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Deutsche Märchen und Sagen 66

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

69. Die Lappländer zu Langdorf

Zu Langdorf gab es ehedem eine große Menge von Kabautermännchen oder Lappländern, ganz kleine Kerlchen, die viel Böses und wenig Gutes stifteten. Sie kamen häufig bei meiner Mutter Großvater, Berg, um sich Küchengeräte von ihm zu leihen. Gab man es ihnen nicht, dann wollte es mit der Arbeit auf dem Hof den ganzen Tag nicht recht fort und allerlei Unangenehmes stellte sich den Dienstleuten in den Weg. Gab man es ihnen aber, dann ging alles nach Wunsch und Willen. Zumeist erfragten sie sich Löffel, Gabeln und Töpfe. Gab man ihnen dieselben sauber, dann bekam man sie schmutzig zurück. Empfingen sie dieselben aber schmutzig, dann gaben sie diese rein zurück.

Als man ihnen eines Morgens einen eisernen Kessel lieh, um Bohnen darin zu kochen – denn zu der Zeit kannte man noch keine Kartoffeln –, gingen sie damit in die Scheune, steckten einen Stock in das Stroh, machten ein großes Feuer und hingen den Kessel an den Stock darüber. Als Berg das sah, lief er erschrocken hinzu und rief: »Was macht ihr da, ihr steckt meine Scheune in Brand und meinen ganzen Meierhof mit. Ist das der Dank für meine Güte?«

Die Kabautermännchen lachten aber und sprachen: »Seid nicht besorgt darum, es wird nichts verbrennen. Statt euch irgendwie Schaden zu tun, wollen wir für euch arbeiten.«

Es war damals just in der Erntezeit. Die Knechte zogen aus ins Feld, um das Korn zu mähen, doch als sie kamen, war die Arbeit schon getan. Das Korn war so schön gemäht, wie man es nur wünschen konnte. Gegen Mittag kamen die Männchen wieder an die Tür und erfragten sich abermals den eisernen Kessel.

»Den will ich euch geben«, sprach Berg, »aber werdet ihr auch für mich arbeiten?«

»Weil ihr uns das abfragt, nein, heute nicht mehr«, sprachen die Männchen, »wohl aber morgen, wenn ihr uns außer dem Kessel noch Gabel und Löffel leiht.«

Berg versprach ihnen dieselben und als man am folgenden Tag das Korn in Garben binden wollte, war das auch schon getan. Man brauchte die Garben nur in die Scheune zu fahren.

Ein anderes Mal sollten Bäume gefällt werden, wahrscheinlich hatte man den Männchen auch wieder nicht ganz nach ihrem Sinn getan, denn die Bäume waren wohl gefällt, aber sie lagen quer über der Straße und man konnte sie trotz aller Mühe nicht von der Stelle bringen. Man versuchte also die Männchen zu beruhigen. Da versprachen sie denn auch, die Bäume aus dem Weg zu räumen und sie selbst zum Hof zu bringen, nur müsse man Pferde und Karren in die Nähe bringen und da allein stehen lassen. Da führten sie die Bäume weg, eine große Eiche ausgenommen, die ließen sie liegen. Die Leute gaben sich nun alle Mühe, den Baum zumindest ein wenig zur Seite zu bringen, doch das ging nicht, denn damals kannte man die Winden und andere Hebevorrichtungen noch nicht. Die Kabautermännchen standen inzwischen da und lachten die Leute derb aus, bis Berg ihnen wieder ihren Willen tat; da brachten sie den Baum weg.

Da sie nun sehr häufig schlimme Streiche spielten, setzte die Polizei sich auf die Hinterbeine, um sie zu fangen, aber nie konnte sie die Männchen ertappen, denn wenn sie irgendwo zusammensaßen, dann stießen sie ein großes Messer, welches sie stets bei sich trugen, mit der Spitze in den Tisch. Kam die Polizei dann in die Nähe, dann bewegte sich das Messer, zitterte und fuhr hin und wieder, und zugleich verschwand das kleine Volk mit Kessel und Kannen.

Einmal aber hatte man sie doch überrascht und das war in einem teilweise niedergefällten Wald. Da saßen sie, aßen, tranken und tanzten auf den Ellenbogen, die Beine in die Höhe gestreckt, in die Runde. Als man ihnen nicht zu nähern vermochte, rief man den Pfarrer, doch der konnte auch nichts gegen sie ausrichten.

Diese Lappländer oder Kabautermännchen waren während des deutschen Krieges ins Land gekommen. Die Franzosen haben sie herausgejagt. Seitdem hat man nichts mehr von ihnen gesehen.

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