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Dreizehn Jahre im Wilden Westen – Kapitel V

Dreizehn Jahre im Wilden Westen
Oder: Abenteuer des Häuptlings Sombrero
Nürnberg, 1877

V. Abschied vom Militär und Farmerleben

Den 4. Juli feierten wir auf Hildenhead. Am 5. bekam ich meinen Abschied nebst Bezahlung, worauf ich am Abend per Dampfschiff nach Savannah zurückging. Nun kaufte ich mir Zivilkleider, einige Kästen Papierkragen, einen Spazierstock etc. Nächsten Tag war ich zu einem Ausflug an die Meeresküste eingeladen und man konnte mich im Festschmuck auf der Thunderbolt-Straße dahinwandeln sehen. Manches Mädchen fragte, wer denn der hübsche Jüngling wäre. Ehe ich aber auf dem Festplatz ankam, wurde die Hitze unerträglich, sodass mein schöner weißer Papierkragen zerschmolz und mir den Rücken hinunterlief. Trotz dieses Zufalles verbrachten wir einen vergnügten Tag und kehrten erst spät abends in die Stadt zurück. Am folgenden Tag nahm ich eine Stelle bei einem Deutschen an, bei dem es mir sehr gut ging, bis im Herbst das Fieber ausbrach, welches es besonders auf mich abgesehen zu haben schien. Man wird dabei furchtbar vom Frost geschüttelt, bis es sich ins Heiße umwandelt, darauf geht es besser bis zum nächsten Tag. Dann kommt es wieder … Nun, ich hatte meinen Teil und musste deshalb die Arbeit aufgeben. Da der Doktor mir versicherte, dass ich das Fieber im Staat Georgia nie loswerden würde, so begab ich mich auf einen Dampfer und trat den Weg nach New York an.

Am ersten Tag zur See hatte ich einen sehr heftigen Anfall vom kalten Fieber. Es schüttelte mich so heftig, dass das Schiff anfing zu zittern. Ein Mast brach ab und fiel ins Meer. Wäre die Schiffsmannschaft nicht herbeigesprungen, um mich festzuhalten, so hätten wir ohne Zweifel Schiffbruch erlitten. Als ich danach das Fieber an mich kommen spürte, meldete ich mich sogleich beim Schiffskapitän, welcher zehn Matrosen kommandierte, um mich festzuhalten. Dadurch wurde manches Unglück verhütet.

In New York fand ich sofort Aufnahme und gute Verpflegung im Militärhospital, wo mein Zustand jedoch immer schlechter wurde, sodass ich das Bett nicht verlassen konnte. Da kam ein Quäker, welcher auf dem Land ein Hospital hatte, wo er Krüppelsoldaten verpflegte. Er bot sich an, mich mit hinauszunehmen. Da der Doktor mir auch dazu riet, so entschloss ich mich endlich dazu. Ich wurde auf die Bahn gebracht. Wir fuhren zum Städtchen Penn Yan im Staat Pennsylvania, wo uns das Fuhrwerk des Quäkers erwartete und uns auf seine sieben Meilen von der Stadt gelegene Farm brachte, wo uns ein kräftiges Abendmahl erwartete. Hier ging es mir gut, und ich war bald imstande, im Freien herumzugehen.

Im Haus war vor Jahren eine alte fromme Quäkerin, Tante Jemima genannt, gestorben. Sie wurde im Keller in einem Gewölbe beerdigt und nach einigen Jahren wieder ausgegraben, um im Garten eine Ruhestätte zu finden, wo man ihr eine schöne Gruft gebaut hatte. Nun hatte mir Freund Allcook oft von ihr erzählt und mir versichert, dass ihr Geist sich noch immer im Keller blicken ließe, was ich zu glauben verweigerte. Gut, eines Tages ersuchte mich die alte Haushälterin, einen Topf Mus aus dem Keller zu holen, welcher in dem Gewölbe stand, das früher Jemimas Überreste enthalten hatte. Ich stieg hinab, nahm den schweren Topf auf den Arm und wollte eben zur Tür hinaus, als plötzlich alles von einem weißen Licht erleuchtet war. Vor mir stand eine lange weiße Gestalt, die einen Teller in der Hand hielt, auf welchem sie mit der einen Hand etwas rührte, das ein weißes, totenfarbiges Licht über alles warf. Ich wäre furchtbar erschrocken, hätte ich nicht einen der größten Füße Amerikas unter der weißen Hülle hervorgucken sehen, der ganz gewiss nicht Tante Jemima gehören konnte. So erhob ich drohend meinen Topf mit Mus und sprach mit einer Stimme, wie es für die feierliche Gelegenheit passte: »Geist oder nicht Geist! Wenn du nicht machst, dass du fortkommst, so werfe ich dir die ganze Geschichte an den Kopf.«

Der Geist nahm mich beim Wort, blies sein Licht aus und lief davon, während ich triumphierend aus dem Keller stieg.

Als ich mich kräftig genug fühlte, gedachte ich mich auf Landbau zu verlegen und verließ daher Friends Home eines feinen Morgens. Mein Reisegeld betrug fünfzig Cent, das Gepäck war leicht, somit marschierte ich lustig und vergnügt meines Weges. Ein dreistündiger Marsch brachte mich nach Penn Yan, wo ich meine fünfzig Cent in einer Konditorei deponierte.

Nachdem ich mich mit Pasteten und Limonade erfrischt hatte, ging ich meiner Wege auf der Landstraße zu den großen Seen zu. Gegen vier Uhr regte sich der Hunger wieder. Da fiel mir erst ein, dass ich Beschäftigung suchte. Ich kam gerade an eine große Farm. Der Eigentümer, welcher vor seiner Türe stand, sprach mich an. Nachdem wir uns etwas unterhalten hatten, fragte ich ihn, ob er jemand brauche, der den Ackerbau gut verstünde. Wir kamen bald überein und ich war engagiert.

Darauf sagte er mir, ich sollte zwei Pferde aus dem Stall nehmen, die bereits angeschirrt waren, an einen Wagen mit Heu spannen und auf die Straße herausfahren, sodass wir an der Scheune abladen konnten. Ich spannte an, setzte mich auf den Wagen und fuhr. Da es aber etwas eng herging und ich überhaupt das Fahren nicht verstand, so hatte ich bald das Rad unter dem Wagen, sodass er umgestürzt wäre, hätte ich nicht schnell angehalten. So spannte ich eben die Pferde hinten an und zog den Wagen ins Freie, wo ich wieder wechselte. Dann wandte ich auf einem Drei-Acker-Feld um und trabte stolz die Straße hinab zur Scheune. Nachdem wir abgeladen hatten, wobei ich furchtbar schwitzte, ging es zum Abendessen, wo ich meine Schuldigkeit tat. Hierauf produzierte Mr. Bates einen Sack guten Rauchtabak und wir unterhielten uns gut bis zur Betzeit. Nicht zu vergessen, dass ich Herrn Bates zwölfjährigem Töchterlein bei ihren Schulaufgaben half, besonders im Französischen. Mein Prinzipal war nicht wenig stolz darauf, einen Gelehrten in seinem Haus zu haben.

Einige Tage darauf wurde gedroschen. Da ich natürlich die Arbeit nicht gewöhnt war, musste ich mich furchtbar anstrengen, um mit den anderen gleichzuziehen. Beim Mittagstisch aber war ich ihnen weit voraus. Kurz darauf fragte mich Mr. Bates, ob ich Klee säen konnte, was ich natürlich gleich bejahte, denn ich hatte ja schon Bauern säen gesehen. So gab er mir einen Sack voll Samen und ich machte mich aufs Feld hinaus, wo ich auf- und abmarschierte und den Samen handvollweise wegschmiss. Sehr schnell war ich fertig. Der alte Herr sagte mir auch, dass er noch nie jemand mit einen solchen Fertigkeit im Säen gekannt habe. Ich zündete stolz meine Pfeife an. Als aber der Klee anfing zu wachsen, da war hier ein Busch sehr schön und dicht, dann kam lange nichts, dann wieder ein Flecken usw. über das ganze Feld. Es sah aus wie eine Landkarte und Herr Bates zerplatzte beinahe vor Lachen, doch hieß er mir nie mehr etwas säen. Der Winter war hereingebrochen und Herr Bates, der Land in der großen Petroleum-Gegend in Pennsylvania besaß, worauf einige sehr reiche Ölquellen waren, verkaufte sein Haus und brachte seine Familie in die Stadt. Ich sollte noch auf der Farm bleiben, bis alles Vieh, Getreide usw. verkauft wäre. Sein Sohn, der gerade in meinem Alter war, kam von der Pensionsschule heim, um das Geschäft zu übersehen, während sein Vater nach Oil City ging, um dort an der Hand zu sein. Wir waren bald gute Freunde, arbeiteten immer zusammen. So verging die Zeit sehr schnell.

Wir hatten noch einige fünfzig Maß Holz zum Haus in der Stadt zu bringen, was wir mit unseren Pferden und Wagen hinschaffen sollten. So fuhren wir jeden Tag zur Stadt, luden unser Holz ab und gingen dann in das Hotel, wo wir rauchten und Karten spielten, bis wir abends wieder heimfuhren. In einem Monat hatten wir alles in der Stadt und nun sollten wir es spalten und aufschichten. Da aber keiner von uns ein guter Holzhauer war, so ließ man Leute dazu kommen, während wir uns in der Stadt amüsierten.

Nachdem die Geschäfte alle in Ordnung gebracht waren, wurde ich bezahlt und Herr Bates drang in mich, ihn als sein Buchhalter nach Oil City zu begleiten. Da sich aber bei mir das Fieber wiedereingestellt hatte, so konnte ich mich nicht dazu entschließen, sondern ließ mich als Weingärtner in einem Weinberg engagieren, wo ich zwei und einen Dollar pro Tag, Kost und Logis hatte. Da ich aber wusste, dass es mit dem Wein wie mit dem Klee säen gehen würde, so zog ich mich schon beizeiten zurück.

Meine Gesundheit war wieder ganz schlecht. Als ich meinen Freund Allcook traf, nahm ich sein Anerbieten, zu ihm zurückzukehren, mit Vergnügen an. Mit der Zeit raffte ich mich wieder auf.

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