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John Sinclair: Oculus – Das Ende der Zeit

Wolfgang Hohlbein
John Sinclair: Oculus – Das Ende der Zeit

Horror, Taschenbuch, Bastei Lübbe, Köln, September 2017, 304 Seiten, 10,00 €, ISBN: 9783404208999
www.luebbe.de

In der Zukunft… Alarm in der letzten Station der Menschen im K2: Den Shoggoten ist es gelungen, auch diese Festung auszumachen. Die uralten Monster holen zum letzten Schlag gegen die Menschheit aus. Die letzte Chance der Überlebenden: Der wiedererweckte John Sinclair muss zu einem bestimmten Ort gebracht werden, um die Katastrophe abzuwenden.

In der Gegenwart… Bill und Suko rasen durch ein London, das durch seltsame dämonische Angriffe dem Untergang geweiht ist. Während draußen die Apokalypse tobt, wollen die beiden Männer ihren unter mysteriösen Umständen zum Bösen verwandelten Freund John stoppen.

In der Vergangenheit… Robert Craven wird weiter von Rowlf auf Geheiß von Lovecraft durch London begleitet. Die Irrfahrt endet auf einem Friedhof – und mit der Erkenntnis, dass Ereignisse aus der Vergangenheit großen Einfluss auf die Zukunft haben können.

Wolfgang Hohlbeins zweiter Teil seines Oculus-Doppelbandes bei John Sinclair setzt nahtlos dort an, wo Teil 1 endete und führt die drei bis vier losen Handlungsfäden quer durch die verschiedenen Zeitebenen fort: Während John immer noch nicht weiß, was er in der von lovecraft’schen Wesen überrannten Zukunft eigentlich genau tun soll, arbeiten sich Bill und Suko mithilfe von Dämonen durch ein Endzeit-London auf einen bestimmten Punkt zu. Und auch Robert Craven wird in der Vergangenheit mit einem besonderen Schicksal konfrontiert. Alles dient nur dazu, die verschiedenen Erzählebenen am Ende für eine – dann doch überraschend gelungene – Pointe zusammenzuführen. Aber lohnt sich der Weg dahin?

Diese Frage muss man leider mit einem recht deutlichen Nein beantworten. Hatte man im ersten Teil Im Auge des Sturms schon den Eindruck, dass die eigentliche Geschichte durch Kampfszenen und Wiederholungen breitgetreten wird, so verstärkt sich dieser Eindruck im zweiten Band umso mehr, da es hier fast nur noch eine Aneinanderreihung solcher Szenen gibt. Und zwar auf zwei von drei Erzählebenen – die für sich genommen in Konzept und vor allem in ihrer Ausarbeitung der Welt – durchaus funktionieren. Das Problem dabei ist: Außer recht generischen Kämpfen gegen die lovecraft’schen Ungeheuer passiert wirklich nicht sonderlich viel.

Das gilt insbesondere für die Hauptfiguren, die kaum einmal tatsächlich in das Geschehen eingreifen können. Egal ob John, Robert oder Bill und Suko: Sie alle werden von den Ereignissen getrieben, bekommen keine persönlichen Facetten, bleiben blass und können immer nur darauf reagieren, was andere ihnen sagen oder was die Situation sie zwingt zu tun. Und das zieht sich insgesamt durch Das Ende der Zeit.

Zugegeben: Die Auflösung ist einigermaßen originell. Aber sie kommt insgesamt gesehen viel zu spät. Betrachtet man Oculus als große, zusammenhängende Geschichte mit etwas mehr als 600 Seiten, ist gut ein Drittel bis die Hälfte davon vollkommen überflüssig. Videospielartig kämpft man sich quasi durch gleichförmige Level, die Hintergrundstory tritt dabei auf der Stelle, und irgendwann wünscht man sich, das alles möge bald vorbei sein.

Vielleicht war das ja auch ein Anreiz dafür (neben der Möglichkeit, ein bisschen mehr Geld an dem/den Roman/en zu verdienen), Oculus aufzuteilen: 300 Seiten sind eben doch schneller durchgelesen als 450. So braucht man für Das Ende der Zeit einen nicht ganz so langen Atem, als befände man sich hier im dritten Akt eines umfangreicheren Buchs. Umso deutlicher treten im zweiten Teil die offensichtlichen Schwächen zutage.

Fazit:
Der Oculus-Zweiteiler von Wolfgang Hohlbein bietet für John Sinclair eine ungewöhnliche Ausgangsidee, eine spannende Erzählstruktur und eine interessante Umsetzung. Leider wird all das mit einem Berg von erzählerischem Füllmaterial zugeschüttet, sodass von den guten Ansätzen am Ende nur ein aufgeblähter Mischmasch übrig bleibt, aus dem sich der Leser die Rosinen mühsam herauspicken muss. Hätte man den Mut besessen, den Text radikal auf ein einzelnes 400-Seiten-Taschenbuch zusammenzukürzen, würde Oculus wohl sehr gut funktionieren. So bleibt insbesondere bei Das Ende der Zeit der Eindruck, man hätte sich einen Gutteil des benutzen Schreibplatzes und Papiers sparen können. Das hätte diesem Sinclair-Experiment mehr als gutgetan.

(sv)

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