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Oberhessisches Sagenbuch Teil 68

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Gehobener Teufelsbann

Es war einmal ein Ehepaar, das hätte gar zu gerne Kinder gehabt, doch bekamen sie keine.

Da sagte endlich in böser Stunde der Mann: »Frau, wenn du denn von mir kein Kind bekommst, so sollst du eins vom Teufel bekommen.«

Als nun die Frau guter Hoffnung ward und wirklich ein Kind gebar, ein Mädchen, war es kohlschwarz von der Fußsohle bis zum Scheitel und konnte kein Wort schwatzen. Man mochte sich mit ihm Mühe geben, so viel man wollte.

Das dauerte bis zum zwölften Jahr.

Da auf einmal sagte das bis dahin stumme Mädchen: »Jetzt sterbe ich, aber ich bitte Euch um alles, was Euch lieb ist, stellt eine Wache um meinen Sarg.«

Es geschah auch so, wie es gesagt hatte. Um sicher zu sein, trug man den Sarg mit dem toten Mägdlein in die Kirche, setzte ihn vor den Altar, und jede Nacht musste ein Mann dabei wachen.

Jedes Mal aber, nachts zwischen elf und zwölf, wurde von unsichtbarer Hand dem Wächter das Genick gebrochen. Darauf übergab man einem beherzten Soldaten das gefährliche Amt, da sonst kein Mensch dazu zu finden war.

In der Nacht, wo er wachte, trat unvermerkt ein kleines Graumännchen und sprach zu ihm: »Stelle dich nachts zwischen elf und zwölf auf die linke Seite des Sarges.«

Das tat der Soldat. Als die Glocke schlug, sah er den Sargdeckel auffliegen. Das tote Mädchen kam in gruseliger Gestalt lebendig heraus, suchte nach ihm die ganze Stunde hindurch. Weil es ihn aber nicht finden konnte, musste es, nachdem seine Zeit um war, sich wieder still an seinen Ort legen.

Am anderen Abend hieß das Graumännchen den Soldaten, sich auf den Altar setzen. Wieder schnaubte unter entsetzlichen Drohungen das Mädchen um ihn herum, allem er fürchtete sie nicht, und nach dem Schlag zwölf war alle Not zu Ende.

Als nun der dritte Abend kam, musste er sich auf Geheiß des Graumännchens auf die rechte Seite stellen und sich, als das Mädchen herausgegangen war, still selbst an den Platz im Sarg legen. Er tat es. Nun kniete das Mädchen nebenan und gab ihm die himmelsbesten Worte, er solle wieder herausgehen. Aber er wartete die Zeit ab, dann erst stieg er heraus.

Gleich lag das Mädchen wieder im Sarg, aber siehe da, es war schneeweiß geworden am ganzen Leib, schlug gar holdselig seine Augen auf und sagte: »Das lohne dir Gott, du guter Mann, nun bin ich vom Teufelsbann erlöst und zu meiner Ruhe gekommen.« Nicht lange danach fielen ihm die Augen wieder zu, und es war und blieb eine Leiche.

 

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