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Aus dem Wigwam – Eine zoologische Fabel

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Eine zoologische Fabel

ikwaju, der Hamster, ging einst auf die Jagd und nahm seinen kleinen Bruder mit. Sie waren sehr erfolgreich und legten sich Vorrat für den ganzen Winter an.

In der Mitte des Winters kam ein kleiner Kerl mit Namen Abistanauch, der Marder, zu ihnen auf Besuch, und zwar lediglich in der Absicht, sich an ihren köstlichen Speisen zu laben. Kurz danach kam ein anderer Freund, nämlich Abligumuch, das Kaninchen. Beide wurden in der freundlichsten Weise empfangen. Sie aßen, tranken und erzählten allerlei schnurrige Geschichten.

Abistanauch gab eine ausführliche Beschreibung seines Landes und seiner Leute. Er erzählte von Tiam, dem Elentier, von Muin, dem Bären, von Suntuk, dem Hirsch, von Boktusum, dem Wolf …

Auch Abligumuch wusste sehr viel über seine Heimat zu erzählen, doch schnitt er ein wenig auf und prahlte damit, dass er zur Aristokratie gehöre und nur die wohlschmeckendsten Dinge von der Welt zu essen und zu trinken pflege. Abistanauch wollte ihn deshalb foppen und fragte: »Warum ist eigentlich deine Lippe gespalten?«

»O«, erwiderte jener, »in meinem Land isst man mit scharfen Messern. So kam es, dass ich mich eines Tages schnitt.«

»Und warum bewegt sich dein Mund und dein Bart immer, ohne dass du ein Wort sprichst?«

»Ich denke und spreche innerlich. Das ist bei uns so Mode!«

»Warum hüpfst du immer und läufst nicht wie wir?«

»Das gehört zum guten Ton. Wir angesehenen Herren bewegen uns nicht wie die Plebejer.«

»Aber warum machst du immer so weite Sprünge?«

»Ich war einst damit beschäftigt, Wigadegunn – Depeschen – zu tragen und musste sehr große Sprünge machen, was mir nun im Laufe der Zeit zur zweiten Natur geworden ist!«

 

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