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Der Hexer 14

Robert Craven (Elmar H. Wohlrath)
Der Hexer Band 6
Labyrinth der weinenden Schatten

Horror, Grusel, Heftroman, Bastei, Bergisch-Gladbach, 25. Juni 1985, 64 Seiten, 1,70 DM, Titelbild: Terry Oakes

Es war alt, uralt und voller Gier nach Leben. Die Quelle dämonischer Kraft tief im Inneren seines monströsen Leibes, sein im Takt der Zeit pulsierendes Herz, der dunkle Kern seines Selbst, war voller Gier und Hunger. Einem Hunger, der niemals zu stillen war. Es tötete. Es verschlang und fraß und nahm die Dinge in sich auf, deren es auf seinem Weg durch die Ströme der Zeit habhaft werden konnte, versuchte seine Gier an den Auren lebendiger Geschöpfe und an den so seltenen Trägern reiner Magie zu stillen.

Und nun schloss sich seine Falle wieder um ein Opfer. Ein ganz besonderes Opfer diesmal. Eines, auf das es lange, sehr lange gewartet hatte …

Leseprobe

Die Welt des Hexers

New York im Jahre 1883. Roderick Andara, ein gefürchteter Magier, findet seinen Sohn wieder, den er vor 24 Jahren zu fremden Eltern gab. Andara wird von den GROßEN ALTEN gejagt, uralten Göttern, die ihm seine ehemaligen Hexerfreunde durch einen Fluch auf die Spur hetzten.

Das Wiedersehen mit seinem Sohn Robert Craven überlebt Andara nur kurz: ein Diener der ALTEN tötet ihn, doch seine Seele überlebt und steht Robert in seinem Kampf zur Seite. Denn nach dem Tod Andaras ging der Fluch auf Robert über. Unter der Leitung von Howard Lovecraft, einem Freund seines Vaters, studiert er die magische Kunst. Die Hexer von Salem, die schon Andaras Tod wollten, schicken ihm einen Todesboten: den jungen Magier Shannon. Doch Shannon erkennt den fanatischen, sinnlosen Hass seiner Sippe und schlägt sich auf Roberts Seite. Gemeinsam wehren sie einen Angriff der GROßEN ALTEN ab.

Jetzt greift Necron, der Anführer der Hexer von Salem, selbst in den Kampf ein. Als Robert nach London reist, um das Erbe seines Vaters anzutreten, wird Shannon von seinen Schergen entführt. Necron folgt Robert Craven. In Andaras Haus in London kommt es zum Kampf – ein Kampf, den Necron fast verliert! Trotzdem gelingt es ihm, Howard, Rowlf und Priscylla in seine Gewalt zu bringen. Robert hat keine andere Wahl – um das Leben seiner Freunde zu retten, muss er auf Necrons Forderungen eingehen: sich selbst auszuliefern, und auch das NECRONOMICON, das Buch des Bösen, dem Hexenmeister zu überlassen. Mit einem Trick gelingt es Howard, Necron zu überlisten. Sein Vorhaben, Robert zu töten, misslingt, doch er flieht mit dem Buch und Priscylla. Und auch Howard ist in Gefahr. Vor Jahren war er ein Jünger im Orden der Tempelherren, wurde aber abtrünnig, als er erkannte, dass die Ziele des Ordens eine Gefahr für die Welt darstellen. Nun verfolgen ihn seine ehemaligen Brüder, um ein Urteil zu vollstrecken, das schon vor Jahren über ihn verhängt wurde: ein Todesurteil …

 

***

 

Sekundenlang standen die drei hochgewachsenen Gestalten reglos am Ufer des Sees, lauschten auf das Rascheln der Blätter und das leise Murmeln des Wassers, dessen Oberfläche der Wind kräuselte.

Dann verschwanden sie, in verschiedene Richtungen und beinahe so lautlos, wie sie aufgetaucht waren. Nur ihre Fußspuren blieben im feuchten Sand des schmalen Seeufers zurück.

Aber selbst die würden bis zum Morgengrauen verschwunden sein …

 

***

 

»Warum können wir das Tor nicht benutzen? Ich sehe keinen Grund, der mich daran hindern sollte, das gleiche zu tun wie Necron!«

Howard zog missbilligend die Brauen zusammen, als er den vorwurfsvollen Unterton in meinen Worten gewahrte, nahm einen tiefen Zug aus seiner Zigarre, griff umständlich nach seiner Tasse mit längst kalt gewordenem Kaffee und tat so, als tränke er. Seine übertrieben zur Schau gestellte Ruhe machte mich allmählich rasend. Wir saßen seit mehr als zwei Stunden in der Bibliothek beisammen und redeten; das heißt – ich redete, und Howard hörte zu, runzelte dann und wann die Brauen oder schüttelte den Kopf und beschränkte seinen Beitrag an unserer »Aussprache« ansonsten auf ein gelegentliches hm oder tztztz!

Nicht, dass ich etwas anderes erwartet hatte. Wenn ich jemals einem Menschen begegnet war, der eine wahre Meisterschaft darin entwickelt hatte, auf konkrete Fragen keine Antworten zu geben, dann war es Howard.

»Also? Warum nicht?«

Howard lächelte, hob die Zigarre an die Lippen und blies eine übelriechende Qualmwolke in meine Richtung. »Weil es nicht geht«, sagte er schließlich.

»Weil es… nicht geht?«, wiederholte ich. »Warum hast du das nicht gleich gesagt? Wenn es so ist, sehe ich natürlich ein, dass du recht hast.«

»Du brauchst überhaupt nicht zynisch zu werden, Robert«, sagte Howard kopfschüttelnd. »Reicht dir nicht, was du mit diesem Ding erlebt hast?«

»Du hast es auch benutzt, zusammen mit Rowlf«, sagte ich ärgerlich.

Howard schürzte wütend die Lippen. »Das war etwas anderes. Rowlf schwebte in Lebensgefahr; ich musste ihm beistehen. Und ich wusste selbst nicht, wie gefährlich es war. Hätte ich es gewusst, hätte ich mir meinen Entschluss zweimal überlegt. Verdammt, Robert – du hast selbst erlebt, was dieses Ding anrichten kann!«

Diesmal antwortete ich nicht sofort, sondern blickte einen Moment stumm an ihm vorbei auf die monströse Standuhr, die wie ein Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit in einer Ecke der Bibliothek hockte.

Genaugenommen war sie das ja auch: ein Überbleibsel aus einer Zeit, die untergegangen war, lange bevor es so etwas wie Leben auf diesem Planeten gegeben hatte. Leben in unserem Sinne …

Ich versuchte den Gedanken abzuschütteln, aber es gelang mir nicht ganz. Wie immer, wenn ich an die Welt der GROßEN ALTEN dachte, blieb eine Art dumpfer Benommenheit zurück; etwas wie ein schlechter Geschmack auf der Seele, der nur langsam verblasste.

Obwohl fast anderthalb Wochen vergangenen waren, seit Necron, der Alte vom Berge, durch das magische Tor entkommen war, das sich hinter der täuschend harmlos aussehenden Front der vermeintlichen Uhr verbarg, überlief mich ein eisiger Schauer.

Die Standuhr war nicht nur äußerlich ein Monstrum. Hinter dem brüchig gewordenen Holz ihres Gehäuses verbarg sich kein kompliziertes Uhrwerk, wie ihr Äußeres vermuten ließ, sondern ein Tor, das geradewegs in die Hölle führte …

Im Grunde wusste ich sehr wohl, dass Howard recht hatte. Einmal war ich mit knapper Not dem Verhängnis entgangen, das hinter der geschlossenen Tür der Uhr lauerte. Aber ich konnte schlecht darauf spekulieren, auch ein zweites Mal ein so unverschämtes Glück zu haben. Aber der Gedanke, tatenlos hier herumzusitzen, während die Zeit verstrich und Necron mit Priscylla weiß Gott wo war, war einfach unerträglich.

»Necron hat es auch benutzt«, sagte ich störrisch. »Ich sehe nicht ein, warum …«

»Wenn zwei das Gleiche tun, Robert«, sagte Howard in belehrendem Tonfall, »ist das noch lange nicht dasselbe.«

Ich funkelte ihn an. Howard meinte es nur gut, das wusste ich genau, aber einem anderen, boshaften Teil meines Ichs erschien er im Moment als die ideale Zielscheibe für meine schlechte Laune.

»Warum hast du Necron nicht auch mit einem Sprichwort empfangen?«, schnappte ich. »Zum Beispiel: Unrecht Gut gedeihet nicht? Ich bin sicher, er hätte sich entschuldigt und wäre gegangen.«

»Kaum«, antwortete Howard trocken. »Er hätte ein Komma hinter das ›gedeihet‹ gesetzt.« Er beugte sich vor und drückte seine Zigarre aus.

»Necron ist ein erfahrener Magier«, sagte er eindringlich. »Ein Mann, der diese Tore seit Jahrhunderten benutzt, Robert. Er kennt die Gefahren, die auf diesen Wegen lauern können, und weiß, wie er ihnen begegnen muss. Du nicht.«

»Aber du! Und trotzdem hast du …« Ich verstummte wieder und kniff die Lippen zusammen.

Meine Worte taten mir im gleichen Moment schon wieder leid, als ich sah, wie Howard wie unter einem Hieb zusammenzuckte. Er antwortete nicht, sah mich auch nicht mehr an, sondern blickte starr an mir vorbei aus dem Fenster, ohne indes wirklich hinauszusehen. Er machte sich schwere Vorwürfe, und nicht erst seit heute.

Er hatte versucht, Necron eine Falle zu stellen. Sie war zugeschnappt, wie er es geplant hatte, aber der Alte vom Berge war ihr entkommen und hatte Priscylla und das NECRONOMICON mit sich genommen, und Howard gab sich die Schuld an alldem. Meine ständigen Beteuerungen, dass er nichts dafür konnte, hatten daran nichts geändert.

Und wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst war, dann gab es einen kleinen, unlogischen Teil in meinem Bewusstsein, der mir ständig zuflüsterte, dass Howard die Schuld an Priscyllas Verschwinden trug. Ich hatte versucht, dagegen anzukämpfen und die lautlose Stimme zum Schweigen zu bringen, aber es war mir nicht gelungen.

Howard stand plötzlich auf, straffte übertrieben die Schultern und wandte sich zur Tür.

»Wohin willst du?«, fragte ich scharf. »Wir sind noch nicht fertig.«

Howard lächelte. »Ich komme wieder. Meine Zigarren sind alle. Ich gehe nur nach unten und hole eine neue Kiste aus meinem Koffer. Die Luft hier ist noch zu gut, weißt du.«

Ich runzelte missbilligend die Stirn, aber Howard reagierte darauf nur mit einem noch breiteren Lächeln, ging mit raschen Schritten zur Tür und verließ das Zimmer.

Ich hatte das sichere Gefühl, dass er nicht nur hinausgegangen war, um neue Zigarren zu holen; wahrscheinlich wollte er ein paar Minuten in Ruhe darüber nachdenken, wie er mir am besten den Wind aus den Segeln nehmen konnte. Wäre es nach mir gegangen, dann wären wir jetzt schon an Bord eines Schnellseglers, der uns zurück nach Amerika bringen würde.

Aber es ging nicht nach meinem Willen, und Howard trug nicht einmal Schuld daran, auch wenn ihm die Entwicklung sicherlich ganz gelegen kam. Während der letzten anderthalb Wochen hatte er es mit beinahe übernatürlichem Geschick verstanden, mir auszuweichen, mich zu vertrösten oder irgendwelche furchtbar wichtigen Dinge vorzuschützen, nur um diesem Gespräch aus dem Wege zu gehen.

In den ersten Tagen war ihm dies sehr leicht gemacht worden – das Haus hatte sich in einen Bienenkorb verwandelt, in dem ein ununterbrochenes Kommen und Gehen geherrscht hatte. Eine halbe Hundertschaft von Scotland-Yard-Beamten war über uns hergefallen, und während der ersten fünf Tage war ich kaum zum Schlafen gekommen, geschweige denn, dass ich eine freie Minute gefunden hätte, mit Howard zu reden.

Jetzt war es vorbei. Irgendwie hatten es Howard und Dr. Gray – der echte Dr. Gray, den Howard mit einem Blitztelegramm herbeizitiert hatte – fertiggebracht, meinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen; wenigstens vorerst.

Nicht, dass die Angelegenheit vollkommen erledigt gewesen wäre – wir hatten eine kleine Verschnaufpause bekommen, mit den üblichen Auflagen: die Stadt nicht zu verlassen, jederzeit zur Verfügung zu stehen und so weiter. Die polizeiliche Untersuchung würde weitergehen, so lange, bis ein Verantwortlicher gefunden oder die Akten als unerledigt abgelegt wurden. Der erste Fall würde nie eintreten, und auf den zweiten konnten wir Jahre warten, mit etwas Pech.

Wieder suchte mein Blick wie von selbst die mächtige Standuhr in der gegenüberliegenden Ecke. Sie wirkte bedrohlich und finster, ein grauer, hölzerner Obelisk, der nur darauf wartete, erneut mit aller Macht zuzuschlagen.

Ich stand auf, näherte mich der Uhr mit vorsichtigen, kleinen Schritten und streckte die Hand nach dem rissigen Holz ihrer Seitenwand aus. Mein Herz schlug ein wenig schneller, obwohl ich wusste, dass – zumindest im Augenblick – keine Gefahr mehr von diesem … Ding ausging.

Trotzdem bildete ich mir ein, ein unangenehmes, helles Kribbeln in den Fingerspitzen zu spüren, als ich das Holz berührte. Vor meinem inneren Auge sah ich die Tür sich öffnen, und dahinter war plötzlich nicht mehr das komplizierte Laufwerk der vier unterschiedlichen Zifferblätter, sondern die monotonen schwarzen Wogen eines mitten in der Bewegung erstarrten Ozeans, ein krankes, böses Land, beschienen von einem bleichen Schädelmond …

Mit einem Ruck zog ich die Hand zurück und presste die Lider zusammen, so fest, dass blitzende Punkte vor meinen Augen auftauchten. Trotzdem dauerte es endlose Sekunden, bis die Vision verblasste und mein Herz aufhörte, wie rasend zu schlagen.

Ich wandte mich um, atmete ein paarmal erzwungen tief und langsam durch und versuchte jeden Gedanken an die GROßEN ALTEN, an Necron und seine Drachenkrieger aus meinem Gehirn zu vertreiben.

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2 Antworten auf Der Hexer 14

  • Thomas Martner sagt:

    Band 6: M.W. von Elmar H. Wohlrath.

    • W. Brandt sagt:

      Danke für den Hinweis, Thomas. Dieser Band wurde von Elmar geschrieben. Habe gerade die Änderung vorgenommen.
      Nobody is perfect. Ich sollte mich besser konzentrieren oder in der einschlägigen Literatur nachschauen.

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