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Neue Gespenster – 33. Erzählung

Samuel Christoph Wagener
Neue Gespenster
Kurze Erzählungen aus dem Reich der Wahrheit
Erster Teil

Dreiunddreißigste Erzählung

Frau Hansen in Rostock

Frau Hansen, die kränkliche Gattin eines Schneidermeisters zu Rostock, wurde, fünfzig Jahre alt, von einem heftigen Fieber befallen und starb nach einigen Tagen. Man behandelte sie, wie man Leichen zu behandeln gewohnt ist. Sie wurde aus dem Bette gehoben, gewaschen, und nachdem man ihr ein Buch von mittlerer Größe unter das Kinn gelegt hatte, damit der Mund geschlossen bleiben möge, allein gelassen. Es war ein Sommertag, an dessen frühem Morgen die Kranke gestorben war.

Am anderen Morgen ging die Hausmagd in die Stube, worin die Tote lag, um die Riegel an den geschlossenen Fensterläden zurückzuschieben.

Hierauf kehrte sie aus der Stube zurück, um die Fensterläden auch an der Außenseite des Hauses aufzumachen. Nun ging sie abermals in das Leichenzimmer, um nun auch die Fenster zu öffnen und den Totengeruch aus den Zimmer zu lassen. Als die Magd zu den Lebenden zurückkehren wollte, richtete sich ihre totgeglaubte Hausfrau auf, rief ihr leise zu und reichte ihr das Buch, welches unter ihrem Kinn gelegen hatte, damit sie es beseitigen möchte. Übrigens fragte sie ganz erstaunt die Magd, wie sie hierher in dieses Zimmer gekommen wäre und was überhaupt die ihren mit ihr vorgenommen hatten?

Die wie von einem Gespenst gebannte Hausmagd konnte vor Entsetzen nicht von der Stelle und rief aus vollem Hals um Hilfe. Inzwischen eilte der Ehemann mit dem übrigen Gesinde herbei. Dieses traute sich beim Anblick der lebenden Frau Meisterin nicht in das Zimmer; jener aber half seiner armen Frau, welche über eine beschwerliche Kälte klagte, von dem Leichenbrett, auf welchem sie beinahe vierzehn Stunden im Scheintod zugebracht hatte, in ein warmes Bett, wo sie durch stärkende Mittel bald völlig hergestellt wurde.

Die Genesene wusste sich an nichts zu erinnern, was inzwischen vorgegangen war. Sie schrieb ihre Wiederbelebung der durch das geöffnete Fenster eingelassenen Luft zu, von welcher sie heftig erschüttert worden war. Sie lebte noch ganze zehn Jahre; nach Verlauf welcher Zeit sie in ihrem sechzigsten Lebensjahr wirklich starb. Dagegen soll die heftig erschrockene Hausmagd das Opfer dieses Ereignisses geworden sein. Das fürchterliche Entsetzen, welches ihr die erwachende Hausfrau eingejagt hatte, warf sie auf das Krankenlager, auf welchem sie des Todes Beute wurde.

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