Download-Tipps

Gator, der Söldner

Archive
Folgt uns auch auf

Rübezahl, der Herr des Gebirges – Folge 54

Rübezahl, der Herr des Gebirges
Volkssagen aus dem Riesengebirge
Für Jung und Alt erzählt vom Kräuterklauber
Verlag Carl Gustav Naumann, Leipzig, 1845

54. Wie Rübezahl eine Schachtel zu Ehren bringt.

Es ist eine bekannte Sache, dass Hohenelb, so nun Städtlein und ein gar tüchtiges, vormals ein Dorf war, wo sich die Leute von der Viehzucht, insonderheit der Zucht der Ziegen ernährten, und wurden da die besten Ziegenkäse weit und breit gemacht.

Ziegenkäse sind eine schöne Sache, und der Kräuterklauber kennt einen, der wünscht, die Erde wäre ein Ziegenkäse und er äße sich durch und könnte drüben bei den Gegenfüßlern von Neuem anfangen und fortfahren, bis er wieder nach Hause käme, und wäre da noch nicht einmal satt und finge wieder an, und dieser eine ist er selber. Nun, solchen Ziegenkäse tauschten die Hohenelber sonst manchmal mit fremde Handelsleute, die über das Gebirge kamen, gegen andere ihnen nötige Sachen.

Kam also auch einmal Rübezahl, kaufte eine ganze Hocke voll Ziegenkäse und ging damit übers Gebirge. Drüben begegnete ihm ein Handelsmann und fragte, was er habe.

»Ziegenkäse«, antwortete Rübezahl.

Der Mann sagte: »Gut, und wenn wir einen Tausch machen könnten, so wäre es mir lieb.«

Daraufhin tauschte also Rübezahl eine große Schachtel mit Ziegenkäsen aus gegen Strümpfe, Schürzen, Halstücher und dergleichen mehr und beide zogen ihres Weges.

In der Heimat, als er nach Hause kam, sagte der Mann: »Frau, heute bring ich dir Käse mit, wie du ihn nimmer geschaut hast, Käse wie ein Mühlstein so groß und kleiner.« Und damit öffnete er seine Hocke und brachte eine große Schachtel hervor, die er aufmachte. Aber statt der Ziegenkäse fand er darin nichts als lauter kleine Schachteln und wurde wild. Freilich, was er da den Handelsmann nachsagte, das war nicht eben schmeichelhaft.

Nun, von Schachteln wollten allerdings die Leute in der Regel nicht viel halten. Wenn einer ein Frauenzimmer eine Schachtel und vollends eine alte Schachtel nannte, so wurde ihm das Brot gebacken. Es ist aber schon mancher Spadefantel durch eine alte Schachtel zu etwas geworden, der sonst nichts geblieben wäre, besonders wenn die Schachteln mit gewissen Papierchen gefüllt gewesen waren.

Griff da der Krämerklauber, wenn es sein Feldwebel litte, am Ende wohl selber zu.

Also von diesen Schachteln wollte der Mann auch nichts wissen. Als er doch endlich eine nach der anderen öffnete und nichts darin fand als kleine Feldsteine, so warf er vor Zorn die ganze Ladung auf die Straße.

Nun, was die Alten nicht mehr wollen, daran erfreuen sich oft noch die Jungen. Fanden also die Mägdlein auf der Straße die Schächtelchen, waren darüber hoch erfreut und spielten damit; des Handelsmannes Töchterlein auch, bis es die Kinder satthatten. Beim Scheiden nahm jedes Mägdlein etwas von den Schächtelchen mit und brachte es nach Hause.

»Wirf den Plunder weg«, sagte unwillig der Handelsmann zum Töchterlein, als dasselbe ihm die Schachtel zeigte. »Wirf den Plunder weg, es ist lauter Blendwerk.« Aber die verständige haushälterische Mutter meinte: Lass uns nur erst schauen, ob etwas darin ist. Hierauf öffnete sie die Schachteln und sah zu ihrem Erstaunen, dass sie mit gediegenem Gold angefüllt waren.

Also Landsmann, merke: Gar viele Schachteln können achtungswert sein. Drum ist es gut, keine zu verachten, ehe man sie kennen gelernt hat, und eine alte umso weniger.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.