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Die Gespenster – Dritter Teil – 27. Erzählung

Die Gespenster
Kurze Erzählungen aus dem Reich der Wahrheit von Samuel Christoph Wagener
Allen guten Schwärmern, welchen es mit dem Bekämpfen und Ablegen beunruhigender Vorurteile in Absicht des Geisterwesens ernst ist, liebevoll gewidmet von dem Erzähler Friedrich Maurer aus dem Jahr 1798
Dritter Teil

Siebenundzwanzigste Erzählung

Das vorbedeutende nächtliche Kirchenlicht zu Schmersow

Einer alten Sage zufolge wird in der Kirche des Dorfes Schmersow, unweit Prenzlau, Licht gesehen, so oft eine herrschaftliche Person des Ortes stirbt. Den 21. August 1797 abends um 9 Uhr sah Herr von Sydow auf Schmersow einen Haufen Menschen, die sich ängstlich teilnehmend besprachen und aufmerksam zur Kirche hinsahen. Auf seine Erkundigung nach der Ursache davon, erwiderte man nicht ohne ein vom Mitleid eingeflößtes Stottern und Weigern: Man sehe ein ahnendes Licht in der Kirche.

Er ging hin und sah es selbst. Da aber der Mond einst schon ähnliche Täuschungen veranlasst hatte, so hielt er ihn auch diesmal für die Ursache der Erscheinung. »Schiene der Mond nicht«, sagte er, »so würde ich selbst glauben, es brenne ein spukhaftes Licht in der Kirche.« Und kehrte in sein Zimmer zurück.

Etwa eine Stunde darauf kam sein Bedienter und sagte, der Mond sei nun untergegangen, das unbegreifliche Licht brenne aber noch. Zugleich bat er um Erlaubnis, die Kirche zu öffnen. Er erhielt diese, nahm die Schlüssel zur Kirche in Empfang, aber niemand wagte es, die Kirchtür nun wirklich zu öffnen.

Vergebens bat man Herrn von Sydow, dass er dem Küster anbefehlen möchte, sich der Untersuchung an Ort und Stelle zu unterziehen. Indessen entschloss sich einer von den Knechten des adligen Hofes, namens Johann Döring, zur Öffnung der Tür.

Es ergab sich nun, dass man nicht in der beobachteten Sache selbst, sondern nur in ihrer Deutung geirrt hatte. Es brannte tatsächlich Licht in der Kirche, denn es war Abendmahl gewesen und der Küster hatte das eine der Altarlichter auszulöschen vergessen.