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Deutsche Märchen und Sagen 149

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

194. Der schwarze Hund zu Beinen

In der Gegend von Soldau in dem Dorf Beinen wohnte auf einem Schloss ein Empfänger, der war ein polnischer Edelmann und geheißen Albert Perekonski.

Er hatte ein schlechtes und hartes Herz und lud den Untertanen unerträgliche Lasten auf, und konnten sie diese nicht zur Zeit abtragen, dann ließ er ihnen ohne Weiteres ihr Vieh wegnehmen. Dessen hatte er eine große Herde schon versammelt, als der Zorn Gottes ihn in einer Nacht traf, sodass alles Vieh am anderen Morgen tot dalag.

Er wurde wie rasend, als er das hörte, fluchte und schwur und ging selbst so weit, dass er eine Pistole gegen den Himmel abschoss mit dieser gräulichen Lästerung: »Wer das Vieh totgeschlagen, der mag es auch fressen.«

Da war aber Gottes Langmut zu Ende. Kaum hatte der Edelmann die schändlichen Worte aus dem Munde, als er, in einen hässlichen, schwarzen Hund verwandelt, sich auf das tote Vieh warf und es wie ein hungriger Wolf voneinander riss.

Noch einige Zeit lief er unter der Gestalt herum; seinen Verstand und selbst die Sprache behielt er; so bezeugten unter anderen drei geschworene Männer, welche der Hauptmann von Soldau nach Beinen sandte, um die Sache zu untersuchen, dass sie den Hund bei dem Aas gesehen und sprechen gehört hatten.