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Einsendeschluss 31.05.2021

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Tony Tanner – Agent der Weißen Väter – 8.23

Das Komplott der Eisernen – Teil 23

»Heathercroft ist eigentlich ein netter Kerl«, flötete Lucille Chaudieu im harmlosesten Plauderton, »er ist … so charmant, für einen Engländer zumindest … und er weiß, was er will …«

Allein dieser Satz hätte ausgereicht, um Tony Tanner auf die Palme zu bringen. Aber die Art, wie Lucille dabei diesen langen Spargel in der Hand hielt und ihn genüsslich ganz langsam zwischen die schönen Lippen sog, machte ihn zum wilden Stier. Zumindest innerlich.

Nach außen hin verzog er keine Miene.

»Ich wittere, du hast den Mann deines Lebens gefunden, Lucille. Allerdings weiß auch ich, was ich will.«

»Ach, und was wäre das?« Lucille Chaudieu tat sehr interessiert und dokumentierte das, indem sie sich weit über den Tisch beugte, sodass sich ihre Wange fast mit der von Tony Tanner berührte.

»Was willst du?«, flüsterte sie.

Tony lehnte sich zurück und betrachte aus dieser neu gewonnenen Distanz das Gesicht der schönen Französin.

»Ich will ein Walnusseis zum Dessert, Guapa«, sagt er kühl. »Und zwar eine doppelte Portion.«

Auch Lucille blieb ungerührt.

»Kindische Naschsucht ist ab einem gewissen Alter ein Zeichen für misslungene Verdrängungsprozesse, Guapa«, flötete sie.

»Was du nicht sagst! Da scheint mir dein neuer Favorit Heathercroft aber ein Gegenbeispiel zu sein – feist wie ein Mastschwein, aber sicherlich nicht von dem Wunsch nach Sublimation geplagt.«

»Er ist eben ein Sonderfall. Einer unter Millionen.«

Tony Tanner beugte sich wieder nach vorn, gefährlich langsam, mit der unterdrückten Kraft einer Raubkatze, die ihre Tatze auf die Brust eines Opfers legt. Seine Hand erfasste die erzitternde Hand von Lucille Chaudieu, und sein bohrender Blick schraubte sich wie eine diamantverstärkte Spitze in ihre sehnsuchtsvollen Augen, die ein feuchter Glanz überlief.

»Pass auf, Süße«, sagte Tony Tanner, »ich bin zu alt für diese Spielchen. Falls du es mit diesem Wicht treiben willst, tu dir keinen Zwang an. Ich kann meine Ex Francine anrufen und mich erkundigen, ob er irgendwelche Vorlieben hat. Und dann wünsche ich dir viel Vergnügen mit Mister Bombastic. Aber solange du mir gegenübersitzt, wirst du dein hübsches Schandmäulchen halten, sonst werde ich dir nämlich links und rechts eine scheuern, falls du verstehst, was ich meine. Du hast es bei mir nämlich nicht mit einer Franzosenschwuchtel zu tun, sondern mit einem Mann, der in seinem Leben keine Eierstock-Quoten mehr vergibt.«

Damit lehnte er sich wieder zurück und beobachtete, wie ihn Lucille zugleich bewundernd und entsetzt anschaute und sich ihr Gesichtszüge langsam auflösten und traurig wurden.

Tony schwieg dazu.»Was ist? Hat es dir die Sprache verschlagen?«

Lucille schaute auf Tony, der die ganze Zeit mit träumerischem Ausdruck in die Ferne gestarrt hatte.

»Wie bitte?«, fuhr Tony hoch. Er lächelte entschuldigend.»Ich war wohl gerade in einem Paralleluniversum.«

»Ach?«, forschte Lucille misstrauisch, »meine Anwesenheit reicht dir wohl nicht.«

»Doch, doch. Eher im Gegenteil«, antwortete Tony sibyllinisch und winkte den Ober heran.

 

Das Gespräch stockte, weil jetzt Lucille intensiv aus dem Fenster starrte und Tony sich ebenso intensiv und mit größter Freude einer Literschale Walnusseis widmete.

Erst als er den letzten Rest sorgfältig auskratzte, wandte sie sich ihm wieder zu.

»Weißt du eigentlich, wie viele Kalorien du gerade eben verputzt hast?«, fragte sie im gereizten Ton einer Lehrerin.

Tony lächelte sie freundlich an und leckte den Löffel ab. »So an die zweitausend?«, schätzte er.

»Und das ist dir völlig egal!«

»Völlig! Wieso, habe ich zugenommen? Das sind diese Verbände.«

»Dir ist sowieso alles egal«, schniefte Lucille, und zu seinem Erstaunen sah Tony, dass sich aus ihrem Augenwinkel eine Träne löste und über ihre Wange lief. Sie wischte das verräterische Zeichen ungeduldig mit der Hand fort.

»Ähmm … wenn du vielleicht mal etwas konkreter …«, stotterte Tony und war sich zumindest klar, dass er sich wieder mitten im Minenfeld der hoch komplizierten Psyche schöner Französinnen aufhielt. Gut war wenigstens, dass er es erst jetzt merkte. Sonst hätte ihm möglicherweise das Walnusseis nicht so exzellent gemundet.

»Du bist so sensibel wie ein Eisberg«, klagte Lucille und war immer noch den Tränen nahe.

Tony breitete entschuldigend die Hände aus.

»Bedenke bitte, schöne Fremde, dass du in mir einen Mann vor dir siehst und zudem noch einen Engländer. Zwei Schwerstbehinderungen, die mir einiges an Nachsicht zukommen lassen sollten.«

Mit diesen Worten reichte er Lucille ein blütenweißes Taschentuch, das sie nutzte, um sich vorsichtig die Augenränder zu trocknen.

»Es macht dir also gar nichts aus, wenn ich mich mit diesem Ekel Heathercroft treffe und mich mit seinem schleimigen Charme zuschmeißen lassen muss?«

 

Da Tony jetzt zum ersten Mal von diesem Treffen erfuhr, konnte er sich seine relative Gelassenheit leicht erklären. Er war sicher, dass er einen alten Perserteppich durchgekaut haben würde, hätte er davon gewusst. Aber jetzt war es entschieden zu spät, sich noch aufzuregen.

»Wir sind freie Menschen«, erklärte Tony Tanner also wohlgemut und mit der lockeren Liberalität eines zeitgeistigen Moralisten, »und da selbst Frauen angeblich für ihre Handlungen geradestehen können, was soll ich denn machen. Mir Löcher in den Bauch ärgern?«

Lucille wurde starr, als sei sie aus Holz und schaute ihn an.

»Ich bin dir völlig egal«, flüsterte sie.

Für Tony war es nicht deutlich, ob dieses eine Frage, eine Feststellung oder ein Vorwurf sein sollte. Wahrscheinlich Letzteres. Jedenfalls entbehrte diese Bemerkung derart jeglicher Logik, dass Tony sich hilflos vorkam und zugleich höchste Verärgerung darüber verspürte, dass eine zu solcher verqueren Denkakrobatik fähige Menschengruppe für sich in Anspruch nahm, an Wahlen teilzunehmen, Auto zu fahren und als Soldaten die Feinde der Demokratie und der Menschenrechte so lange zu bombardieren, bis sie dem Weltfrieden nicht länger im Weg standen.

»Ich glaube, ich passe nicht in diese Zeit«, resümierte Tony. Was er meinte, war: Ach wie schön war es doch im 19. Jahrhundert, als Frauen noch geistig den Kindern gleich gestellt wurden, sich immer hübsch anzogen und vom Ehemann verprügelt werden durften. Besonders der letzte Punkt übte auf Tony Tanner einen großen Reiz aus.

»Wie meinst da das?«, fragte Lucille verwirrt.

Sie sah derart herzzerreißend hübsch und traurig aus, dass Tony seine geplante Antwort ein wenig änderte.

»Dann hätte ich diesen Finsterling zum Duell fordern können, weil er der Dame meines Herzens zu nahe tritt.«

Das Strahlen, das Lucilles Antlitz sonnenaufgangsgleich verschönte, bewies Tony, dass er den richtigen Ton getroffen hatte.

»Ich wollte dir doch nur helfen. Ich dachte, wenn dieser Kerl mal so richtig ins Plaudern kommt, dann sagt er bestimmt auch etwas, das dir weiterhilft, um ihn zu kippen.«

Tony war gerührt. Und er war interessiert. Wenn er die Zeit einrechnete, die eine Meldung brauchte, um in den Medien verbreitet zu werden und in der Öffentlichkeit zu wirken, sodass daraus politische Konsequenzen gezogen werden mussten, dann blieben ihm gerade noch achtundvierzig Stunden. Heute und morgen. Und der heutige Tag war schon zur Hälfte wieder ein Fall für den Historiker. Es gab keinen Fortschritt bei der Suche nach einem Stolperdraht für Heathercroft – also nur eine Hoffnung auf den Deal mit Mr. Moon – aber es gab auch keinen Fortschritt bei der Suche nach dem geheimnisvollen Tele-Hypnotisieur, der ihm Mister Moons Video einbringen könnte.

Abgesehen von diesen mangelnden Erfolgserlebnissen wurde Tony durch seine blauen Flecken gepeinigt, die heftig schmerzten. Der Arzt meinte, das hinge mit dem Abbau der geronnenen Blutreste zusammen und sei eine völlig normale, geradezu gesunde Reaktion. Tony fühlte sich dadurch wenig getröstet, zumal er Probleme mit dem Schlafen hatte und in den letzten Tagen ständig unter dem Gefühl litt, um seine Augen säße ein glühend heißer Draht.

 

Doc Grands, den Tony voller Hoffnung konsultieren wollte, war auch keine Hilfe gewesen. Im Gegenteil, er hatte Tony gebeten, nicht in die Nähe seiner Klinik zu kommen. Irgendetwas stimmte mit dem alten Arzt nicht, da war sich Tony sicher. Er wirkte am Telefon ungewohnt hektisch, beeilte sich, Tony abzuwimmeln, während im Hintergrund aufgeregte fremde Stimmen klangen. Aber Tony sah keine Möglichkeit, den Grund für dieses Verhalten herauszufinden. Nur nicht noch eine Baustelle …

»Heathercroft ist ein Schwätzer, aber er ist nicht dumm«, sagte Lucille. »Er redet dich stundenlang platt, um dir Beispiele seiner Genialität zu präsentieren, aber er kommt nicht aus der Deckung. Er ist sicher, dass er einmal eine ganz große Nummer sein wird und nicht nur in eurer komischen Reiseagentur. Aber Selbstüberschätzung ist kein strafbares Delikt.«

Unwillkürlich kam Tony das Papier in den Sinn, das ihm der alte Direktor gegeben hatte: das Dossier über THOS. Sollten Heathercrofts Zukunftshoffnungen etwas mit den Absichten dieser Gruppe zu tun haben? Das würde dann auch erklären, warum Heathercroft wichtig genug war, um von Mister Moon, dem selbst ernannten Schützer des Hauses Windsor, beobachtet zu werden.

»Er wollte mich für heute Abend noch einmal einladen. Er bemüht sich wirklich, mich auf die Matte zu werfen. Aber ich habe abgesagt. Ich kriege Pickel, wenn ich nur an ihn denke«, erklärte Lucille.

Tony schaute auf die Uhr. Er hatte seine reguläre Mittagspause schon weit überzogen. Mit einer Handbewegung wollte er den Ober um die Rechnung bitten, als ihm eine Idee kam.

»Heathercroft will dich doch nur ins Bett bekommen, weil er glaubt, du wärst meine Freundin«, begann er beiläufig.

»Glaubt?«, kam es beleidigt von Lucille.

»Nun gut, er weiß es.« Könnte es sein, dass Heathercroft damit mehr weiß als ich selbst, fragte sich Tony.

»Du glaubst also«, stellte Lucille zuckersüß fest und schob ein wenig die Schultern zurück, sodass ihre Brüste noch ein wenig voller unter dem Kaschmirpullover hervortraten, als sie es sowieso schon taten, »dass ich für einen Mann nur deshalb interessant bin, weil er glaubt, er könne dich damit demütigen?«

»Mitnichten, schöne Frau. Aber Heathercroft ist nun mal nicht der Typ, der sich wirklich um einen anderen Menschen bemüht. Er will seinen Zipfel parken, das ist alles.«

»Ich liebe es, wenn du so sensibel und feinsinnig über das Wunder von Mann und Frau redest, Tony.«

»Triff dich heute Abend mit Heathercroft!«

»Was? Spielst du jetzt den Zuhälter!!« Das letzte Wort kam so laut, dass sich einige Köpfe in Richtung des Paares wendeten, das in einer Ecke des noblen Restaurants saß.

»Ich bitte dich um einen Gefallen«, sagte Tony sanft.

»Um einen sehr großen Gefallen.«

«Warst du es nicht, die mir eben noch was von Heathercroft und seinem Charme vorgeschwärmt hat und dass dieser Kerl weiß, was er will …«

»Ich wollte dich nur ein wenig eifersüchtig machen«, maulte Lucille. Offensichtlich war sie beleidigt, dass Tony ihr dieses souveräne Recht nun zu einem Fallstrick machte.

 

Damit gab sie Tony allerdings eine Steilvorlage. Oder so etwas wie einen Königsweg, mitten durch das Minenfeld der Damen-Psyche.

»Ich bin fast erstickt an meiner Eifersucht«, bestätigte Tony und schaffte es, seiner Stimme einen derart kehligen Klang zu geben, als würde er von seinen männlichen Hormonen geradezu erwürgt. »Aber wenn Heathercroft so scharf auf dich ist, dass er sich selbst durch eine Abfuhr nicht entmutigen lässt, dann kannst du ihn für eine Weile neutralisieren, verstehst du? Wenn er bei dir seinen Charme versprüht, dann kann er nichts anderes in die Wege leiten. Und das ist vielleicht die einzige Chance, die ich noch habe.«

»Und wie hätten es der Herr gerne?«

»Ruf ihn an und träufele ihm ein wenig Honig ist Ohr, von wegen, dass du Angst vor dir selbst hattest, wenn du ihn wiedersehen würdest und so was. Und dann mach ihn heiß. Ich meine, ich wäre dir dankbar, wenn du gewisse Grenzen nicht überschreiten würdest …«

»Och, tatsächlich?«, tat Lucille erstaunt und machte Kulleraugen. »Und welche Grenzen wären das? Zungenkuss darf ich noch?«

»… ich hatte daran gedacht, dass du darauf verzichtest, ihn anzulächeln. Meine soziale Ader ist nämlich dort zu Ende, wo es persönlich wird.«

Für diese Aussage bekam Tony nun seinerseits ein Lächeln, so strahlend und wunderschön, dass er sofort bereute, Lucille um diesen Gefallen gebeten zu haben. Ob der alte Direktor sich eigentlich klar darüber war, was er von Tony verlangte?

»Ich beneide Heathercroft jetzt schon«, sagte Tony und bemerkte zu seinem eigenen Erstaunen, dass seine Stimme ganz instinktiv dieses leicht wölfische Knurren annahm, das Lucilles Augen glänzen ließ.

»Nun gut, ich werde mich in Schale schmeiße, mich zulabern lassen und diesen Trottel so richtig heiß machen, ohne ihm auch nur die Spitze meines kleinen Fingers zu reichen. Aber ich tue das nur dir zuliebe.«

»Ich weiß das«, bestätigte Tony.

»Und nur, damit wir möglichst schnell zusammen nach Collesalvetti reisen können.«

Während er auf die Rechnung wartete, begann in Tonys Gedanken das Stichwort Collesalvetti zu rumoren.

 

Er räusperte sich verlegen.

»Du warst doch dabei, als ich dem Conte sagte, ich würde noch in London bleiben, um etwas zu erledigen. … … … mmmhh, mich würde mal interessieren, wie er reagiert hat.«

Lucille bekam jenes leichte Grübchen um die Mundwinkel, die Tony anzeigten, dass sie amüsiert war. Er fand diese Grübchen wunderschön, in diesem Moment irritierten sie ihn allerdings eher.

»Nun«, Lucille schnippte einen Krümel von der Tischdecke, »er wirkte eigentlich ganz gefasst. … Er sagte etwas von ragazzo und werden und adulto

Damit stützte sie das Kinn auf eine Hand und schaute mit leicht gespitzten Lippen, als wolle sie ein Liedchen pfeifen, nach draußen.

Tony Tanner knirschte dagegen mit den Zähnen. Die Botschaft war eindeutig. Der Conte hatte gesagt, etwas anders konnte es gar nicht sein: Der Bub wird ein Erwachsener. Tony dachte an den Conte mit seinem neu angenommenen forschen Stil und fragte sich, ob er diesen Mann eigentlich mochte. Bisher war er für ihn eine Autorität gewesen. Oder hatte er sich einfach von der Macht und dem Reichtum und der verfeinerten Kultur blenden lassen, die Collesalvetti ausstrahlte und für die Tony Tanner so empfänglich war wie eine Maus für Käsegeruch? Was wäre, wenn sie sich gegenüberständen als Männer, die einfach sie selbst waren, ohne die Rüstung von sozialer Stellung und ererbtem Reichtum? Würde Tony ihn dann immer noch als einen Führer akzeptieren? Als einen Wegweiser und Boten dieser komischen Bruderschaft der weißen Väter, von der Tony nur durch eben diesen Mann wusste, den er jetzt, aus der Ferne, mit einem Unmut betrachtete, der sich fast zur Abneigung steigerte. Ja, wenn Tony nur auf seine Gefühle horchte, dann vernahm er das Scheppern der Abneigung. Er hatte es nicht nötig, sich mit Leuten abzugeben, die ihn ganz offensichtlich mit Arroganz betrachteten, ihn die ganze Zeit für ein Bübchen gehalten hatten und nicht für voll nahmen, sonst würden sie nicht solche Sätze sagen. Der Ober mit der Rechnung unterbrach Tonys Gedanken. Neben Lucille betrat er die Straße und schaute nach einem Taxi aus.

»Oh Mann!« Lucille schlug sich die Hand vor den Mund. »Mist, Mist, Mist. Ich sollte dir vom Conte ein Paket überreichen. Und ich hab’s vergessen. Tut mir leid. Pass auf, du fährst eben noch mit mir am Hotel vorbei und ich gebe es dir.«

Tony schüttelte den Kopf. Er hatte keine Lust auf Pakete vom Conte. Er hatte im Augenblick Lust, diesem überheblichen Spaghettifresser sperrige Pakete in den … zu schieben.

»Morgen ist auch noch ein Tag«, erklärte er.

»Rufst du mich am Abend an, wenn ich Heathercroft überstanden habe?«

»Natürlich«, versprach Tony. »Allein um sicher zu gehen, dass du nicht doch der fleischlichen Lust in den schwabbeligen Armen von Mister Bombastic Heathercroft frönst.«

 

Das Taxi hielt am Straßenrand. Lucille drückte Tony einen Kuss auf die Wange. »Keine Angst, das wird nicht passieren.« Sie wollte sich schon bücken, um einzusteigen, als ihr Gesicht ernst wurde und sie sich noch einmal Tony zuwandte.

»Obwohl«, sagte sie leise und zögernd und strich Tony sehr vorsichtig eine Haarsträhne aus der Stirn. Dabei schaute sie ihn an, als würde sie ihn erst jetzt erkennen. »Obwohl ich glaube, ich würde dich gerne leiden lassen. Einfach um mir zu beweisen, dass ich es wirklich kann.«

Damit drehte sie sich hastig um und warf sich in den Wagen.

Tony schaute dem Taxi hinterher, wie er schon am Flughafen gestanden hatte und dem Taxi hinterher geschaut hatte.

***

»Warum sind Frauen so kompliziert?«, fragte Tony Janet Baker, als er durch das Vorzimmer in sein Büro ging.

Fräulein Baker bekam noch größere Augen, als sie von Natur aus hatte, und nahm die Kopfhörer ab.

»Keine Ahnung«, sagte sie. »Ich jedenfalls bin nicht kompliziert.«

»Janet, Sie sind ein Sonderfall. Die Eins-zu-eine-Million-Chance.«

»Richtig, ich bin der Hauptgewinn«, quietschte Janet Baker fröhlich und strahlte Tony an.

Ja, sagte sich Tony. Sie war der Hauptgewinn. Sie war jung, schön, klug, unkompliziert und sie interessierte ihn nicht die Bohne. Tony warf sich in seinen Sessel. Das Leben war nicht einfach. Die meisten Menschen blieben im Tal, wenige Menschen kletterten auf die Berge, die meisten der wenigen stürzten zu Tode und einige schafften es zum Gipfel. Und es gab andere, die zwar nicht auf Berge kletterten, sich dafür aber emotional mit Frauen einließen, gegen die die Eigernordwand ein Spazierweg war. Diese Selbstbetrachtung machte Tony nicht unbedingt verlegen. Er hatte sich darauf eingerichtet, ein friedliches Leben im Tal zu verbringen. Aber man hatte ihn in die Steilwand gejagt. Nun, daran hatte er sich fast schon gewöhnt. Aber es würde ihm besser gefallen, wenn er die Garantie hätte, zu denen zu gehören, die oben auf den Gipfel anlangen und nicht zu denen, deren gebleichte Gebeine man am Fuß der Wand einsammelt.

Seufzend überschaute Tony seinen vollen Schreibtisch. Und sah, fast verborgen von Unterlagen, die ihm Janet Baker in seiner Abwesenheit auf die Platte geschaufelt hatte, ein weißes Stückchen Papier blitzen, das er nicht identifizieren konnte.

Es kostete ihn einige Anstrengung, das Papier auszugraben und dann musste er eine Weile überlegen, bis er sich erinnerte, wie es überhaupt an diese Stelle gekommen war. Lucille hatte es ihm im Taxi gegeben – sie behauptete, sie hätte es aus Heathercrofts Tasche gestohlen. Dann hatte Tony es seinerseits in seiner Jacketttasche untergebracht, von dort in eine andere Jackentasche gesteckt, am nächsten Tag auf den Schreibtisch geworfen und vergessen. Nachdem er soweit war, schaute sich Tony das Papier, oder vielmehr die Karte, noch einmal genauer an. Wenn er die Augen schloss und nur mit den Fingerspitzen über die Oberfläche der Karte fuhr, ihr Gewicht abschätzte, die Art des Kantenbeschnitts, die Vertiefung, die die Druckmaschine hinterlassen hatten, dann gab es nur eine Schlussfolgerung: Geld. Richtig viel Geld.

 

Diese Karte war ein kleines Kunstwerk aus bestem Papier und mit einer Technik bedruckt, die ebenfalls den Wert der Rarität hatte. Tony Tanner hatte einen berufsmäßigen Blick für die Qualität von Visitenkarten. Für ihn war ein solches Stückchen Karton nicht einfach weiß. Er konnte ein Dutzend Varianten von Weiß unterscheiden, wenn es nicht noch mehr waren, und er wusste mit instinktiver Sicherheit, welche gewollten oder ungewollten Signale von dieser Währung der persönlichen Eitelkeit und des offenbarten Selbstbildes im Umlauf des gesellschaftlichen Miteinanders ausgingen. Hier, wie bei der Auswahl der Kleidung, der Freunde oder des Verhaltens, kam es darauf an, seinen persönlichen Stil zu finden. Nachdem Tony Tanner dies verstanden hatte, wusste er, dass bei manchen Menschen die Auswahl des richtigen Einstecktuches zum richtigen Anzug zum richtigen Anlass nichts mit Eitelkeit zu tun hatte.

Solche Menschen waren über Eitelkeit erhaben. Sie hatten sich selbst gefunden, hatten sich in jahrelanger Mühsal durch die Schlammgruben ihres Selbst gequält, um sich dann in aller Hässlichkeit und Glorie selbst zu erkennen. Und damit hatten sie auch ihren Stil gefunden und durften sich daher erlauben, die Wahl des Einstecktuches zur Zeremonie zu machen. Heute, wo alles käuflich war – nein, änderte Tony Tanner, wo alles käuflich zu sein schien – gab es auch Stilberater oder Livestyle-Coaches, die jeden Parvenü in drei Wochen Crashkurs zum Dandy der Saison umbauten. Zumindest behaupteten sie das, und die Medien glaubten es auch und auch diejenigen, die dafür horrende Summen locker machten.

 

Tony Tanner hatte für solche Gestalten nur Verachtung übrig. Er wusste, dass er sie irgendwann erwischen würde. Sie machten immer einen Fehler, denn sie waren nicht echt. Zum Beispiel passte bei ihren Visitenkarten die Papierqualität nicht zur Drucktype.

Das, was Tony Tanner in den Händen hielt, bewies Stil. Mehr noch, es war perfekt. Tony stand auf und steckte den Kopf in das Vorzimmer.

»Janet, könnten Sie mir einen Gefallen tun.«

Fräulein Baker unterbrach ihr rhythmisches Hampeln und ihr maschinenartiges Bearbeiten der Tastatur und schaute ihn erwartungsvoll an.

»Janet, ich brauche Informationen über …« Tony las den Namen von der Karte an, »… über Crispin Quent, die Adresse lautet …«

Der empörte Gesichtsausdruck von Janet Baker ließ ihn verstummen.

»Sie kennen Crispin Quent nicht?«, empörte sich die Baker.

»Ganz offensichtlich. Sonst würde ich mich ja nicht Ihrer Verachtung aussetzen.«

Janet Baker brach in mädchenhaftes Kichern aus. »Entschuldigen Sie, Tony, ich kann nur nicht glauben, dass ich so einen Informationsvorsprung vor Ihnen habe. Vor allem, weil er doch irgendwie in Ihr Ressort fällt.«

Jetzt war es an der Zeit, dass sich Tony auf den Sessel im Vorzimmer fallen ließ. Er drehte die Karte in den Händen und schaute sie noch einmal an.

 

Crispin Quent gibt sich die Ehre, zu einer Soiree am … um … in … einzuladen, lautete der kurze Text, den das Papier trug. Kein Wort zu viel. Minimalismus in Reinform, aber mit Druckbuchstaben, die aussahen, als stammten sie aus der Handpresse eines William Morris und einer wunderhübschen Verzierung unter dem Text, die zwei sich umschlingende Drachen im Flug zeigten. Als er aufschaute, begegnete er dem prüfenden Blick Janet Bakers. Tony zuckte die Achseln und hob die Hände.

»Wirklich, ich habe keine Ahnung, wer dieser Crispin Quent ist, ich habe nur dieses Papierchen.«

Janet Baker lehnte sich zurück und legte ein Bein über das andere. Da sie wieder einen ziemlichen kurzen Rock mit hellbraunen, gemusterten Strümpfen und hohen Schuhen kombiniert hatte, musste Tony seinen Blick auf eine Stelle an der gegenüberliegenden Decke annageln, um keine Glupschaugen zu bekommen.

»Dann zeigen Sie mir doch Ihren Scharfsinn, Tony«, forderte Janet Baker ihn auf.

»Janet, ich habe weder Zeit noch Lust, hier irgendwelche Prüfungen abzulegen und …«

»Schschsch«, machte Janet Baker und legte den Zeigefinger auf den Mund. »Keine Prüfung. Machen Sie es einfach – mir zuliebe.«

»Na gut«, Tony seufzte, riss seinen Blick von der Decke und schwenkte ihn blitzschnell über Janet Bakers süßes Gesicht, ihre wohlgewölbte Bluse, die prachtvolle Rundung ihres Oberschenkels, das Knie und den zarten Unterschenkel und das Füßchen, das provokativ auf ihn zeigte, bis er sich endlich auf das weiße Viereck des Papiers rettete. Janet, Janet, dachte Tony Tanner, du weißt genau, dass mein verdammter Puls jetzt hochgegangen ist und ich habe auch bemerkt, dass du keine Anstalten gemacht hast, deinen Rocksaum tiefer zu ziehen. Aber bilde dir nur nichts ein. Du kannst mich ins Schwitzen bringen, aber mehr wird dir nicht gelingen.

Laut aber sagte er: »Crispin Quent ist ein älteres Semester. Mindestens sechzig, schätze ich. Er hat einen perfekten Stil und den bekommt man nicht geschenkt, da stecken Arbeit und Erfahrung drin. Er hat irgendwas mit Kunst zu tun, aber da ich bisher noch nie etwas von ihm gehört habe, nehme ich an, dass er abseits der Hauptströmung existiert. Und zwar, weil er es nicht anders will. Er zeigt sich nicht in der Öffentlichkeit, jedenfalls nicht dort, wo es offiziell ist. Er hat Geld oder zumindest Freunde, die ihm Geld zur Verfügung stellen. Er hat Beziehungen, die er nur sehr vorsichtig nutzt, wenn überhaupt. Er hat einen exquisiten, aber altmodischen Geschmack, darum wird er unsere Zeit verachten und sich mit Dingen und Menschen umgeben, die diese Verachtung teilen. Er gibt regelmäßig Soireen, also hat er einen Zirkel um sich gebildet, dem er seine Erfahrung und seine Weltsicht zur Verfügung stellt.«

 

Tony saß vornübergebeut und schaute auf die Einladungskarte, während er sprach. Mit jeden Wort schien er sich einem Unbekannten zu nähern, schien Stück für Stück eine Kruste abzuschlagen, hinter der die Gestalt des Crispin Quent sichtbar wurde. Janet Baker war vergessen.

»Er liebt Extravaganzen, sofern sie seinen Geschmack nicht verletzen. Er ist …« Tony betrachtete die Vignette mit den beiden Drachen, »… er ist esoterisch angehaucht und …« der Gedanke löste sich irgendwo in Tonys Bewusstsein und wurde formulierbar, als er noch einmal die Verschlingungen der Drachen betrachtete, »… er hat ein Faible für die asiatische Kultur und er ist homosexuell. Und Sie haben mit Compton-Bartaugh über Quent geredet, daher kennen Sie den Namen.«

Janet Baker sah immer noch hübsch aus, aber weniger intelligent als sonst. Schließlich klappte sie den Mund wieder zu und stemmte die Arme in die Seiten.

»Sie wollen mich veräppeln, Tony! Das finde ich gemein!!«

»Ich Sie ver…äppeln? Bitte, Janet, wie kommen Sie darauf?«

 

»Weil Sie Crispin Quent genau kennen. Und dann so tun, als ob Sie meine Hilfe bräuchten. Wenn Sie mich für eine dumme Pute halten, dann sagen Sie es mir einfach, aber bitte nicht auf diese linke Tour.«

Damit drehte sie sich zur Seite und suchte in einer Schublade nach einem Taschentuch. Ihre Unterlippe zitterte, als sie endlich eines gefunden hatte und lautstark hineinschnaubte.

»Janet, ich schwöre Ihnen, ich habe den Namen vorher noch nie gehört.«

Schniefend schaute Janet Baker zur Seite. Ihr Gesicht war plötzlich aufgequollen und sie wirkte, als wäre sie gar nicht in diesem Raum.

»Und woher wissen Sie das alles«, nuschelte sie undeutlich.

Tony schwenkte die Einladungskarte. »Ich habe mir dieses Papier nur etwas genauer angeschaut.«

»Ach, tatsächlich?« Janet Baker war plötzlich wieder da. »Finde ich klasse. Können Sie mir zeigen, wie Sie das machen?«

Tony konnte, ging zu ihr hinüber und legte die Karte auf den Tisch, um ihr die einzelnen Hinweise zu erläutern.

 

Als die Tür aufgerissen wurde, konnte er gerade noch seine Hand über das Papier schieben. Heathercroft war in das Vorzimmer gebrochen wie ein Rammbock und linste nun feixend auf Tony, der direkt neben Janet Baker stand.

»Ich sehe, Maßnahmen zur Verbesserung des Betriebsklimas«, sagte er mit ätzendem Unterton. »Sie sollten sich lieber durch Leistung qualifizieren, Baker.«

»Was macht die Gesundheit?«, fragte Tony Tanner sanft.

Heathercroft zuckte leicht zusammen, ging aber nicht auf die Bemerkung ein. »Übermorgen müssen wir über den To do-Kram reden.«

»Aber immer doch.«

Janet Baker schaute zwischen Tony und Heathercroft hin und her. Die beiden Männer wirkten wie zwei Boxer im Ring – Heathercroft, der sich selbst für den Favoriten hielt und attackierte, und Tony, der geschickt jeden Schlag des anderen auspendelte und sich keine Blöße gab.

Heathercroft schien ein wenig aus dem Konzept gebracht. Inzwischen wusste Tony auch schon, weswegen Heathercroft gekommen war.

»Wollte dir nur sagen, Tanner, dass ich heute Abend französische Tiefkühlkost in die Mikrowelle stecke, heiße Froschschenkelchen«, verkündete er mit schmierigem Grinsen.

»Ja, ja, … mikro …«, antwortete Tony versonnen, ohne eine Miene zu verziehen.

Janet Baker steckte der zuknallenden Tür die Zunge heraus.

»So ein Blödmann«, schimpfte sie. »Sonst kommt er immer und schleimt herum und könnten wir nicht heute Abend mal und haben Sie am Wochenende schon was vor, blabla. Und nun kommt er mit Fallen Sie besser durch Leistung auf, Baker.« Ihre Quietschestimme wurde durch ihre gerechte Empörung noch heller und hatte jetzt etwas hilflos kindliches. Sie schaute Tony hilfesuchend an.

»Keine Sorge. Das zeigt nur, dass Sie im Moment nicht auf der Liste seiner Favoritinnen stehen. Er hat anderes Jagdwild entdeckt.«

»Ach so«, murmelte Janet und ihrem prüfenden Blick entnahm Tony, dass sie die Zusammenhänge ahnte. Sie wandten sich wieder der Einladung zu, er fuhr mit seinen Erklärungen fort und sie schrieb in ihrem Notizbuch mit.

»Warum geben Sie sich diese Mühe, Janet?«

»Ich find’s einfach irre interessant.«

Schließlich rückte Janet mit ihrem Wissen heraus, und es war tatsächlich nicht mehr als das, was Tony aus der Karte gelesen hatte. Es war in der Tat Compton-Bartaugh gewesen, der mit ihr über Crispin Quent gesprochen hatte. Tony erfuhr nur in einer Hinsicht eine Bestätigung, die ihn elektrisierte. Quent war nicht nur Innenarchitekt, Berater in Stilfragen und Experte für Theaterkostüme. Er hatte tatsächlich einen Ruf als Esoteriker. Compton-Bartaugh hatte Janet dies mit einem ironischen Lächeln mitgeteilt, musste aber zugestehen, dass seine Skepsis nicht von allen geteilt wurde.

***

Tony machte sich ausgehfein. Die Einlasskarte lag auf seinem Nachttisch neben dem Handy von Mr. Moon. Es war aber als Handy nur an der Form zu erkennen. Tony Tanner hatte eine 300-Gramm-Tafel Schokolade in eine Tupper-Schale umgetopft, nachdem er das Silberpapier entfernt hatte. In dieses hatte er das Handy verpackt, um es abzuschirmen und es Mr. Moon unmöglich zu machen, ihn bei seinen Selbstgesprächen zu belauschen. Und so gab sich Tony seinem Monolog hin, während er sich ankleidete.

Was, bitte schön, hatte ein Kerl wie Heathercroft mit einer Person wie Crispin Quent zu tun? Welche Verbindung gab es zwischen diesen beiden, die Heathercroft in den Besitz dieser raren und wertvollen Einladung brachte?

Es gab nur eine Möglichkeit, das herauszufinden. Tony würde selbst zu der Soiree gehen.

Und das war der Grund, warum Tony Tanner an diesem Abend aus dem Taxi stieg und vor einer beige lackierten Tür stand. Die Adresse stimmte, allerdings gab es weder Namensschild noch Klingelknopf. Nur ein großes goldenes Medusenhaupt, das einen Ring im Mund trug, gab ihm die Möglichkeit, auf seine Anwesenheit aufmerksam zu machen. Kaum waren die Schläge verhallt, wurde die Tür geöffnet und Tony stand einem schlanken, hoch gewachsenen Jüngling gegenüber. Der Anblick war etwas verwirrend, war doch die Kleidung des jungen Mannes vor etwa zweihundert Jahren modern gewesen. Er trug sie dennoch mit einer Selbstverständlichkeit und Würde, die zeigte, dass dies kein Mummenschanz war, sondern die Stoffumhüllung, die er für sich als angemessen empfand.

Der junge Mann hatte kurzes Haar, das ihm in die Stirn fiel. Vom Typ her konnte er Spanier, Portugiese oder Marokkaner sein. Starke schwarze, fast zusammengewachsene Brauen und ein breiter Mund gaben dem Gesicht einen horizontalen Akzent. Die Augen waren eher klein und von einem freundlichen Hellbraun. Eine bei weitem zu große Nase und ein angedeuteter Kinnbart sorgten für die vertikalen Akzente.

Tony hielt die Einladungskarte wie einen Schutzschild vor sich. Der Jüngling warf einen kurzen Blick darauf und fragte dann nach dem Namen.

Natürlich hatte Tony damit gerechnet. Wenn es nun eine Liste der Eingeladenen gab, dann war sein Besuch hier zu Ende und es gab nur die Möglichkeit, sich einigermaßen stilvoll zu verziehen. Aber der Jüngling trat zur Seite und bat Tony mit einer Handbewegung einzutreten. Dann gingen sie zusammen durch einen Flur in Richtung auf eine Doppeltür, hinter der ein lautes Stimmengewirr hörbar wurde.

 

Die Bewegungen des jungen Mannes waren geschmeidig und von einer sparsamen Eleganz, die auf perfekte Körperbeherrschung schließen ließ. Tonys Vermutung ging in Richtung Ballett oder Fechtunterricht. Rugby hatte dieser Jüngling jedenfalls nie spielen müssen. Sein ganzes Wesen schien von einer Art schüchterner Sanftheit bestimmt. Er wirkte wie eine Mischung aus dienstbeflissenem Hotelpagen und hingebungsvollem Klosternovizen.

Er öffnete die Tür und als Tony zögerte, legte er seine schlanke Hand auf Tonys Schulter und schob ihn sanft in den Raum.

»Liebe Freunde«, sagte er sodann mit seiner weichen Stimme, die das akustische Pendant seiner Augen war. »Ich habe die Ehre und das Vergnügen, Herrn Tony Tanner in unseren Kreis einzuführen.«

Fortsetzung folgt …