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Paraforce Band 38

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Der Alte vom Berge – Kapitel 23

C. F. Fröhlich
Der Alte vom Berge
Oder: Taten und Schicksale des tapferen Templers Hogo von Maltitz und seiner geliebten Mirza
Ein Gemälde aus den Zeiten der Kreuzzüge
Nordhausen, bei Ernst Friedrich Fürst, 1828

XXIII.

In seiner Unterkunft in der Nähe des Tempelhofs saßen fast ein Jahr nach dieser Begebenheit Hugo und Mirza Arm in Arm. Vor wenigen Wochen war Mirza eine Christin geworden und auf ewig mit ihrem Hugo verbunden. Sie erzählte eben wieder die Ursache ihres Verschwindens, als er von Kahira zurückkehrte und wie sie zur Dispensation gekommen sei.

»Damals, als du nach Kahira reistest«, sprach sie, »begab ich mich nach Italien zum Pabst. Lange wollte es mir nicht glücken, ihn zu sprechen, bis mir dieses endlich durch kleine Geschenke gelang. Ich schilderte ihm unsere Liebe und gelobte, mich taufen zu lassen. Aber töricht nannte der Heilige Vater mein Verlangen und machte ein gar böses Gesicht. In der Angst meines Herzens versprach ich ihm so viel Diamanten einzuhändigen, dass dafür ein Kloster erbaut werden könnte, wenn nur mein Hugo die Dispensation erhielte. Da wurde der Mann Gottes sogleich freundlicher und fragte, ob du dem Orden viele Dienste geleistet hast oder nicht und dergleichen mehr. Bald wurden wir darüber einig, dass ich die Diamanten oder eine gewisse Summe Gold an den Patriarchen von Jerusalem auszahlen sollte, wogegen mir deine Dispensation schriftlich überreicht würde. Ich kam glücklich wieder in Jerusalem an und erfuhr, dass du gefangen seist. Sogleich reiste ich nach Kahira zu meiner Schwester, ließ mir einige Diamanten von der Größe geben, wie sie mir der Pabst gezeigt hatte, für deren Wert man ein Kloster erbauen könnte, und übersandte sie dem Patriarchen, mit dem ich schon darüber gesprochen hatte.«

»Wenn ich aber nun in der Sklaverei gestorben wäre?«, fragte er sie unterbrechend.

»Dann hätte ich sie ihm von Herzen gern geschenkt«, entgegnete sie, »denn ohne dich hatten die Diamanten keinen Reiz.« In der Erzählung fuhr sie fort: »Meine ausgedachte List glückte. Befreit aus der Sklaverei kamst du wieder in Kahira an. Daraufhin reisten wir nach Jerusalem. Du hattest die Hoffnung, man würde dir die Dispensation erteilen und ich glaubte sie bestimmt bei dem Patriarchen vom Pabst anzutreffen. Mein erster Gang war zu ihm. Leider erhielt ich aber die traurige Antwort, dass das Schiff, worauf die Dispensation gewesen war, mit Mann und Maus untergegangen sei, doch würde wahrscheinlich nächstens eine andere hier wieder eintreffen. Als man dich überfiel, lief ich voller Verzweiflung zum Patriarchen. Ich erzählte ihm den Vorfall. Tröstend überreichte er mir die Dispensation, die er wenigen Stunden vorher erhalten hatte.

›Die Templer richten zwar schnell‹, sprach er, ›doch gedulde dich nur wenige Minuten. Ich will dich mit dieser Dirne in das Kapitel begleiten.‹ Das Übrige ist dir bekannt.«

Seinen Dank sprach Hugo nochmals in einem langen Kuss aus.

Am Nachmittage versammelten sich zur Feier der Hochzeit mehrere seiner Freunde. Die Humpen wurden eben fleißig geleert und der Jubel allgemein, als der Drapier der Templer hereintrat und dem Paar im Namen des Ordens Glück wünschte. Zugleich überreichte er Hugo eine Urkunde, worin ihm seine von Mönchen geraubten Güter, die der Orden aber an sich gebracht hatte, wieder geschenkt wurden. Die holde Mirza erhielt die Geschenke ihrer Schwester, welche der Großmeister in Beschlag genommen hatte, zum Hochzeitsgeschenk. Laut priesen die Anwesenden die Gerechtigkeit des Ordens und vor Freude weinend umarmte sich das glückliche Paar.

Noch lauter und allgemeiner ertönte der Jubel und manches Vivat zum Wohl des Brautpaares und zur Erhaltung des edlen Tempelherrenordens ertönte von den Lippen der Fröhlichen.

Erst lange nach Mitternacht entfernten sich allmählich die berauschten Zecher. Plötzlich war das Brautpärchen verschwunden.

»Hochzeit! Hochzeit«, jauchzte der glückliche Hugo und sank mit der Geliebten in das schwellende Bett.

Bald darauf verließen sie dieses Land und eilten nach Europa.

Dass ihrem Bündnis Nachkommen entsprossen sind, beweist noch heute der kräftige Stamm der von Maltitz.

 

Ende

 

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