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Oberhessisches Sagenbuch Teil 45

Oberhessisches Sagenbuch
Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald
Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873

Der Hexenstein unter Herchenhain

Wenn man von Sichenhausen hinaufgeht zu dem armen und alten Dorf Herchenhain, dem höchsten Ort im Hessenland, sieht man links ab vom Wege ein kleines Fichtenwäldchen, in welchem ein Felsen emporragt. Das ist der Hexenstein. Warum der Platz so heißt, braucht man nicht zu raten, denn die Hexen haben da immer ihr Geführt (Wesen, Umgang) gehabt. In Sichenhausen war aber ein Mann, der sich auf die schwarze Kunst gut verstand und sich oftmals dort allerlei zu schaffen machte, worüber die Leute die Köpfe schüttelten. Einmal in der Nacht befahl er seiner Magd, ihm dahin zu folgen und einen neuen irdenen Topf mitzunehmen, ohne dass er ihr sagte, warum. Als sie am Hexenstein angekommen waren, stellte der Hexenmeister denselben auf die Erde und ging dreimal drum herum. Dann sagte er:

Hier veracht ich meinen Gott
und glaube an diesen Pott.

Diese Gotteslästerung konnte aber die Magd nicht still anhören, denn sie hatte noch einen guten Funken in sich und rief deshalb so laut sie konnte:

Ich glaub aber an Gott,
fahrt Ihr zum Teufel mit Eurem Pott!

Darauf sprang sie den Berg hinunter, denn sie mochte nichts weiter sehen und hören. Anderen Tags, wie sie ging und stand, verließ sie das Haus und den Dienst.

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