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Jim Buffalo – Band 2

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Sagen der mittleren Werra 14

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Von den Musikanten auf dem großen Hermannsberg

»Wir hatten Kirmes«, so erzählte der alte Scheerschmidt in Oberschönau, »und es meldeten sich allerlei Spielleute aus Nah und Fern, um uns hier im Grund eins aufzuspielen. Da kam auch ein Chor von drüben herüber. Die Tanzböden waren aber schon alle besetzt und die armen Teufel wurden mit Hohn und Spott abgewiesen. So zogen sie denn wieder heimwärts. Als sie nun den Fuß des großen Hermannsberges erreicht hatten und das Wetter so freundlich war, kam einer auf den Gedanken, den Berg zu ersteigen und sich von oben einmal die weite Welt anzusehen. Die anderen waren es zufrieden, und bald saßen sie auf dem mächtigen Felsenkamm und schauten wehmütig hinaus in die Ferne.

So war eine Weile vergangen, da griff der eine tief bewegt nach seinem Instrument und stimmte das Lied Herrgott, dich loben wir! an, die anderen fielen ein und sie spielten so ergreifend wie noch nie. Als der letzte Ton verklungen war, sangen sie mit frischem Mut noch das Lied Wer nur den lieben Gott lässt walten. Da tat sich ihnen plötzlich der Berg auf. Gott vertrauend traten sie ein, ließen sich an einer langen, mit edlem Wein und kostbaren Speisen besetzten Tafel nieder, und ihr Herz war fröhlich und guter Dinge. Bald griffen sie wieder nach ihren Instrumenten, spielten die heitersten Weisen und feierten so ihre Kirmes im großen Hermannsberg. Wie lange sie da gesessen hatte, wussten sie selbst nicht, denn die Zeit war ihnen rasch vergangen.

Endlich war einer nach dem anderen ermüdet eingeschlafen. Als sie erwachten, saßen sie wieder oben auf dem Felsenkamm. Alles war wie vorher und das Vorgefallene schien ihnen wie ein Traum, nur das Gold, das jeder bei sich in der Tasche fand, bezeugte, dass sie den Verwunschenen in dem Berg doch aufgespielt hatten.

Als das die anderen, von denen sie mit Hohn und Spott vertrieben worden waren, erfuhren, machten auch die sich alsbald zum großen Hermannsberg mit ihren Instrumenten auf den Weg. Sie kamen aber dort oben gar übel an. Sie wurden mit einem Hagel von Steinen empfangen; dabei gab es die empfindlichsten Ohrfeigen und Prügel. Sie dankten Gott, als sie mit ihren Instrumenten das Dorf Oberschönau erreicht hatten und so noch mit einem blauen Auge davongekommen waren.

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