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Jim Buffalo – 8. Abenteuer – Kapitel 2

Jim Buffalo,
der Mann mit der Teufelsmaschine
Veröffentlichungen aus den Geheimakten des größten Abenteurers aller Zeiten
Moderner Volksbücher-Verlag, Leipzig, 1922

Das Grab im Keller
Das 8. Abenteuer Jim Buffalos

2. Kapitel

Ein geheimnisvoller Brief

Jim Buffalo ging mit Lust und Liebe an den neuen Fall heran.

Dufferins eigener Onkel! Hm – freilich, dann war es ihm nicht zu verdenken, dass er es nicht selbst sein wollte, der den Onkel zur Strecke brachte.

Schon am nächsten Tag machte sich Jim Buffalo an die Arbeit. Er kannte Cliffer und beabsichtigte, sich ihm in einer entstellenden Maske zu nähern. Als ärmlicher Mensch gekleidet, ging er in die Towerstreet, wo Cliffer im Haus Nr. 21 sein Büro hatte.

Kaum jedoch wollte er das Haus betreten, als etwas Sonderbares geschah.

Cliffer trat aus dem Haus. Im gleichen Augenblick erschien vor ihm ein widerlicher Mensch und sprach ihn an. Sichtlich erschrocken war Cliffer zurückgewichen. Dann jedoch nahm er etwas beruhigt einen Brief entgegen, den der Mann aus der Tasche zog.

Während Cliffer hastig den Brief öffnete, entfernte sich der Mensch, den Jim Buffalo für einen ganz außergewöhnlich schweren Jungen hielt. Ehe er sich versah, war er im Menschengewühl untergetaucht.

Cliffer wurde beim Lesen des Briefes sichtlich erregt. Hastig wandte er sich um. Als er sah, dass ihn der Bote bereits verlassen hatte, stampfte er grimmig mit dem Fuß auf und kehrte ins Haus zurück.

Als entfernter Zeuge hatte Jim Buffalo dies alles mit angesehen und zerbrach sich nun den Kopf, was das eben zu bedeuten gehabt hatte.

Cliffer bekam Briefe aus Verbrecherhand? Hm – was mochte in dem Schreiben gestanden haben?

Er hatte Dufferin sein Wort gegeben, dem Onkel das unsaubere Handwerk zu legen, und was Buffalo einmal versprochen hatte, hielt er auch. Er musste also mit allen Mitteln versuchen, einen Blick in die Geschäftsgeheimnisse dieses Mannes zu werfen.

Ohne noch einen Moment zu zögern, betrat er das Haus. Das Büro lag in der ersten Etage. Kaum stand Jim Buffalo jedoch auf dem Absatz des ersten Stockes, als er die kreischende Stimme Thomas Cliffers über sich vernahm. Er musste sich in größter Wut befinden.

»Dich werde ich lehren, meine Befehle nicht auszuführen!«, brüllte er. Dann hörte Buffalo ein paar klatschende Schläge.

Vier Stufen auf einmal nehmend, jagte Buffalo in seiner Verkleidung hinauf. Ein eigenartiges Bild bot sich seinen Blicken. Da stand Thomas Cliffer, vor Wut am ganzen Leib zitternd, und schlug erbarmungslos auf einen vielleicht fünfzehn- oder sechzehnjährigen Knaben ein. Ganz gleich war es ihm, wohin seine fleischigen Fäuste fielen. Über die Lippen des Knaben kam kein Laut. Es war nicht zu zweifeln, dass es Trotz war, der ihn jeden Schmerz tapfer verbeißen ließ.

Nun unterbrach Mister Cliffer seine Prozedur.

»Gehst du jetzt endlich?«

Da richtete sich der junge Bursche auf.

»Nein!«, sagte er.

Ein Fluch erscholl aus Cliffers Mund.

»Da! Nimm!«, schrie er und holte von Neuem zum Schlag aus, als er sich von hinten gepackt fühlte.

»Unterlassen Sie das gefälligst«, sagte eine drohende Stimme. »Sind Sie ein Mensch oder ein Tier, das sich an einem Schwächeren vergreift?«

Cliffer starrte auf den ärmlich gekleideten Menschen. Mit einer Flut grässlicher Ausdrücke fuhr er den Fremden an.

»Das ist meine Sache!«, brüllte er zum Schluss. »Und wenn Sie nicht im Zeitraum von zwei Minuten mein Haus verlassen haben, werde ich Sie …«

Buffalo machte eine abwehrende Bewegung. »Sparen Sie sich Ihre Worte«, erwiderte er. »Ich werde nicht eher gehen, bis ich weiß, weswegen Sie diesen Knaben hier misshandelt haben!«

Cliffer duckte sich nur vor denen, mit denen er Geschäfte machen wollte, und vor denen, die er fürchtete. Vor denen jedoch, die er betrogen hatte oder die nicht aussahen, als ob sie dank seines Geldes gegen ihn vorgehen konnten, spielte er sich immer auf. Dieser ärmlich gekleidete Mensch wagte es, ihn zur Rede zu stellen? Hahaha – dem wollte er heimleuchten.

»Weshalb schlugen Sie den Knaben?«

»Deshalb!«, brüllte Cliffer und packte Buffalo an den Schultern, in der Absicht, ihn zur Treppe hinzustoßen. Doch er hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Ehe er sich versah, saß ihm Buffalos zielsichere Hand auf der linken Backe. Dreimal – viermal klatschte seine Rechte auf das feiste Gesicht, sodass Cliffer aufbrüllend nach hinten taumelte.

»Komm!«, wandte sich Buffalo an den zitternden Jungen.

Sofort kam der Gerufene auf ihn zu und schmiegte sich furchtsam an ihn.

Cliffer erholte sich.

»Das sollen Sie mir büßen!«, schrie sie. »Ich werde Sie verhaften lassen!«

»Bitte«, entgegnete Jim Buffalo, »tun Sie Ihren Gefühlen keinen Zwang an. Aber beeilen Sie sich – ich verlasse jetzt Ihr Haus, so wie Sie befahlen!«

Wie er es erwartet hatte, hütete sich Cliffer wohl, mit auf die Straße und so mit der Polizei in Berührung zu kommen.

Ungehindert verließ er mit dem Jungen das Haus, während von oben das unflätigste Schimpfen des Menschenfreundes herunterklang und sie begleitete, bis er die Haustür im Rücken hatte.