Story-Tipps

Des Teufels Sohn

Archive
Folgt uns auch auf

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern … Teil 49

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern, Zauberern und Gaunern
Dem Ende des philosophischen Jahrhunderts gewidmet
Adam Friedrich Böhme, Leipzig, 1796

Euer Lebenslicht brennt noch 25 Jahre und ihr lebt noch länger, als das Lebenslicht brennt.

Ungefähr im Jahr 1783trat in Berlin ein Wundermann auf. Er war ein Heuchler und schlauer Bösewicht, der die Gemüter schwacher Menschen einzunehmen wusste und gutherzigen Leuten unvermerkt das Geld ablocken konnte. Seinem Vorgeben nach gebrauchte er geheime Naturkräfte und Religionsübungen. Er wartete immer bis zwölf Uhr, um, wie er sagte, die Krankheit zu bestimmen, und sagte auch seinen Patienten, sobald er sie besuchte, vor dem Glockenschlag zwölf den Mund zum Reden nicht zu öffnen. Er schnitt ihnen Haare ab, legte sie kreuzweise übereinander, verbrannte sie dann und gab ihnen das Pulver ein. Er murmelte Gebetsformeln, sprach seinen Kranken viel von Bezauberung, Besitzung des Teufels vor und hatte eine Essenz, von der er sagte, er könne sie sich nur in einer einzigen Stunde im ganzen Jahr, die er aber wohl in Acht nehmen müsse, verfertigen. Es fehlte ihm an Dreistigkeit so wenig wie an Lügenhaftigkeit.

Den augenscheinlich Kranken sagte er trotzig: »Ihr habt die Krankheit nicht.«

Bei den fürchterlichsten Anzeigen, die er zum Teil selbst veranlasst hatte, sagte er kalt: »Das ist gut, das muss so sein.«

Er gab nicht undeutlich zu verstehen, er sei so etwas von allgegenwärtig und an Allmacht fehle ihm nur wenig. Wenn er durch all dies seinen Kranken Ehrfurcht und Glauben beigebracht hatte, so erzählte er, der falle zur Strafe in eine andere schwere Krankheit, der ihm nicht ordentlich bezahle. Man kann sich denken, wie geschwind die Gläubigen ihm darum gaben. Den Puls, welchen er die Lebenslinie nannte, befühlte er fleißig. Einem ohne Zweifel wassersüchtigen Mann sagte er wie gewöhnlich: »Ihr habt die Wassersucht nicht! Wenn das wahr ist, will ich mir ein Messer in den Leib stechen lassen. Euer Lebenslicht brennt noch 25 Jahre und Ihr lebt noch länger als das Licht brennt.«

Aber der arme Mann fiel bei der ungeschickten Behandlung des betrügerischen Gauklers in Wahnsinn, welches auch das Schicksal seiner anderen Kranken war.

Er sagte zwar auch hierbei ganz gelassen: »Das hat nichts zu bedeuten, das muss so sein!«

Aber der Mann starb trotz des langen Lebenslichts, und zwar höchst wahrscheinlich durch seine Schuld. Man brachte den Wundertäter endlich ins Zuchthaus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.