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Aus dem Wigwam – Der Feuergeist

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Vierzig Sagen
Mitgeteilt von Chingorikhoor

Der Feuergeist

ls einst die Nansemond mit den Erie Krieg führten, sahen sie sich unverhofft in einem Engpass gefangen. Auf beiden Seiten waren unübersteigbare Berge. Vor ihnen lag ein See und hinter ihnen befanden sich die blutdürstigen Feinde. Da die Nansemond sonst allgemein als schlaue und verschmitzte Krieger bekannt waren, so wird es wohl manchem unerklärbar er­scheinen, dass sie sich in diese Falle locken ließen; aber sie waren einigermaßen dadurch zu entschuldigen, dass es ein mächtiger Manitu, nämlich der Geist des Feuers, gewesen war, der ihnen diesen Streich gespielt hatte.

Kurz nach Anbruch der Nacht hatten sie einen großen Feuerball vor sich gesehen. Da sie ihn für den Wegweiser eines freundlich gesinnten Geistes hielten, so waren sie ihm in gutem Glauben gefolgt. Da sie alle tapfere Krieger waren, so beschlossen sie ihr Leben so teuer wie möglich zu verkaufen. Als sie eben die Vorbereitungen zum verzweifelten Todeskampf trafen, sahen sie plötzlich einen fetten, über alle Beschreibung hässlichen Mann, dessen Gesicht breiter als lang war, in der Mitte ihrer Versammlung stehen. Sein ganzer Körper war feuerfarben und seine Augen sprühten Funken nach allen Seiten.

»Wer bist du?«, fragte ihn der Häuptling.

»Ich bin der Geist des Feuers!«, erwiderte er.

»Wo wohnst du?«

»Überall, wo Menschen sind.«

»Warum hast du uns unseren Feinden überliefert?«

»Damit ich mich rächen kann. Weiß der Häuptling der Nansemond denn nicht mehr, dass er, als ich die Prärie angezündet hatte, seinen Leuten befahl, dem Feuer Einhalt zu tun?«

»Wenn wir auch damals gegen dich gesündigt haben, sind wir sonst nicht immer deine aufrichtigen Verehrer gewesen? Wenn deine Funken wütend durch die Luft schossen, haben wir uns stets andachtsvoll niedergeworfen und deine Allmacht anerkannt. Und doch belohnst du uns jetzt dafür mit dem schrecklichsten Tod!«

»Woher wisst ihr denn, dass ich euch hierher geführt habe?«, fragte höhnisch der Geist.

»Wie breit ist das Tal?«

»Einen Bogenschuss! Und hat es keinen anderen Ausweg als gerade durch das Lager der Erie?«

»O ja; aber was nützt er uns? Hast du vielleicht die nötigen Kanus?«

»Was wollen mir die Nansemond geben, wenn ich sie aus dieser Ge­fahr errette?«

»Wir werden dir jedes Jahr zu Ehren die Prärie anzünden!«

»Angenommen!«

Danach machte er einen Ball aus Schlamm, blies ihn an, sodass er feurig wurde, und stieß ihn mit seinem rechten Fuß in die Luft und sprach: »Tschepiasquit, bringe die guten Nansemond in Sicherheit!«

Die Nansemond folgten ihm zum See, woselbst sie eine kleine Bucht sahen, die voller Kanus war. Sie setzten sich hinein und fuhren ab. Am nächsten Morgen sahen sie sich am jenseitigen Ufer, von wo sie ein bekannter Pfad in ihre Heimat führte.

Ihr Versprechen vergaßen sie nicht und legten jedes Jahr im Kornmonat, wenn die Prärie dürr und trocken war, eine brennende Kohle in das Gras. Wenn es dann anfing, hell aufzulodern, so brachten sie dem Feuergeist ihre aufrichtig gemeinten Danksagungen dar.

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