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Paraforce Band 38

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Dreizehn Jahre im Wilden Westen – Kapitel XXV

Dreizehn Jahre im Wilden Westen
Oder: Abenteuer des Häuptlings Sombrero
Nürnberg, 1877

XXV. Übersiedlung nach Jacksboro. Massaker durch Kiowa. Unterhandlung des Generals Sherman mit den mörderischen Kiowa. Gefangennahme und Transport dreier Häuptlinge nach Texas.

Von Fort Concho nach Jacksboro waren wir sechzehn Tage auf dem Weg. Ein Teil der Kompanie blieb in Fort Concho zurück, um General Sherman, der dort erwartet wurde, nach Jacksboro zu eskortieren. Dieselben kamen erst vierzehn Tage später an. Fünfzehn Meilen von Jacksboro, auf der Straße nach Fort Concho, liegt der Salt Creek, ein Flüsschen, von Wald umgeben, welches von jeher der Schauplatz blutiger Gefechte und Mordtaten der Indianer gewesen war. Unsere Leute mit General Sherman passierten den Salt Creek in den Nachmittagsstunden. Zwei Stunden später kam ein Wagenzug daher, mit türkischem Weizen (Pferdefutter) für Fort Richardson geladen. Kaum waren sie auf die offene Waldwiese gelangt, als neunzig Kiowa sie überfielen. Ehe sie Zeit hatten, ihre Wagen in ein Viereck zu fahren, hatte ein furchtbarer Kampf begonnen, die Kiowa an Zahl zehn gegen einen Weißen, die Fuhrleute einen gewissen Tod vor Augen mit der Kraft der Verzweiflung kämpfend. Doch bald war es entschieden. Die Weißen sanken einer nach dem anderen von Kugeln und Pfeilen durchbohrt nieder. Der Letzte von ihnen, obwohl leicht verwundet, packte in einem günstigen Augenblick einen verwundeten Kameraden auf und erreichte mit ihm nach einer verzweifelten Anstrengung das Dickicht des Waldes, wo er bei der eingetretenen Dunkelheit seinen Verfolgern entging. Um Mitternacht kamen sie nach Jacksboro, wo alles für sie getan wurde, was möglich war. Vor Tagesanbruch waren wir bereits auf dem Weg nach Salt Creek, wo sich bei unserer Ankunft ein schauerlicher Anblick bot, den man nicht leicht vergessen wird. Erst fanden wir einen Leichnam ungefähr vierhundert Schritte von den Wagen und als wir näher kamen, da lagen neun andere an verschiedenen Plätzen umher. Alle waren skalpiert und furchtbar verstümmelt, jedem war das Herz herausgeschnitten, der Bauch aufgeschlitzt und mit türkischem Korn vollgestopft, sämtliche ihrer Kleidung beraubt. Bei den Wagen fanden wir den alten Wagenmeister an ein Rad gebunden, vor ihm die Überreste eines Feuers, das ihm das Fleisch bis auf die Knochen röstete, welche auch geschwärzt und teilweise verbrannt waren. Dass er dieser Marter lebendig unterworfen war, zeigten die furchtbar verzerrten Gesichtszüge des alten Mannes. Die zwölf Wagen standen in großer Verwirrung umher, die Kornsäcke waren alle fort, das Korn ausgeleert auf der Prärie herumliegend.

Während wir ein Grab für die Unglücklichen machten, denen später ein kleines Denkmal errichtet wurde, trafen zwei Kompanien Kavallerie von Fort Griffin nebst zwanzig Tonkowa von demselben Platz, welche wohlbewaffnet und beritten als Scouts benutzt werden, ein. Wir folgten der Spur über den Little Wichita River zum Big Wichita, wo feindliche Indianer nachts das Pferdestehlen probierten, auch wirklich zwei davonbrachten. Vom Big Wichita gingen wir über zum Pease River, wo die Indianer uns während der Nacht angriffen. Sie wurden aber, ehe sie ihre Vorbereitungen getroffen hatten, von den Tonkowa entdeckt und von uns nach kurzem Gefecht zurückgejagt. Doch wäre es ihnen bald gelungen, eine Stampede unter unseren Pferden anzurichten, welche sämtlich zu laufen anfingen. Da sie aber gut gekoppelt waren, kamen sie nur eine Meile weit, bis wir sie wieder einfingen.

Vom Pease River gingen wir über verschiedene Nebenarme des Red River durch Indianerterritorium, wo wir ein großes Comanchen-Lager fanden. Da sie aber in ihrer Reservation waren, durften wir sie nicht belästigen und kamen seiner Zeit nach Fort Syll, der Agentur der Kiowa-Comanche-Lapan und anderer Indianer.

General Sherman war direkt, nachdem er die Szene des Massakers gesehen hatte, nach Fort Syll gefahren, wo die mörderischen Kiowa schon lange zurück waren und sich öffentlich ihres Erfolges prahlten, denn sie hatten außer den Skalpen nahe an hundert Maultiere vom Wagenzug erbeutet. Als der General davon hörte, ließ er sämtliche Häuptlinge zu einer Unterredung einladen und am festgesetzten Tag war der Unterredungssaal stark besetzt. Die Neger-Kavallerie saß in den Ställen zu Pferd bei geschlossenen Türen, die Infanterie war teils im Saal, teils außen versteckt, um im Notfall bereit zu sein, denn es waren über siebenhundert Kiowa-Krieger im und außerhalb des Forts.

Die Unterhandlung begann und die Häuptlinge zeigten sich sehr trotzig. Als General Sherman den Headchief (großen Häuptling) fragte, ob er von der Geschichte am Salt Creek etwas wisse, antwortete Setang, dass er seine jungen Leute selbst angeführt hätte, dass sie für junge Krieger gut gefochten haben und dass sie es das nächste Mal viel besser tun würden. Satanta und Big Tree, zwei andere hochstehende Häuptlinge, sprachen ebenfalls ihre Zufriedenheit darüber aus und erzählten den Hergang des Kampfes, beifügend, dass sie viele Krieger dabei verloren hätten, aber hofften, sich bald an den Texanern zu rächen. Als ihnen nun General Sherman in starker Sprache die Scheußlichkeit der Sache vorhielt, legte Setang seinen Karabiner auf den General an, um ihn zu erschießen. Ein nahe stehender Offizier schlug das Gewehr auf die Seite, was General Shermans Leben rettete. Dies war das Signal zum allgemeinen Aufruhr. Die Negersoldaten stürzten sich auf die Häuptlinge, welche nach kurzem Ringen, das nicht ganz unblutig ausging, überwältigt, entwaffnet und mit Ketten an Händen und Füßen versehen wurden. Draußen ging es ebenfalls lustig her. Die meisten Indianer rochen den Braten und machten sich beim ersten Alarm aus dem Staub. Zwei Häuptlinge, Lone Wolf und Little Wolf, der Erste wurde gefangen, der Zweite erschossen. Ein anderer Häuptling, der gerade im Sutler-Laden war, als die Geschichte losging, sprang durch das geschlossene Fenster in den Hof, setzte über eine acht Fuß hohe Barrikade und entkam leicht verwundet. In einer halben Stunde war alles wieder ruhig. Die Kiowa hatten schnell ihr Lager abgebrochen und waren fort. Lone Wolf, der versprach die gestohlenen Maultiere zurückzubringen, wurde dummerweise auf sein Wort freigelassen. Er führte sogleich den ganzen Stamm in die Antelope Hills ganz weit oben am Canadian River und kam natürlich nie mehr zurück.

Bei unserer Ankunft in Fort Syll fanden wir alles wieder ruhig und die drei Häuptlinge in sicherem Gewahrsam. Wir bekamen Befehl, sie nach Texas zu bringen, wo sie von den Zivilbehörden gerichtet werden sollten. Nach einigen Tagen Rast machten wir uns bereit, nach Texas zurückzukehren.

Auf einer Seite des Forts standen die Behausungen der verheirateten Neger. Nun hatte N. während unserer Anwesenheit in Fort Syll sich in eine Afrikanerin von kohlschwarzer Farbe verliebt und ging am Abend vor unserer Abreise zu ihrem Haus, um sich zu verabschieden. Die Neger hatten hinter dem Haus einen großen schwarzen Bären, von dessen Existenz N. keine Ahnung hatte. Als er nun in dunkler Mitternacht zu der Wohnung seiner Dulcinea schlich, sah er den Bären in der Dunkelheit aufrecht vor sich stehen. Ihn für die Geliebte haltend, sprang er hin und fiel der vermeintlichen Afrikanerin um den Hals. Diese aber drückte ihn mit solcher Gewalt an ihr liebendes Herz, dass N. genötigt war, um Hilfe zu rufen. Der vereinigten Anstrengung einiger Neger gelang es, ihn aus diesen kräftigen Armen zu befreien, nicht aber ohne einige Wunden und zerfetzte Kleidungsstücke.

Wir ritten zum Gefängnis, wo sich bereits viele Indianer von verschiedenen Stämmen befanden, die von allen Richtungen hergekommen waren, um die Abreise der drei großen Häuptlinge zu sehen. Der erste Wagen fuhr vor und Setang wurde herausgebracht, ein sehr großer und breitschultriger Mann, etwa sechzig Jahre alt, der dem Ansehen nach eine gewaltige Körperkraft besitzen musste. Seine Hautfarbe war sehr dunkel, beinahe schwarz und seine Gesichtszüge finster und etwas abstoßend, kurz das Bild eines der tapfersten und grausamsten Häuptlinge, als welcher er auch allgemein bekannt war. Er war sein ganzes Leben feindselig gegen Weiße, hatte schon öfters die Truppen im offenen Gefecht geschlagen und sich seit vierzig Jahren eine blutige Reputation erworben. An Händen und Füßen war er gefesselt, seine Kleidung bestand aus einer Decke, in die er sich hüllte. Als er seinen Platz im Wagen eingenommen hatte, wo noch ein Unteroffizier und zwei Mann mit ihm saßen, hielt er eine Rede in der Kiowa-Sprache an die versammelten Indianer, denen er sagte, dass die Büffelkrieger (so nennen sie die Texaner) ihn nie nach Texas bringen würden, dass er eher den Tod eines Kriegers sterben würde.

Der zweite Wagen fuhr vor und Satanta kam heraus. Er ist ebenfalls ein großer breitschultriger Mann mit verständigem Gesicht, sehr stark und von dunkler Hautfarbe. Seine Fähigkeit als Führer und seine Tapferkeit sind wohl bekannt. Er wurde untergebracht wie Setang und der dritte Wagen fuhr an, um Big Tree aufzunehmen. Dieser ist ein schöner schlank und groß gewachsener junger Mann von ungefähr zweiundzwanzig Jahren mit einem hübschen Gesicht von freundlichem Ausdruck. Seine Farbe ist sehr hell, beinahe weiß und niemand würde ihn für den großen Krieger, der er wirklich ist, halten. Als auch er untergebracht war, setzte sich der Zug in Bewegung. Eine starke Wache ritt mit den Wagen.

Wir waren kaum fünf Meilen von Fort Syll, als der alte Häuptling Setang zu singen anfing, wobei er hie und da auf schlecht Englisch seine Wachen mit schmeichelhaften Namen nannte, wie zum Beispiel großer Dreck, Haufen Esel usw. und von Zeit zu Zeit sein Kriegsgeschrei ausstieß. Auf einmal warf er seine Decke ab. Er hatte die Fesseln losgebracht und seine Hände waren frei. In der rechten hielt er ein großes Messer, das ihm wahrscheinlich ein Indianer im Fort Syll beim Abschied zugesteckt hatte.

Mit der linken Hand ergriff er das Gewehr des neben ihm sitzenden Soldaten, mit der rechten führte er, das Messer hoch aufhebend, einen Streich nach ihm, dem es plötzlich einfiel, dass er auswärts Geschäfte habe. Er polterte über Hals und Kopf vom Wagen hinaus, erhielt aber dabei einen Messerstich durch das Bein. Setang, nun im Besitz des Karabiners, wandte sich nach dem anderen, der ihm mit einer Pistolenkugel den Arm zerbrach und sich ebenfalls, da er sich in der Gesellschaft des Häuptlings Setang nicht recht heimisch fühlte, aus dem Wagen machte. Nun war eine Aufregung um den Wagen. Von links und rechts wurde auf den alten Häuptling geschossen, der trotz seiner vielen Wunden den Karabiner zu gebrauchen suchte, dabei sein Todeslied mit einer Mischung von Schimpfreden in schlechtem Englisch sang. Bei jedem Schuss, der ihn traf, fiel er zurück, erhob sich aber gleich wieder und bearbeitete von Neuem seinen Karabiner, dessen Maschine er nicht verstand und daher nicht in Ordnung bringen konnte, bis ihm endlich mein Freund Hugo Kratz (Sergeant) eine Pistolenkugel zwischen die Augen sandte, welche ihn tot niederstreckte. Ein Lieutenant, der während der Geschichte hinter dem Wagen geritten war und eine Kugel nach Setang gefeuert hatte, traf den Fuhrmann, der auf seinem Satteltier saß, in den Kopf. Diesen hielten wir nun für tot und zogen ihn unter dem Wagen hervor. Es stellte sich aber heraus, dass sein Kopf so hart war und die Kugel abprallte, ohne ihn gefährlich zu verwunden. Die Tonkowa, welche voraus waren, hatten das Schießen gehört und kamen nun angesprengt, um ihren Todfeind Setang zu skalpieren. Dies erlaubte der Oberst nicht, sondern ließ ihn begraben; doch während der Nacht ritten die Tonkowa wieder zurück, gruben ihn aus und nahmen seinen Skalp.

Die Tonkowa waren vor einigen Jahren ein zahlreicher Stamm, von Indianern wegen ihrer Tapferkeit gefürchtet. Ihr Gebiet lag am nördlichen Rio Grande. Da sie aber immer freundlich gegen die Weißen gesinnt waren, wurden sie von den feindseligen Indianern umso mehr gehasst. Im Jahr 1865 gingen drei große Stämme, die Kiowa, Comanchen und Arrapaho zusammen und überfielen während der Nacht das Lager der Tonkowa. Von fünf- bis sechstausend entkamen etwa fünfhundert dem Gemetzel und flüchteten nach San Antonio, von den Kiowa beinahe bis in die Stadt verfolgt. Setang war der Hauptführer in diesem Trauerspiel. Seitdem begleiteten die Tonkowa unsere Truppen, machen sich als Führer usw. nützlich und haben den feindlichen Indianern schon vielen Schaden getan und tuen es noch.

Am Red River angekommen, konnte man die Wagen nicht mehr weiterbringen. Sie wurden daher nach Fort Syll zurückgeschickt und die Gefangenen auf Maultieren transportiert. Nachdem sie aufgesessen waren, wurden ihnen die Füße unter dem Bauch ihres Maultieres gefesselt, die Hände vorn am Sattel befestigt und ein Mann führte das Pferd, während die Übrigen als Wache sie umgaben, sodass wenig Aussicht, sie zu verlieren, vorhanden war. Nachts, wenn es Zeit zum Schlafengehen war, mussten sie sich auf den Rücken legen und ihre Hände und Füße wurden an Pfählen, die man in die Erde geschlagen hatte, befestigt. Dazu wurden noch zwei Mann als Wache beigegeben mit dem Befehl, sie bei der geringsten verdächtigen Bewegung zu erschießen, denn man setzte voraus, dass die Kiowa Versuche machen würden, ihre Häuptlinge zu befreien. Eines Nachmittags, als wir schon Halt gemacht hatten, wurde Satanta plötzlich krank, bekam Magenkrämpfe usw.

Er legte sich der Länge nach auf den Rücken, worauf Big Tree ihm mit Füßen und Knien auf den Leib sprang und ihn so furchtbar bearbeitete, dass man befürchtete, er würde ihn umbringen. Bald stellten sich Blähungen ein, Satanta stand auf und erklärte sich heap bueno (Haufen gut). Big Tree, der einige Pfund Fleisch gegessen hatte, erklärte, dass zu viel Rauch darin gewesen sei, er müsse es waschen. Darauf wärmte er sich einen großen Becher Wasser und trank dieses. Nach einigen Minuten arbeitete er es wieder herauf, spuckte es aus und sagte: »Jetzt Fleisch haufen rein.« Und war befriedigt.

Bald kamen wir in Jacksboro an und die ganze Umgegend kam geritten, um die gefürchteten Häuptlinge zu sehen. Sie wurden in kleine Zellen eingeschlossen. Jeden Tag aber durften sie einige Stunden vor dem Wachhause in der Sonne sitzen, natürlich streng bewacht. Sobald das Gericht in Jacksboro zusammenkam, wurden sie hinübergebracht und die Behandlung begann. Es wurde ihnen eine furchtbare Liste Verbrechen zur Last gelegt, doch noch lange nicht die Hälfte von dem, was sie wirklich begangen hatten. Die Behandlung dauerte vier Tage. Sie hatten einen Dolmetscher, und Satanta hielt eine Rede, die über eine Stunde lang dauerte. Die Jury fand sie für schuldig. Das Urteil war: Tod durch den Strang. Es wurde aber später durch den Einfluss der Quäker und Indian-Agenten zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe herabgesetzt. Sie wurden zum Staatsgefängnis in Huntsville, Texas, gebracht, wo man sie nach einigen Jahren frei ließ. Gleich danach erklärten sie den Krieg gegen alle Weiße und hausten noch furchtbarer als je zuvor.

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