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Im Zauberbann des Harzgebirges – Teil 27

Im Zauberbann des Harzgebirges
Sagen und Geschichten, gesammelt von Marie Kutschmann

Vom Zwergkönig Hübich – Teil II

Es lebte einst ein Müller in Grund, in dessen Mühle kehrten allnächtlich die Zwerge ein, speisten und waren lustig und guter Dinge. Der Müller aber fürchtete sich vor dem kleinen Völkchen, das unter der Herrschaft des mächtigen Hübich stand, räumte lieber bei Anbruch der Nacht die Mühle und schlief mit seiner Familie in einem nahegelegenen Häuschen, nur aus Furcht vor der kleinen Schar.

Da, eines Abends, der Müller wollte gerade fortgehen, pochte es an seine Tür. Ein alter Soldat bat ihn um Nachtquartier, weil er so ermüdet sei, dass er keinen Schritt mehr gehen könne.

»Meinetwegen«, sprach der Müller, »mögt Ihr hier übernachten. Doch hört: Allnächtlich haust hier Zwergkönig Hübich mit seinem Volk. Habt Ihr keine Furcht, so bleibt. Wir anderen gehen fort aus der Mühle.«

»Guter Freund«, entgegnete der Fremde, »ein alter Soldat, der, wie ich, in unzähligen Schlachten gekämpft hat, wird sich doch nicht vor einem Regiment so kleiner Wichte fürchten? Geht ruhig fort und lasst mich nur allein mit Euren Gästen.«

Als alle gegangen waren, stopfte sich der Soldat eine Pfeife, legte sich gemächlich hinter den Ofen und wartete neugierig auf den nächtlichen Besuch. Es währte auch nicht lange, so erschien geräuschlos eine Schar winziger Männchen und deckte den Tisch. Alsbald stand prächtiges silbernes und goldenes Gerät auf demselben, und die Zwerge liefen geschäftig hin und her.

Aha, dachte der Soldat, nun kommen die Speisen.« Er sah neugierig hin, was es wohl Schönes zu schmausen gäbe und woher die Kleinen es holten. Doch da konnte er lange spähen, denn die Speisen waren auf Wunsch der Zwerge gleich in den Schüsseln. Nur der verlockende Duft erfüllte das Zimmer. Als alles fertig war, trugen mehrere Zwerge eine prächtige, von Gold und Edelstein schimmernde Sänfte herein, in welcher der König saß, und setzten dieselbe mitten auf den Tisch.

Hübich spähte rechts und links, als ob etwas nicht in Ordnung sei, schnüffelte mit der Nase in der Luft umher und schrie dann plötzlich: »Hier riecht es nach Tabak!«

Wie auf Kommando eilte die ganze kleine Gesellschaft durcheinander und durchstöberte das Zimmer. Als sie nun den Soldaten entdeckten, schrien sie laut auf und sprangen mit ihren goldenen Messern und Gabeln herbei, um ihn zu ermorden. Der Soldat aber ließ sich nicht so leicht einschüchtern. Er nahm seinen Stock und hieb zwischen die Zwerge, dass sie alsbald heulend und jammernd davonliefen. Seinen König hatte das Völkchen in größter Angst vergessen und schließlich war er der einzige Zurückgebliebene. Frohlockend näherte sich ihm der Soldat, aber in demselben Augenblick verschwand Hübich auf unerklärliche Weise vor seinen Augen.

Die vielen Gold- und Silbergeräte lud der Soldat in die Sänfte und verkaufte später alles für vieles Geld. Nur eine der Schüsseln behielt er. Weil es eine Wunschschüssel war, konnte er begehren, welche Speise er wollte. Jede erschien, wie er dieselbe gewünscht hatte.

Als der Müller am anderen Tag die ganze Geschichte erfuhr, fasste er sich ein Herz und blieb die nächste Nacht selbst in der Mühle, denn er war neugierig, ob die Zwerge wohl wiederkommen würden.

Richtig, um zwölf Uhr wurde angeklopft und eine Stimme fragte: »Müller, hast du deine böse Katze noch?«

Der Soldat, der ebenfalls im Zimmer saß, rief: »Jawohl, die ist noch da und geht auch nicht mehr fort!«

»Dann mag dir der Teufel wiederkommen«, rief es traurig von draußen, und alles war still.

Die Zwerge sind auch nie in die Mühle zurückgekehrt, doch der alte Soldat hat dort sein Leben beschlossen, hat mit dem Müller seinen Reichtum geteilt und immer von seiner Wunschspeise gegessen, die ihm allezeit köstlich gemundet hat.

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