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Aus dem Wigwam – Kosmogonie der Seneca

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Noch vierzig Sagen
Mitgeteilt vom Navajohäuptling El Zol

Kosmogonie der Seneca

m Himmel lebte mit seiner Frau ein Wesen von menschlicher Gestalt. Beide wohnten unter einem weitästigen Baum und hatten alles, was sie brauchten; aber sie waren doch nicht zufrieden, denn sie wollten nicht gern immer an einem und demselben Platz bleiben. Sie beschlossen daher, fortzuwandern und den Baum, der ihr Haus bildete, mitzunehmen.

Mit großer Mühe gruben sie ihn mit allen Wurzeln aus und bereiteten sich vor, zur Erde hinabzusteigen.

Die Erde war damals ganz mit Wasser bedeckt. Im Wasser lebten unzählige Fische und über dasselbe flogen große Seevögel. Als Letztere erfuhren, dass das himmlische Paar zur Erde kommen wollte, sagten sie zuein­ander: »Hier ist kein Land, auf das sie ihren Baum stellen können, und im Wasser können sie nicht leben. Lasst uns daher eine Iinel für sie bauen, damit sie nicht ertrinken.« Darauf tauchten sie unter, um Erde heraufzuholen, doch das Wasser war viel zu tief für sie. Sie konnten keinen Grund finden.

Sie teilten daher ihr Leidwesen dem Hummer mit, den sie in der Tiefe antrafen, und baten ihn um seinen Beistand. Dieser war mit der großen Schildkröte sehr befreundet, die in der tiefsten Tiefe des Ozeans wohnte und auf die Bitte ihres Freundes gleich bereit war, ihren Rücken mit Erde zu be­laden und daraus eine Insel zu bilden.

Als nun der Mann vom Himmel heruntersteigen wollte, wurde er plötzlich krank und starb. Die Frau kam also allein herab, pflanzte ihren Baum und lebte von Fischen und Wasservögeln.

Bald danach gebar sie eine Tochter, und diese wurde späterhin Mutter von zwei Söhnen. Der Älteste derselben war gerecht, wohltätig, mächtig und gut. Er war der gute Geist. Der Jüngste war grausam, mürrisch und streitsüchtig. Er war der böse Geist. Ihn liebte die Großmutter am meisten.

Die Mutter dieser Brüder starb, und die Großmutter und ihre Enkel gruben ihr ein Grab in die Nähe ihres Baumes. Sie bedeckten das Grab mit Erde. Als das Frühjahr kam, sahen sie eine große, schöne Pflanze daraus hervorwachsen. Dieselbe blühte und entfaltete in ihren grünen Blättern den nahrhaften Mais.

Der gute Geist schuf darauf Männer und Frauen, belebte Feld und Wald mit Tieren und ließ allerlei Pflanzen, welche Tieren und Menschen zur Nahrung dienten, aus der Erbe wachsen.

Dies ärgerte den bösen Geist sehr. Er schuf daher eine mächtige, giftige Schlange, die alle guten Dinge seines Bruders zerstören sollte.

Als jener dies merkte, machte er den Donner, welcher die giftige Schlange tötete.

Der böse Geist sann nun auf Rache, aber sein Bruder, der allwissend war, grub ein tiefes Loch in die Erde, warf ihn hinein und gab ihm nur Steine zu essen. Dort liegt er noch; es ist gut, dass er nicht heraus kann, denn er würde sonst alles Gute auf der Welt zerstören.

Die Menschen vermehrten sich auf der Insel; auch die Insel nahm täglich an Größe zu und bildete zuletzt das große, schöne Lund, das dem roten Mann zur Heimat bestimmt war.

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