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Jim Buffalo – 8. Abenteuer – Kapitel 3

Jim Buffalo,
der Mann mit der Teufelsmaschine
Veröffentlichungen aus den Geheimakten des größten Abenteurers aller Zeiten
Moderner Volksbücher-Verlag, Leipzig, 1922

Das Grab im Keller
Das 8. Abenteuer Jim Buffalos

3. Kapitel

Was Buffalo erfuhr

Von dem Knaben, den Jim Buffalo mit in seine Wohnung nahm, erfuhr er allerlei, was ihn im höchsten Grade interessierte.

Der Junge war schnell zutraulich geworden. Buffalo hatte ihm einen neuen Anzug gekauft und ihm auch sonst alles vorgesetzt, was Küche und Keller boten. An dem hastigen Essen des Knaben sah er, dass dieser seit Langem nichts zu sich genommen haben musste.

Und dann hörte Buffalo die Geschichte.

Mittellos hatte der Knabe eines Tages auf der Straße gestanden … keinen Cent in der Tasche … ohne Vater, ohne Mutter … ohne Freund …

So hatte ihn Cliffer aufgegriffen. Einen Menschen, der gar keine Ahnung hatte – der also auch zu gar keinem sprechen konnte. So ein Wesen hatte er schon seit Langem gesucht.

Der Junge musste leichte Büroarbeiten verrichten, musste die Räume reinigen, Wege besorgen – kurz, er war das Mädchen für alles, wofür er von Cliffer nicht die geringste Entschädigung, sondern nur seinen Lebensunterhalt erhielt, und diesen meist recht dürftig.

Vor einigen Monaten hatte nun Cliffer in der Nähe des East River, im sogenannten Dunklen Viertel New Yorks, ein altes, baufälliges Gemäuer gekauft. Dorthin musste der Junge oft Pakete tragen und sie im Keller des unbewohnten Hauses verstecken.

»Was war in den Paketen?«, unterbrach ihn Buffalo.

»Ich weiß es nicht.«

»Waren sie leicht oder schwer?«

»Sehr schwer. Manchmal klirrte es …«

Aha, dachte Jim Buffalo, Schmuck wird es gewesen sein oder Silbergeschirre …

Wahrscheinlich die Gegenstände, die er seinen unglücklichen Klienten für weniges Geld abnahm.

Der Knabe erzählte weiter.

Im Haus spukte es. Einmal habe er deutlich Schritte gehört. Ein anderes Mal sah ein widerlich aussehender Mensch zum Fenster heraus. Als er dann das Haus betrat, war der Mann spurlos verschwunden. Beim letzten Mal war er sogar von einigen rohen Burschen auf der Straße seiner Pakete beraubt und misshandelt worden, und dann habe ihn Mister Cliffer außerdem noch furchtbar geschlagen, als er hörte, die Pakete seien nicht in den Keller gekommen.

»Außerdem waren die Pakete, die ich brachte, am nächsten Tag wieder aus dem Keller fort«, schloss der Knabe.

Buffalo schüttelte den Kopf.

»Weiß Mister Cliffer davon?«

»Ich habe es ihm erzählt. Er sagte, darum habe ich mich nicht zu kümmern!«

Buffalo nickte.

In dem Haus hielt sich also irgendjemand auf, der mit Cliffer unter einer Decke steckte!

»Warum schlug er dich heute?«

»Ich sollte wieder in das Haus gehen!«

»Pakete hintragen?«

Zu seinem Erstaunen verneinte der Knabe.

»Einen Brief sollte ich hinbringen.«

»Einen Brief? An wen denn? Du sagtest vorhin, das Haus sei unbewohnt!«

»Das ist es ja, weswegen ich mich so fürchte.«

»Ah, du solltest den Brief wieder im Keller niederlegen?«

»Ja.«

»Und du weigertest dich.«

Der Junge nickte.

Buffalos Plan stand fest.

Es galt, drei Punkte zu ergründen.

Was ging in dem unheimlichen Haus vor sich?

Was stand in dem Brief, den jeder wüste Mensch Mister Cliffer auf der Straße überreicht hatte?

Was stand in dem Brief, dem Antwortschreiben wahrscheinlich, der in dem Keller niedergelegt werden sollte?

Der Knabe blieb in Buffalos Haus zurück, während Jim Buffalo in der späten Abendstunde mit der Teufelsmaschine das Haus verließ.

Gegen vier Uhr morgens kehrte er zurück. Sein Gesicht lag in freundlichen Falten. Der Erfolg seines Ausfluges schien ein guter gewesen zu sein.