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Slatermans Westernkurier10/2019

Auf ein Wort, Stranger, wer kennt eigentlich noch Ida Wells?

Die Pionierzeit Amerikas hat unbestritten eine wahre Fülle an Helden und Lichtgestalten hervorgebracht. Helden des Alltags, die jedoch im Heer der vielen Namenlosen alsbald wieder untertauchten und bis heute vergessen sind, und Helden, die eigentlich gar keine Helden waren, sondern nur das Glück hatten, dass andere das bisschen Ruhm, das sie umgab, regelrecht ausschlachteten und sie dadurch unsterblich machte.

Als Paradebeispiel, allerdings im negativen Sinne, gelten heute noch Männer wie Wyatt Earp, Buffalo Bill Cody oder Wild Bill Hickok. Der eine ein mittelmäßiger Hilfspolizist, der ohne seinen Freund Doc Holliday und der Sache am O.K. Corral wohl nie die Aufmerksamkeit bekommen hätte, die ihm auch heute noch entgegengebracht wird, der andere ein Büffelschlächter, der ein paar Indianer über den Haufen geknallt hat und dank dem Groschenromanheftschreiber Edward Zane Buntline unsterblich wurde, und schließlich Letztgenannter, der genaugenommen nichts anderes war als ein kaltblütiger Killer.

Aber es gab auch andere, positive Helden wie die Indianer Sitting Bull, Geronimo und Red Cloud und Pioniere, egal ob sie Goodnight, Chisum oder Beidler hießen.

Aber darüber wurden und werden auch heute noch unzählige Berichte veröffentlicht.

Wer den Westernkurier verfolgt, weiß, dass gerade hier immer wieder an Personen erinnert wird, die zwar keinen großen Namen tragen, aber es wirklich verdient haben, unvergessen zu bleiben.

Eine dieser Personen ist Ida B. Wells.

Eine ungewöhnliche, kluge und starke Frau, deren Wirken erst Anfang des letzten Jahrhunderts gewürdigt wurde.

Es lag wohl hauptsächlich daran, das Ida zur falschen Zeit im falschen Land und mit der falschen Hautfarbe geboren wurde.

Ida B. Wells erblickte im Juli 1862 in Amerika, genauer gesagt im Bundesstaat Mississippi, das Licht der Welt und sie war schwarz!

 

*

 

Ida Bell Wells, später dann Ida Bell Wells-Barnett, wurde als Sklavin am 16.07.1862 in Holly Springs, Mississippi, geboren, genau sechs Monate vor der Emanzipations-Proklamation, mit der Lincoln die Sklaverei abzuschaffen gedachte.

Nach dem Ende des Bürgerkrieges hatte sie das Glück, in Holly Springs das am 24. November 1866 eröffnete Rust-College besuchen zu können.

Das Rust ist eine von zehn afroamerikanischen Hochschulen, die vor 1868 gegründet wurden und noch heute bestehen.

Schnell erkannte man dort ihre außerordentliche Intelligenz und Auffassungsgabe und ihr Weg schien vorgezeichnet.

Aber das Schicksal wollte es anders.

Sie war gerade mal 16 Jahre alt, als es ihr in Gestalt einer Gelbfieberepidemie Eltern und den jüngsten Bruder raubte und sie so zum Ernährer ihrer fünf Geschwister machte.

Um über die Runden zu kommen, nahm sie eine Stelle als Lehrerin an.

1882 zog sie auf Einladung einer Tante mit zwei jüngeren Schwestern nach Memphis, wo sie sofort eine Stelle als Lehrerin erhielt und zudem für verschiedene Zeitungen schreiben durfte.

Im Sommer besuchte sie die Fisk University in Nashville.

1884, wieder auf dem Weg dorthin, machte sie die Erfahrung, was es heißt, eine Schwarze in Mississippi zu sein. Trotz eines Erste-Klasse-Tickets verweigerte man ihr, im Damenabteil der Chesapeake and Ohio Railway zu sitzen, mehr noch, man prügelte sie regelrecht in das Abteil für Farbige. Sie verklagte die Eisenbahnlinie und erhielt tatsächlich eine Entschädigung von 500 Dollar. Eine ansehnliche Summe, wenn man bedenkt, dass zu dieser Zeit sogar der Vormann einer Riesenranch mit zwanzig oder dreißig Cowboys als Angestellte nicht mehr als 50 Dollar im Monat verdiente.

Ida wandte sich nach diesem Vorfall noch stärker dem Journalismus zu, weil sie erkannt hatte, dass ihr dadurch die Möglichkeit geboten wurde, die Menschen nachhaltig aufzurütteln.

Sie wurde sogar zur Anteilseignerin der Zeitung Memphis Free Speech and Headlight, wo sie immer deutlicher die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung anprangerte und schließlich nach einem Artikel gegen das Schulsystem in den ehemaligen Südstaaten als Lehrerin entlassen wurde.

Daraufhin wurden ihre Artikel noch schärfer und direkter.

Dabei prangerte sie besonders die Lynchjustiz an, ein zu dieser Zeit bevorzugtes Mittel zur Terrorisierung ihrer schwarzen Landsleute und das nicht ohne Grund.

Ida konnte bei diesem Thema auf mehr als nur eine bittere Erfahrung zurückgreifen.

Der Vater ihrer Patentochter und zwei weitere Schwarze wurden 1892 gelyncht, weil ihr Lebensmittelladen in direkter Konkurrenz zu dem eines Weißen stand. Als sie daraufhin in einem Artikel zum Boykott dieses Geschäftes aufrief, wurde das Gebäude, in dem sich die Zeitung befand, von einem wütenden Mob bis auf die Grundmauern niedergerissen.

1893 ging sie, nachdem sie mehrere Morddrohungen erhalten hatte, für ein Jahr nach Großbritannien, wo ihre dortigen Reden und Vorträge zur Gründung der British Anti-Lynching Society führte.

 

*

 

Nach ihrer Rückkehr zog sie nach Chicago, wo sie mit Frederick Douglass und dem Anwalt und Gründer der Zeitung Conservator Ferdinand Barnett zusammenarbeitete und diesen 1895 heiratete. Sie kümmerte sich um Projekte wie den Bau eines Kindergartens und die vollständige Einführung des Frauenwahlrechts in den USA, wofür sie 1913 an einer Parade der National American Woman Suffrage Association teilnahm.

Am 25. März 1931 starb sie in Chicago an Nierenversagen.

1970 veröffentlichte ihre Tochter Alfreda ihre Biografie. 1988 wurde sie in die National Women’s Hall of Fame aufgenommen. Ihr Haus ist heute ein Wahrzeichen der Stadt Chicago sowie als National Historic Landmark gelistet.

Es stimmt traurig, dass hierzulande die Erinnerung an diese starke Frau nahezu verblasst ist, während ein Mann wie James Butler »Wild Bill« Hickok, der bewiesenermaßen mindestens 16 Menschen kaltblütig erschossen hat, immer noch im Gedächtnis vieler haften geblieben ist.

Quellennachweis:

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