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Hanns Heiling … – Teil 5

Friedrich Wilhelm Bruckbräu
Hanns Heiling, vierter und letzter Regent der Erd-, Luft-, Wasser- und Feuergeister und sein Kampf mit den Teufeln der Hölle
Eine höchst merkwürdige, abenteuerliche und wundervolle Ritter-, Räuber-, Geister- und Teufelsgeschichte
Verlag der J. Lutzenberger’schen Buchhandlung, Altötting, 1860

Ein Minnefänger und ein Bettler

Aus einer Waldeslichtung, die von einem hohen Berg in den großen böhmischen Wäldern talwärts führte, trat an einem sonnenhellen Morgen ein schlanker, bildschöner Jüngling von 21 bis 23 Jahren, Ralf von Ilmen, der bald nach seiner Geburt seine Mutter, in einer Fehde mit einem mächtigen Herzog seinen Vater und dadurch auch seine Stammburg verloren hatte, die der Sieger als gute Beute erklärte. Zu stolz, um bei einem Ritter als Knappe zu dienen, zog er als Minnesänger von Burg zu Burg, wurde überall hoch gefeiert, denn er war ein meisterhafter Lautenspieler mit einer starken und wunderschönen Stimme und unerschöpflich in ernsten und heiteren Liedern, von denen er die meisten immer augenblicklich selbst dichtete, besonders wenn man ihn ersuchte, über einen angegeben Stoff ein Lied zu singen.

Er trug ein dunkelgrünes, silbergesticktes Wams, einen feinen, blendendweißen gestickten Halskragen, einen kurzen leichten Mantel, ein kurzes Schwert an seiner Seite, einen breit gekrampten Hut mit Reiherfedern auf seinem Haupt und in einer mit Goldfäden durchzogenen Schnur, die von der rechten Schulter bis zur linken Hüfte ragte, seine tonreiche Laute in einem Futteral von zartem und wasserdichten Leder.

So stand er hoch oben und schaute sinnend in das Tal, nicht weit von dessen Mitte er ein kleines Dorf zu bemerken glaubte, über welchem ein dichter Nebel gleich einem Rauch zu schweben schien, vor dem man nach allen Seiten hin nichts gewahrte. Trat mitunter völlige Windstille ein oder wehte der Wind von jenem Dorf her, so vernahm man bisweilen abgerissene Töne einer Tanzmusik.

»Ah, dort geht es lustig zu, dort wird getanzt! Möchte wohl auch wieder einmal tanzen, damit ich es nicht ganz verlerne, so wenig Ursache ich auch habe, als burgloser Ritterssohn und armer Minnesänger lustig zu sein.«

Er versank in Gedanken.

»Ein armer Kräutersammler bittet Euch um ein Stücklein Brot«, bat ein armseliger alter Mann, den Ralf schon aus dem Wald hatte heranhumpeln sehen.

»Ich habe kein Brot, lieber Alter«, erwiderte der Jüngling, »doch da habe ich noch eine Handvoll kleiner Münze, die ich dir schenke. Ich brauche sie nicht. Ich hoffe heute noch auf ein Ritterschloss zu kommen, wo man mich als Sänger ohnedem herrlich füttern und tränken wird. Da, nimm!«

»Tausend Dank, Herr Junker!«

Ich bin kein Junker und will auch kein Junker sein. Ich bin Minnesänger.«

»Ei, du lieber Gott, ein Minnesänger! Habe schon oft davon gehört, aber noch nie einen singen gehört. Ach so glücklich, wenn ich noch werden könnte vor meinem Tode!«

»Nun, so glücklich will ich dich noch machen«, versetzte der Jüngling lachend und fragte, während er seine Laute aus dem Futteral nahm. »Kennst du Hanns Heiling?«

Nur dem Namen nach, gesehen habe ich ihn noch nie, aber schon recht viel Gutes über ihn gehört.«

»Nun, so gib Acht, ich will dir nun ein Loblied singen, das ich ihm zu Ehren gedichtet habe.«

Und der Jüngling sang und spielte mit so innigem Gefühle, mit solcher Begeisterung, dass ihm Tränen der Rührung in die Augen traten.

»Herrlich, herrlich!«, rief der Bettler aus, »so habe ich in meinem ganzen Leben noch nie singen hören! Ich danke Euch herzlich für die große Freude, die ihr durch Euren wunderbaren Gesang mir gemacht, durch den Ihr gewiss schon die schönsten Ritterdamen bezaubert habt.«

»Unter diesen ist nur eine , die ich liebe und von der ich geliebt werde, aber ohne alle Hoffnung ihre Hand zu erhalten, da ihr reicher und sehr stolzer Vater sie nur einem ebenso reichen Ritter bewilligen will. Somit ist die engelfromme und wunderschöne Gräfin Bertha von Adlerstein für mich verloren. Mein einziger Trost ist aber, dass auch kein anderer sie bekommt. Will der Vater sie dazu zwingen , so geht sie ins Kloster, was er ihr nicht verwehren darf.«

»O, gebt die Hoffnung nicht auf, denn die Beharrlichkeit führt zuletzt doch ans Ziel! Wohin geht Ihr jetzt, Herr Minnesänger, wenn ich fragen darf?«

»Zunächst dort hinab in das ruhige Dorf, wo Musikanten so lustig zum Tanz aufspielen und dann vielleicht noch weiter auf irgendeine Ritterburg.«

Der Bettler schüttelte den Kopf. »Möchte Euch nicht raten, in dieses Dorf zu gehen, dessen Leute in schlechtem Ruf stehen. In jedem Fall vergesst nicht, das Dorf noch vor dem Untergang der Sonne wieder zu verlassen, denn die Nacht ist keines Menschen Freund«, bedeutete der Alte mit warnender Miene.

»Hast recht, guter Alter, ich werde deinem Rat folgen!«

»Und nun gehabt Euch wohl, Herr Minnesänger! Noch einmal meinen innigsten Dank für das schöne Lied!«

»Deinen Dank kannst du mir nicht besser bezeigen, guter Alter, als dadurch, dass du überall das Lob des herrlichen Hanns Heiling verkündest, der vor allem würdig wäre, Kaiser von Deutschland zu sein.«

»Verlasst Euch darauf, dass ich dies tun werde!«

Sie schieden nun voneinander auf entgegengesetzten Wegen. Ralf ging bergab, dem Dorf zu.

 

 

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