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Aus dem Wigwam – Ni-Ni-Wah

Karl Knortz
Aus dem Wigwam
Uralte und neue Märchen und Sagen der nordamerikanischen Indianer
Otto Spamer Verlag. Leipzig. 1880

Ni-Ni-Wah

m romantischen Ufer des Peoriasees, ungefähr an derselben Stelle, wo heute die gleichnamige Stadt steht, dehnte sich früher ein großes Indianerdorf aus, das lange Zeit als die Hauptniederlassung des kriegerischen Stammes der Peorier galt. Auf der anderen Seite des Sees wohnten die blutdurstigen Mackinah, die mit den Peoriern in beständigem Kampf und Streit lebten.

Nun traf es sich einst, dass der Sohn Pu-ah-nahs, des Peorier-Häuptlings, auf der Jagd die schöne Ni-Ni-Wah, die Tochter des Mackinah-Häuptlings, sah und ihre Liebe gewann. Seit jener Begegnung besuchten sie sich so häufig, wie es die wachsamen Augen der verfeindeten Rothäute zuließen, doch es dauerte nicht lange, so wurde den beiden Häuptlingen dieses Geheimnis doch bekannt. Sie sannen auf alle möglichen Mittel, eine eheliche Verbindung zu verhindern, damit der alte Erbhass nicht erlösche. Das Versteck, die Landspitze am südwestlichen Ufer des genannten Sees, wo sich die jungen Liebenden zu treffen pflegten, war von den Vätern bald aufgefunden worden. Welche Hindernisse sie ihnen auch in den Weg legten, die Verliebten fanden dennoch stets Rat, ihre Väter zu hintergehen. Zuletzt aber war Ni-Ni-Wah vor dem Zorn ihres Vaters des Lebens nicht mehr sicher. Sie beschloss daher, zu flüchten und bei ihrem getreuen Bräutigam Schutz zu suchen. Als derselbe davon Kenntnis erhielt, schleppte er eine Menge Büffelfelle in eine von dickem Unterholz bedeckte, schwer aufzufindende Höhle in der Nähe des Ufers und richtete dort eine Behausung für seine Braut ein.

In einer vorher festgesetzten Nacht trafen sie sich und schwammen über den Fluss. Die Wellen gingen sehr hoch und der Wind kam von der anderen Seite, sodass es der größten Anstrengung bedurfte, um das Ufer zu erreichen. Kaum aber hatten sie das Land betreten, als zwei hohe, kräftige Gestalten mit Speeren auf sie zusprangen und sie wieder zurück ins Wasser trieben. Da die erschöpften Schwimmer glaubten, sie seien verraten worden, so strengten sie ihre letzten Kräfte an und schwammen wieder zurück ans andere Ufer, aber auch dort wurden sie von zwei bewaffneten Männern empfangen, die ihre Landung ebenfalls verhinderten. Um seine Geliebte besorgt, bat der Peorier, man möchte ihr doch erlauben, sich einige Augenblicke auszuruhen, doch als er sie ans Ufer brachte, stieß man sie grausam zurück in die Fluten. Er wollte ihr zu Hilfe kommen, aber auch ihn verließen die Kräfte. Beide versanken in den tobenden Wellen.

Jene Krieger waren von den Vätern der beiden Liebenden, die von ihrem Vorhaben unterrichtet waren, abgeschickt worden.

Die Sage erzählt noch, dass man häufig in der Nacht, wenn der See hoch geht, schrille Klagetöne vernähme und zwei nebelhafte Gestalten in inniger Umarmung auf den Wellen schaukeln sähe.

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