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Die drei Templer

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Deutsche Märchen und Sagen 52

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

52. Der schwere Hund zu Lübeck

Mitte Oktober 1687 ließ sich in eines Schiffers Haus zu Lübeck ein Gespenst vernehmen, welches die Gläser in Stücke schlug, den Leuten nachts die Decken vom Leib und das Bett unterm Leib wegrückte und viel andere Possen trieb, ohne jedoch jemanden ein Leid zuzufügen. Verschiedene Bürger und Fremde kamen in das Haus, konnten aber nichts sehen.

Nur einem kleinen Mädchen war der Spuk sichtbar, und es rief stets: »Sieh, sieh, da geht es und glotzt mich mit glühenden Augen an.«

Endlich wagte es ein kühner Mann mit vier anderen wackeren Gesellen und gingen in das Haus mit bloßen Degen in der Hand, suchten in allen Ecken und Winkeln, blieben auch die ganze Nacht wach und passten auf, fanden aber nichts. Am 22. Oktober aber sah man auf dem Hausflur einen großen schwarzen Hund, der, als man ihn wegjagen wollte, die Zähne wies und so grimmig dreinschaute, dass diejenigen, welche ihn zu vertreiben meinten, selber fast vertrieben wurden. Als das ruchbar wurde, liefen viele Leute herbei, das schreckliche Tier zu sehen. Drei kühne Kerle wagten es denn auch, auf ihn loszugehen und ihn anzugreifen. Er wehrte sich nicht im Geringsten, happte nicht um sich, aber wich auch nicht von der Stelle, sondern blieb, wie festgenagelt stehen. Dadurch kühner geworden, griffen sie ihn an, um ihn durchs Fenster zu werfen, aber obwohl zu vieren, waren sie doch nicht stark genug, ihn aufzuheben. Da traten noch fünf andere zu, um ihnen zu helfen, aber auch zu neunt ging das noch nicht.

Da rief einer: »Du bist doch wahrlich ein geduldiger Teufel. Pack dich weg, du verfluchter Hund«

Auf das Wort sprang er weg und zum Fenster hinaus, mehr denn zwei Ellen hoch in die Luft, fiel dann nieder auf die Erde und verschied. Seitdem war es mit dem Spuken in des Schiffers Haus getan.

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