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Slatermans Westernkurier11/2019

Auf ein Wort, Stranger, erinnerst du dich noch an Rufus Cannon?

Als Präsident Grant am 10. Mai 1875 den ehemaligen Kongressabgeordneten und früheren Obersten Richter von Utah, Charles Isaac Parker, die Ernennungsurkunde zum Bundesrichter für den westlichen Distrikt von Arkansas und das Indianerterritorium Oklahoma überreichte, ahnte noch niemand, dass damit das Ende des sogenannten Wilden Westens eingeläutet wurde.

Was am 1. September 1896 nach Parkers Pensionierung blieb, war eine Epoche, die fortan der Vergangenheit angehörte, und die Namen einiger weniger Protagonisten, die noch heute einen legendären Ruf genießen.

US-Marshal Bill Tilgham, die Doolin-Bande, Marshal Chris Madsen oder Heck Thomas sind nur einige von ihnen.

An Rufus Cannon erinnert sich hingegen heute kaum noch jemand, obwohl sein Leben und seine Taten nicht minder spektakulär waren. Warum das so ist, werden wir am Ende dieser Kolumne genauer erklären.

Rufus Rufe Cannon wurde am 29. Januar 1847 geboren. In seinen Adern floss nicht nur afroamerikanisches, sondern auch Cherokeeblut, was bei der Ausübung seiner späteren Tätigkeit oft sehr hilfreich war, da er nicht nur die Gebräuche, sondern auch die Sprache beider Volksgruppen kannte und beherrschte.

 

*

 

Rufe arbeitete am US-Distrikt-Gericht in Fort Smith und am Bundesgerichtshof in Guthrie, bis ihn US-Marshal Jacob Yoes am 15.September 1892 als Deputy Marshal für den Westbezirk von Fort Smith in den Dienst aufnahm. Cannon wurde zu einem der bedeutendsten schwarzafrikanischen Gesetzesvertreter der Oklahoma-Territorialzeit; leider nicht so bekannt wie Bass Reeves oder Grant Johnson, obwohl ihm die Festnahme mehrerer berüchtigter Verbrecher gelang oder er an diesen beteiligt war.

Eine seiner ersten bemerkenswertesten Taten war die Verhaftung des berüchtigten African Creek Outlaws Captain Willie, der 1891 in Oklahoma City den allseits bekannten und beliebten US Deputy Marshal George Thornton kaltblütig ermordet hatte.

1893, er war auf Patrouillenritt mit seinem Landsmann Ike Roberts, stieß er durch Zufall in der Nähe von Bartlesville auf die drei gesuchten Verbrecher Jesse Jackson, Henry Starr und Kid Newcomb. Die Verbrecher widersetzten sich der Verhaftung und es kam zu einer legendären Schießerei, bei der beide Parteien binnen kürzester Zeit mehr als 100 Kugeln abfeuerten. Cannon schoss Jackson in die Seite und den rechten Arm, worauf sich dieser ergab. Seinen beiden Komplizen gelang mehr oder weniger verwundet die Flucht.

1895 brachen Bob und Bill Christian aus dem Oklahoma City Jail aus und ermordeten dabei den Polizeichef Milt Jones. Rufus setzte sich auf die Spur der Christian Outlaw Gang. Es gelang ihm noch im gleichen Jahr, den Anführer der Gang und Vater der beiden Brüder, William Christian, sowie ein Bandenmitglied namens Bill Carr zu verhaften.

William Christian konnte allerdings später fliehen und zog nach Arizona, wo er bis zu seinem gewaltsamen Tod sein Leben als Verbrecher fortsetzte.

Dann kam jener schicksalhafte Sommer 1896.

 

*

 

Rufus Cannon war Mitglied einer Posse unter Führung von US-Marshal Heck Thomas, die den berüchtigten Outlaw und Bandenführer Bill Doolin verfolgte.

Es war unter anderem auch Rufe zu verdanken, dass man den Verbrecher am 24.August 1896 in Lawson stellen konnte und ihn, nachdem er sich seiner Verhaftung widersetzte, erschoss.

Was danach folgte, war ein Vorgang sondergleichen, der bis in unsere Tage hinein noch gerne vertuscht oder totgeschwiegen wird.

Zeugenaussagen und Berichte besagen glaubhaft, dass Rufe Cannon derjenige war, der Doolin erschossen hatte, dennoch bekam Marshal Thomas die Lorbeeren. Interessant ist ebenfalls, dass alle Possenmitglieder für Doolins Tod entlohnt wurden, nur eben nicht Cannon. Es ist nicht bekannt, warum Cannon nicht bezahlt wurde oder Protest einlegte, aber es gilt als Tatsache, das Heck Thomas danach seine Belohnung mit ihm teilte.

Im Nachhinein betrachtet liegt der Grund dafür wohl in Cannons Abstammung und dem Umstand, dass er keine solche Lobby wie seine berühmteren Landsleute Bass Reeves oder Grant Johnson besaß. Cannon war nur ein einfacher, rechtschaffener Mann, der nie etwas mit Parteiklüngel und politischen Ränkespielchen am Hut hatte.

Er verließ Fort Smith daraufhin und zog nach Kansas, wo er am 15. Oktober 1950 im biblischen Alter von 103 Jahren starb.

Quellenhinweis:

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