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Dreizehn Jahre im Wilden Westen – Kapitel X

Dreizehn Jahre im Wilden Westen
Oder: Abenteuer des Häuptlings Sombrero
Nürnberg, 1877

X. Garnisonsdienst. Zweikampf

Dann traten wir für einige Tage wieder den gewöhnlichen Garnisonsdienst an. Eines Morgens, als wir um das Feuer saßen, wollte ich ein Stück Holz darauf werfen, aber gerade auf dem Stück, das ich wünschte, saß mein Freund Deamers. Da er sich nicht bemühen wollte, aufzustehen, so half ich ihm etwas nach. Ganz wild sprang er auf und forderte mich zum Zweikampf auf. Ich benachrichtigte ihn, dass ich nach dem Frühstück zu seinen Diensten stände, aber vor dem Frühstück es nicht riskieren wollte, ein Paar Zähne zu verlieren. Ich nahm mir Zeit zum Essen, besonders, da ich bemerkte, dass sich Deamers in einer sehr großen Aufregung befand. Nachdem ich noch einen extra Becher Kaffee getrunken hatte, meldete ich mich als fertig und wir gingen hinaus auf einen freien Platz, von der ganzen Kompanie begleitet. Dort stülpte Deamers seine Hemdsärmel auf und fragte mich, nachdem er sich so viel wie möglich dem Ansehen eines Metzgers gleichgemacht hatte, ob ich fertig sei. Ich bat um noch einen Augenblick, holte meine Pfeife aus der Tasche und zündete sie an, worauf ich Deamers mit einer höflichen Verbeugung bat, er möge nun die Güte haben, loszuschlagen. Ich hatte mich nicht verrechnet. Deamers, der sowieso kein rechter Krieger war, wurde nun durch mein kaltblütiges Benehmen in großen Schrecken versetzt und sah sich schon im Geist mit gebrochenen Nippen und allgemein verstümmelt. Er hätte gerne das Kämpfen aufgegeben, aber die Zuschauermenge stieß ein Hurra nach dem anderen für Sombrero aus und rief ihm zu, darauf loszugehen. So drückte er endlich in der Verzweiflung beide Augen zu und fing an, loszuschlagen. Da er aber in einer furchtbaren Aufregung war, so schlug er immer um und neben mir in die Luft. Ich, der trotz aller Anstrengung von seiner Seite nicht in Wut zu bringen war, rührte ihm gar nicht an, sondern parierte bloß hier und da einen Hieb, der mir zu nahe kam. Als er endlich aus Erschöpfung einen Augenblick innehalten musste, ersuchte ich ihn um ein Zündholz, da meine Pfeife ausgegangen war, was so viel Hurrarufe und Heiterkeit verursachte, dass Deamers sich als besiegt erklärte und mir die Hand reichte, worauf ich ihn am Arm nach Hause führte. Die Zuschauer haben nie dieses Duell vergessen, und nach Jahren wurde es noch den Leuten erzählt, wie Sombero Deamers besiegt hatte.

Wir waren nun sehr in Camp Verde beschäftigt, da wir neue Häuser zu bauen hatten; indessen ging es immer lustig zu. Wir hatten einen Sergeant in der Kompanie, der etwas stolz und durchaus nicht beliebt war. Als er eines Abends ziemlich viel getrunken hatte und daher fest schlief, hoben wir ihn mit Bettstatt und Zubehör auf und trugen ihn über den Paradeplatz vor die Haustür des Obersten, ihn dort der Ruhe überlassend, nahmen aber sämtliche Kleidungsstücke zurück ins Quartier. Bei Sonnenaufgang wurde Neveille geblasen und unser Sergeant Brennan sprang aus dem Bett: aber groß war sein Erstaunen, als er weder Kleider noch Stiefel hatte und sich auf dem Paradeplatz fand. Die Offiziere waren bereits vor ihren Häusern und schauten diese fremde Erscheinung mit Verwunderung an. Brennan wurde desperat. Sich eine Decke umwerfend, sprang er in großen Sätzen über den Paradeplatz, wo er halbwegs die Decke verlor und den übrigen Weg im bloßen Hemd zurücklegte. Nachdem er sich angekleidet hatte, schwor er blutige Rache gegen die Missetäter. Da ihm aber niemand zusteckte, wer es getan hatte, so wurde sie nie ausgeführt.

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