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Aus dem Wigwam – Yehl

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Noch vierzig Sagen
Mitgeteilt vom Navajohäuptling El Zol

Yehl

ur Zeit, als noch alles dunkel war und man die Welt noch nicht gefunden hatte, lebte ein Tlingit in Alaska mit seiner Frau und Schwägerin. Er liebte seine Frau so sehr, dass er alle Arbeiten für sie tat, wogegen sie ihm versprechen musste, mit keinem fremden Mann zu sprechen. Sie wurde von acht kleinen, roten Vögeln bewacht. Diese erzählten eines Tages ihrem Mann, dass sie sie in Gesellschaft eines Fremden gesehen hätten. Darüber wurde der Gemahl zornig. Als er das nächste Mal in den Wald ging, schloss er vorher seine Frau in eine Kiste ein und tötete alle Kinder seiner Schwester, weil diese sie beständig ansahen.

Die kinderlose Mutter lief traurig an das Seeufer und klagte den Wellen ihr Leid. Als dies ein Walfisch sah und den Grund ihrer Klagen hörte, sagte er, sie solle einen Kieselstein verschlucken und Seewasser trinken. Nach acht Monaten schenkte sie einem Sohn das Leben, den sie sorgfältig vor ihrem Bruder versteckte. Als er groß war, tötete er eine Menge großer Vögel und machte sich aus deren Federn Flügel, mit denen er überallhin fliegen konnte. Seiner Mutter fertigte er einen kostbaren Mantel aus den Flügeln von Kolibris.

Zu dieser Zeit hielt ein reicher Häuptling die Sonne, den Mond und die Sterne in verschiedenen Kisten aufbewahrt, die niemand anrühren durfte. Yehl hörte davon und beschloss, sich in ihren Besitz zu setzen.

Dieser Häuptling hatte nun eine Tochter, welche Yehl liebte. In Gestalt eines Grashalms ließ er sich von ihr aufessen und zeigte sich späterhin in seiner wahren Gestalt. Ihr Vater hatte solche Freude an ihm, dass er ihm jeden Gefallen tat.

Nun fing Yehl eines Tages an, bitterlich zu weinen, und war nicht eher ruhig, bis ihm der Alte eine von seinen wertvollen Kisten schenkte. Er ging vor die Tür und spielte damit. Sobald er sich aber unbemerkt sah, öffnete er sie und augenblicklich erglänzte der Himmel voller Sterne.

Der alte Häuptling ärgerte sich sehr darüber, sagte seinem Liebling jedoch kein raues Wort und ließ sich bald danach sogar auch noch die zweite Kiste, welche den Mond enthielt, in ähnlicher Weise abschwätzen.

Mit der dritten Kiste ging er aber sorgfältiger zu Werke und nur der Umstand, dass Yehl todkrank zu sein vorgab und jede Speise verweigerte, konnte ihn bewegen, ihm noch zuletzt eine große Freude zu machen.

Yehl verwandelte sich darauf in einen Adler und flog mit der Kiste hin­auf zum Himmel und ließ dort die Sonne heraus. Doch die Menschen waren an das Licht noch nicht gewöhnt und flüchteten sich daher in die Ge­birge und in das Wasser und wurden dort zu Tieren.