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Aus dem Wigwam – Die Legende vom Saline River

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Die Legende vom Saline River

or vielen, vielen Jahren wohnte am Bereinigungspunkt des Platte und des Saline Rivers ein mächtiger Indianerstamm. Unter seinen Kriegern war einer, der weit und breit in der Umgegend wegen seines furchtlosen, unerschrockenen Auftretens bekannt war. Fast jeder Wigwam der feindlichen Dörfer hatte seiner Mordbegier ein Opfer liefern müssen. Kein Bächlein floss in jener Gegend, das er nicht wenigstens einmal mit dem Blut eines Feindes gerötet hatte.

Häufig stahl er sich heimlich und unbegleitet weg, um seine Hände in Blut zu baden, was seine einzige Freude war. Aber nicht allein seine Feinde, sondern auch seine Freunde fürchteten ihn. Sie rühmten sich zwar seiner Führung, aber vor näherem Umgang mit ihm schreckte jeder zurück. Sein Wigwam blieb unbesucht und in der Mitte seines Stammes lebte er als Einsiedler.

Dennoch wurde er geliebt, und zwar von der schönen Tochter des Häuptlings. Sie wurde seine Frau, und er liebte sie mit der vollen Leidenschaft seiner leicht erregbaren Natur. Er war wie ein gezähmter Tiger. Doch dieses Glück dauerte nicht lang, denn seine getreue Frau starb. Er begrub sie, aber er klagte nicht, noch vergoss er eine Träne.

Mit dem ersten Sonnenstrahl des nächsten Morgens verließ er seinen Wigwam. Er hatte sich mit den Kriegsfarben bemalt und sein ganzer Aufzug deutete auf blutige Absichten. Düsteren Blickes ging er ans Grab seiner Frau und brach eine Blume ab. Dann drehte er sich um und schritt der Prärie zu.

Nach Verlauf eines Monats kam er wieder zurück. Er war mit einer großen Anzahl Skalpe von Männern, Frauen und Kindern beladen, welche er im Rauchloch seines Wigwams aufhing.

Nachdem er einen Tag unter seinem Stamm zugebracht hatte, verschwand er wieder, doch nach einer Woche war er wieder da und brachte einen großen Klumpen weißen Salzes mit. Seine Geschichte hatte er bald erzählt. Er war über die Prärie gewandert und hatte sich todmüde am Abend ins weiche Gras gelegt. Kurz danach hörte er das Jammern und Wehklagen einer Jungfrau. Als er sich aufrichtete, sah er eine alte hässliche Indianerin, die den Tomahawk über dem Kopf eines Mädchens schwang. Er wunderte sich sehr, die beiden an dieser öden Stelle zu sehen, da sich innerhalb vierzig Meilen im Umkreis kein Dorf befand und er auch am Tage keine Jagdgesellschaft bemerkt hatte. Er ging auf sie zu, aber sie beachteten ihn nicht.

Da das Mädchen ihr Bitten und Flehen nutzlos fand, so sprang es plötzlich auf und versuchte der Alten den Tomahawk zu entreißen. Aber Letztere blieb Siegerin und wollte eben ihrem Opfer den Todesschlag versetzen,

als die Strahlen des Mondes plötzlich auf das Gesicht der Jungfrau fielen und der Krieger seine verstorbene Gattin erkannte. Im Augenblicke sprang er auf das grausame Weib zu und spaltete ihr mit seinem Beil den Schädel. Aber ehe er seine geliebte Gattin umarmen konnte, war sie in den Boden,

welcher sich plötzlich geöffnet hatte, versunken und ein großer Salzfelsen stand an ihrer Stelle. Von diesem hatte er einen Klumpen abgebrochen und mitgebracht.

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