäfchen. Deshalb will sie nicht, dass Joaquin Insulin nimmt, das er braucht, weil er Diabetes hat. Sie glaubt, dies sei überflüssig.

Jazz hingegen lässt für ihn Insulin verschreiben, holt es ab und gibt es im heimlich, damit er keine Probleme bekommt.

Schließlich meldet Carol Joaquin von der Schule ab und will ihn zu Hause unterrichten, was das amerikanische Recht gestattet. Jazz erfährt durch Sofia Russo davon, die die stellvertretende Schulleiterin von Joaquins Schule ist und der der Junge bereits durch seine guten Leistungen auffiel. Russo will Jazz helfen, und die beiden Frauen freunden sich an.

In der nachfolgenden Zeit, in welcher Jazz sich darum bemüht, vielleicht doch das Sorgerecht für ihren Sohn zu bekommen, findet sie bei der Unterbrechung eines ihrer Auftritte mit der Band ein altes Klapphandy in der Nähe eines Sterbenden, der gerade von einem Mörder vergiftet wurde. Sie prügelt sich mit dem Mörder, bevor dieser entkommen kann. Allerdings merkt sie nicht, dass er gerade einen Mord begangen hat. Bei der Prügelei verliert er das Handy. Als das fremde Handy klingelt, meldet sie sich, aber der andere Teilnehmer spricht nicht und legt auf.

Schließlich isoliert Carol Joaquin von Jazz und will nun mit Vehemenz verhindern, dass er weiter Insulin bekommt und es sich spritzt. Sie geht dabei am Ende so weit, dass sie mit dem Jungen verschwindet, sodass seine Mutter ihn nicht mehr finden kann.

Als Jazz nach einem Treffen mit Sofia wieder zu Hause ist, summt erneut das Klapphandy, das sie damals bei dem Toten gefunden hat. Sie schaut nach. Auf dem Display steht: Anonym.

Sie nimmt den Anruf an und wird erstaunlicherweise mit ihrem Namen begrüßt. Der Anrufer benutzt einen Stimmenverzerrer, und sie kann nicht erkennen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt.

Er oder sie bietet Jazz im Verlauf des Gesprächs eine Lösung ihrer Probleme mit Carol an, und zwar ohne Carol!

 

Wendy Heard beschreibt in ihrem Thriller aus verschiedenen Erzählperspektiven die Arbeit des Kill Clubs. Dabei tötet ein Fremder einen Menschen, der einem anderen viele Probleme bereitet. Dafür muss der, dessen Widersacher mit einer Giftspritze aus dem Weg geräumt wurde, nun wiederum einen ihm Fremden töten, der einer anderen Person Schwierigkeiten macht und dafür ebenfalls ungerechterweise niemals vom Gesetz zur Rechenschaft gezogen wird.

Auf diese Weise – so erklärt es der Initiator dieser Mordorganisation – soll ein wenig mehr Gerechtigkeit erreicht werden.

Wer aber nun hinter der Planung all dieser Taten steckt, die am Ende doch nichts weiter als gewöhnliche Morde sind, wird erst am Schluss des Romans klar, auch wenn der aufmerksame Leser bereits früher vermuten kann, wer der Mensch mit der verzerrten Stimme am anderen Ende des Klapphandys tatsächlich ist.

Der Autorin, die sowohl die Milieus, in welchen die Morde spielen, als auch die Menschen, die sie begehen oder erleiden, hervorragend beschreibt, gelingt mit ihrem Roman Kill Club eine hochgradig spannende Geschichte, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.

Auch die Identifikation mit der Protagonistin Jazz könnte nicht besser gelingen. Man fühlt als Leser mit ihr und kann ihre Handlungen sehr gut nachvollziehen. Der Erzählerin ist hier ein Charakter gelungen, der in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich erscheint, sich auf der anderen Seite aber so normal und nachvollziehbar verhält, dass er als beispielhaft in den beschriebenen Situationen gelten kann.

Fazit:

Wendy Heard schreibt mit Kill Club einen ausgesprochen spannenden, mitreißenden Thriller, der sowohl durch seine Grundidee als auch durch seine Charaktere besticht. Es wird zudem klar, dass auch der gerechte Mord am Ende eine Straftat bleibt und durchaus nicht so positiv zu werten ist, wie der Initiator der Tötungsorganisation denkt.

Ich möchte den Roman jedem Leser empfehlen, der die Spannung liebt, sich gerne mit Romanfiguren identifiziert und außerdem Freude an Milieu- und Charakterbeschreibungen ungewöhnlicher Art hat.

Die Autorin

Wendy Heard wurde in San Francisco geboren. Sie studierte Bildende Kunst und Pädagogik und lebt in Los Angeles. Sie wandert gerne, fährt oft U-Bahn und liest viel. Außerdem moderiert sie zusammen mit anderen Autorinnen einen Podcast über Frauenfiguren, denen es egal ist, ob die anderen sie leiden können.

Quellen:

Bilder:

  • Cover des Romans. Mit freundlicher Genehmigung der Droemer Knaur Verlagsgruppe GmbH & Co. KG.
  • Foto der Autorin. Copyright: privat. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung der Droemer Knaur Verlagsgruppe GmbH & Co. KG.

(ww)

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