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Gator, der Söldner

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Deutsche Märchen und Sagen 55

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

56. Seele als Vogel

Nach der Schlacht von Walchern, in der die Fläminge vom Grafen Florenz von Holland und den Seeländern geschlagen wurden, ging eine sehr reiche und fromme Matrone auf dem Schlachtfeld umher, um den Verwundeten Hilfe und den Sterbenden Trost zu bringen. Da hörte sie sich plötzlich rufen, schritt dem Ort zu, von woher die Stimme erschallte, und sah, dass es ein schwer Verwundeter war. Sie hob sein Haupt und legte es in ihren Schoß, ermahnte ihn, an Gott und das Jenseits zu denken, und redete ihm mit viel frommen Worten zu.

Der Mann wandte seine Augen gen Himmel und sprach: »Habe ich jemand getötet, das ist nicht meine Schuld, ich wollte es nicht. Dem, der mich verwundet hat, vergebe ich von ganzem Herzen und bitte Gott, mir auch so zu vergeben. Gern hätte ich noch die heilige Wegzehrung genossen. Kann ich sie aber nicht mit dem Mund nehmen, dann wird mir Christus ihr Gnadengeleit doch nicht entziehen.«

Mit den Worten machte er das heilige Kreuzzeichen und sein Haupt sank zurück. In diesem Augenblick öffnete sich sein Mund und ein Vöglein flog heraus, so schön, dass nichts in der Schöpfung ihm verglichen werden kann. Das erhob sich mit dem Zurücklassen eines überaus köstlichen Geruches zum Himmel.

Solches hat die Matrone oftmals erzählt und bei ihrem Seelenheil die Wahrheit der Erzählung bekräftigt.

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