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Westward! Ho! – Erinnerungen eines Trappers – Kapitel 4

Für viele Männer bedeutete das Leben in den Bergen Abenteuer, Freiheit, Unabhängigkeit, Naturverbundenheit, Härte und Gefahr. Um in der Wildnis überleben zu können, bedurfte es einiger Natur- und Sachkenntnisse sowie persönlicher Attribute. Ohne diese kam es vor, dass man sehr früh starb oder nach einer Saison entmutigt die Berge verließ. Theoretische und praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten wie Schießen, Schwimmen, Bergsteigen, militärische Grundkenntnisse in Strategie und Taktik, Jagd, Reiten und andere waren notwendig, um in der Wildnis unter äußersten Witterungsbedingungen überleben zu können.
Wie war es damals, als unzählige Abenteurer ihr Glück in den Rocky Mountains suchten und dafür Entbehrungen und Strapazen auf sich nahmen? Es sind die Tagebuchaufzeichnungen der Expeditionen zu den Quellen der Flüsse Missouri, Columbia und Colorado von Februar 1830 bis November 1835, niedergeschrieben von Warren Angus Ferris, die uns einen Einblick in das raue Leben jener Zeit gewähren und nicht in Vergessenheit geraten sollen.

Der Tross schlängelte sich im Zickzackkurs auf einer Länge von 6 Meilen entlang der Hügel und Steilhänge, die mit Zwergbäumen und dichtem Unterholz bedeckt waren und das Absteigen fast unmöglich machten. 8 Meilen unterhalb Council Bluffs erreichten wir Mr. Cabinas Handelsposten. Dort füllten wir unsere Vorräte auf und erhielten den Code of Laws. Wir verpflichteten uns für die Erhaltung von Eintracht und Sicherheit untereinander während der Durchquerung der riesigen Ebene, in der es kaum ausreichenden Schutz gegen Messer, Pfeile und Tomahawks gab. Die wilden Horden würden keine Skrupel kennen, denn sie empfanden keine Sympathie für Vertrauen und zeigten kein Mitleid bei Schwäche. Nur eine starke Gemeinschaft konnte sich in der Wildnis behaupten. Unseren Reisekodex Paints and Penalties unterschrieb für uns alle der erfahrene Mountain Man Mr. Lucien Fontenelle, der in jeglicher Hinsicht ein fähiger und besonnener Führer zu sein schien.
Nach einer kurzen Ruhepause ertönte das Signal zum Aufbrechen. Schnell ließen wir Mr. Cabina, seinen Handelsposten und den Missouri hinter uns und zogen bis zum Abend durch die Prärie. 20 Meilen oberhalb der Mündung des Loup Fork schlugen wir für die Nacht unser Lager auf. Am Tag darauf erreichte der Tross den Elkhorn River, ein klarer, tiefer und schnell dahinfließender Strom, etwa 150 Fuß breit.
Um ihn überwinden zu können, bauten wir ein Boot ähnliches Gestell aus Weiden und bezogen es mit Büffelhäuten. Nachdem wir die Konstruktion zu Wasser gelassen hatten, mussten wir feststellen, dass dieses Gefährt sich nicht als Transportmittel eignen würde, da die Felle das Wasser durchließen. Uns blieb nichts anderes übrig, den Fluss schwimmend zu überqueren. Zum Glück fanden wir eine Stelle von nur 4 Fuß Tiefe, die das Durchwaten des Flusses zuließ. Nachdem wir die gesamte Ausrüstung für dieses Vorhaben ausreichend sicherten und die Pferde versorgt hatten, überquerten wir den Elkhorn River. Das Wasser war ziemlich kalt. Hinzu kam noch der Umstand, dass wir regelrecht von einem einsetzenden Schneeregen überschüttet wurden, der unsere nackten Schultern unbarmherzig zusetzte. Trotz aller Witterungsunbilden bekamen wir all unsere Sachen sicher an das andere Ufer des Flusses. Da uns der Abend einholte, entschloss sich Mr. Fontenelle, die Nacht am Elkhorn River zu verbringen.
Früher als üblich setzten wir am folgenden Morgen unsere Expedition in Richtung der Rocky Mountains fort, kamen aber jedoch nur einige Meilen voran. Infolge eines heftigen Sturmes mit Schneeregen blieb uns nichts anderes übrigen, als an einer Stelle, genannt The Hole, Schutz zu suchen. Bis zum Morgen des 5. Mai waren wir dem heftigen Nordsturm ausgesetzt. Wir begannen, uns mit dieser Situation abzufinden. Dieses Wetter hielt uns im Griff und war … schrecklich unangenehm! Doch war dies ein letztes Aufbäumen des Winters.
Das Land selbst zeigte sich von all seinen Facetten – die schier endlose Prärie im satten Grün, gelegentlich durchzogen von dunklen Waldgebieten, die labyrinthartigen Verläufe von Flüsschen, die in kleinen bewaldeten Tälern und Senken fließen. Tausendfach wimmelte es an den Flussufern von wild wachsenden Blumen. Der 5. Mai 1830 war ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Ermutigt von all dieser Schönheit der Natur setzten wir lächelnd unseren Marsch fort.

Bis zu diesem Zeitpunkt schlugen wir unsere Camps Hals über Kopf ohne ersichtliche Ordnung auf, genau so, wie es unseren Pferden möglich war, Tag und Nacht zu laufen. Aber jetzt legten wir Wert auf Wachsamkeit, um mögliche nächtliche Angriffe abwehren zu können. Ein geeigneter Platz von 50 mal 50 Yards, dessen eine Seite entlang des Ufers eines Flusses verlief, wurde rechtwinklig abgesteckt. Vier unserer Zelte bauten wir an den Ecken auf, die restlichen vier jeweils in der Mitte jeder Seite. An über 200 Holzpfählen mit Eisenköpfen, einer Länge von 1 Fuß und 1 3/4 Zoll Durchmesser banden wir unsere Pferde und Maulesel an.
Hallten unmittelbar nach dem Sonnenuntergang die Worte Catch up! durch das Lager, ließen die Männer alles fallen und rannten zu ihren Pferden. Für wenige Minuten beherrschten Lärm und rege Betriebsamkeit die Szenerie. Einige Momente später, als alles vorbei war, saßen die Männer wieder an ihren Kesseln mit gekochtem Schweinefleisch und Mais. Der starke Hunger brachte uns dazu, das karge Mahl zu essen, welches selbst die Hunde abgelehnt hätten. Doch wir gaben uns mit dem wenigen zufrieden und stellten uns in Gedanken einen Haufen köstlichen Fleisches vor.
Nach dem Abendessen machten wir es uns am Lagerfeuer bequem, holten unsere Pfeifen hervor, bliesen uns den Qualm gegenseitig ins Gesicht und erzählten uns Geschichten aus alten Zeiten. Wir scherzten und lachten bis weit nach acht Uhr abends, bis der Ruf Turn out the first guard! ertönte. Sechs unserer Begleiter sprangen auf, ergriffen ihre Waffen und Decken, und begannen mit dem Gewehr in der Hand um das Lager zu patrouillieren, während sich der Rest zum Schlafen zurückzog. Sicherlich fiel so mancher der Männer in einen angenehmen Traum, der durch ein raues Rütteln an der Schulter und solchen abscheulichen Worten wie Get up, Sir, it is your watch! jäh unterbrochen wurde. Zwei Stunden, zwei verdammt lange sterbliche Stunden, in einer Decke eingehüllt, ohne die wohltuende Wärme eines Feuers und mit dem Gewehr auf den Knien hockst du da und beobachtest die Sterne, den Mond oder das wogende Steppengras. Dabei merkst du dir die Parole und wiederholst jede halbe Stunde – wie die übrigen fünf Männer auch – die Worte: All’s well.

Fünf Männer ritten in der Morgendämmerung zu den benachbarten Hügeln, um Ausschau zu halten. Da sie nichts Ungewöhnliches entdeckten, führten drei von ihnen die Pferde zum Weiden in die Prärie. Der Rest schürte das Feuer unter dem Kessel und bereitete das Frühstück vor. Kurze Zeit später ertönte der Ruf Léve, léve! durch das Lager. Nach dem Frühstück waren die Männer damit beschäftigt, die Zelte abzubauen und die letzten Vorbereitungen für die Fortsetzung des Marsches zu treffen. Und wieder ertönte das Catch up!, nachdem die Sonne bereits über eine Stunde am Himmel zu sehen war. Die Mulitreiber bemühten sich, ihre Maultiere zu beruhigen, doch wurden sie von den Mischlingstieren mit schrillen Lauten empfangen. Jemand wurde ins Bein gebissen, während er den Sattelgurt befestigte. Ein anderes trat zu, während es die Kruppe getätschelt bekommt, ein Drittes steht ganz ruhig da, bis die Ladung komplett auf dessen Rücken verstaut wurde. Doch plötzlich bockte es und warf die Ladung wieder ab. Kurz gesagt, die Tiere versuchten mit aller Macht, ihren eigenen Willen durchzusetzen. Doch das Beißen, Treten und Bocken half nichts. Innerhalb einer halben Stunde war der Tross abmarschbereit.
Unsere Führer ritten an die Spitze der Kolonne, und Mr. Fontenelle gab das Startsignal. Wir folgten in Linie mit unseren Packpferden, dabei stets das Gewehr griffbereit.
Gegen Mittag legten wir eine Rast ein und marschierten solange weiter, bis die untergehende Sonne nur noch zur Hälfte am Horizont zu sehen war. Es wurde Zeit, um sich für das Nachtlager vorzubereiten. Damit die Pferde und Maultiere bei einem Überfall nicht davonlaufen konnten, banden wir ihre Vorderbeine zusammen und bauten das Camp auf.
Erschöpft von den Strapazen des Tages legte ich mich frühzeitig hin und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Fortsetzung folgt …

Quelle: Ferris, Warren Angus: Life in the Rocky Mountains, Salt Lake City, Utah, Rocky mountain book shop, 1940.

 

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