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Die drei Templer

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Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern … Teil 47

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern, Zauberern und Gaunern
Dem Ende des philosophischen Jahrhunderts gewidmet
Adam Friedrich Böhme, Leipzig, 1796

Die Kopka leidet die Wasserprobe.

Im Jahr 1779 trug sich den 3. Marz in dem Dorf Ossowo, welches in Pommerellen liegt und dessen Einwohner größtenteils Edelleute sind, die sich vom Ackerbau ernähren, eine höchst traurige Geschichte zu. Einer von den Edelleuten dort, Andreas von Zabinsky, hatte dem Bauer Matthias Kopka ein Gartenhaus vermietet, wodurch beide Familien in näheren Umgang kamen. Die Frau des Edelmanns bemerkte allerlei kleine Unfälle in ihrer Wirtschaft, seitdem die Kopka in ihrem Haus wohnte. Sie geriet daher in den Verdacht, dass jene eine Hexe sei, die sich wegen einiger Zänkereien durch Zauberei zu rächen suche. Um diese Zeit wurde das Fräulein Agnes von Zabinsky am rechten Knie und Schenkel lahm und hatte große Schmerzen. Ob nun gleich der Arzt versicherte, dass dies von einer gichtischen Materie herrühre, so hielt doch die Mutter diesen Zufall für eine unnatürliche Krankheit, die eine Wirkung von der Zauberei der Kopka wäre. Sie erklärte darauf die Bauersfrau im ganzen Dorf für eine Hexe und trieb ihre Rache so weit, dass sie den Schulzen und die Gemeinde bewog, mit der Kopka die Wasserprobe anzustellen. Es wurden daher zur Abholung derselben Andreas von Zabinsky, dessen Sohn und etliche Bauern abgeschickt, welche die Bedauernswürdige mit Gewalt zu einem kleinen, nahe vor dem Dorf gelegenen Teich schleppten, wo sie sich bis aufs Hemd ausziehen musste.

Die Frau von Zabinsky besprengte den Teich mit Weihwasser. Ihr Sohn band der vermeinten Hexe die Hände und Füße mit Stricken aus Stroh kreuzweise zusammen. Sie wurde ins Wasser geworfen, die Strohfeile lösten sich auf und sie kam wieder ans Ufer. Dies befriedigte die Aufgebrachten nicht. Sie wiederholten daher das Verfahren noch einmal, doch der Erfolg war derselbe.

Nun zweifelte man nicht mehr, dass sie eine Hexe sei.

Ihr Mann, der einundzwanzig Jahre mit ihr eine zufriedene Ehe geführt hatte, glaubte ihre Unschuld auf keine andere Art erweisen zu können, als dadurch, dass die Probe noch einmal mit ihr wiederholt würde. In dieser Meinung lief er den versammelten Leuten nach, die sich schon auf dem Rückweg zum Dorf befanden, und forderte sie sämtlich, besonders aber die Zabinsky’sche Familie auf, mit seiner Frau nochmals einen Versuch zu machen, sie besser zu binden, mitten auf den Teich zu ziehen und sie alsdenn ins Wasser zu werfen.

Dies geschah.

Man band die arme Frau mit hanfenen Stricken kreuzweise zusammen. Die beiden Zabinsky nahmen sie unter die Arme, wateten mit ihr in den Teich und warfen sie so weit vom Ufer, wie sie konnten. Ein anderer Edelmann stieß sie hierauf mit einem langen Stab in die Mitte des Wassers hin.

Aber die Arme schwamm eine Zeitlang auf dem Bauch im Teich herum, bis sie endlich mittelst des an ihr befestigten Stricks wieder herausgezogen und losgebunden wurde. Nun hielt man sich für berechtigt, an der vermeinten Hexe alle Arten von Grausamkeiten auszuüben. Fast alle, vornehmlich die Zabinsky’sche Familie, schlugen sie unmenschlich und verlangten, dass sie Fräulein Agnes entzaubern sollte, und beschlossen endlich, dass die misshandelte Frau, die nur ihre Unschuld beteuerte, nicht wieder ins Dorf zurückkommen sollte. Sie flehte um Erbarmen und bat, dass man sie nur von der Erde aufrichten möge. Aber einer schlug sie stattdessen mit einem Stock so lange, bis er sprang, und stieß sie mit dem in der Hand behaltenen Stück ins Gesicht, indem er sagte: »Steh auf, Bestie, und zieh dich an!«

Nun gingen die Versammelten in das Dorf zurück und ließen die misshandelte Frau ohne alle Hilfe unter freiem Himmel in der Abendkälte liegen.

Endlich kamen ihre beiden Töchter, von dem Elend ihrer Mutter tief gerührt, hoben sie von der Erde auf und führten sie an ihren Armen bis an die äußersten Zäune des Dorfes, wo sie wegen ihrer Schwachheit liegen blieb.

Gegen Abend beredeten sich die Edelleute, sie über die Grenze zu bringen. Franz von Zabinsky spannte am Ende den Mistwagen seines Vaters an, legte die Unschuldige darauf und fuhr unter einer zahlreicher Begleitung mit ihr weg. Unterweges gab er ihr noch Peitschenhiebe, und seine Mutter schrie beständig, dass sie Agnes entzaubern sollte. Als sie schon ziemlich weit gefahren waren, zerbrach das Wagenrad und sie fiel auf die Erde. Sie weinte bitterlich und bat, dass man sie nicht ohne Kleider hilflos sollte liegen lassen. Aber man ließ sie, deren Leib mit Wunden und Striemen bedeckt und vor Kälte erstarrt war, auf dem freien Feld liegen und ging fühllos ins Dorf zurück. Ihr Mann, der sie aus Furcht vor den ihm angedrohten Schlägen verlassen hatte, und den die zum dritten Mal angestellte Wasserprobe in der Überzeugung von der Unschuld seiner Frau wankend machte, wurde doch von Mitleid und Liebe zu seiner treuen Gattin so gerührt, dass er hinlängliche Kleider zu sich nahm und dem übrigen Haufen nachging. Dieser war schon auf dem Rückweg, er aber vermied solchen und fand bald darauf seine unglückliche Frau auf dem Wege sprachlos liegen. Sie röchelte noch. Aus der Rase und dem Mund floss häufiges Blut. Alle Mühe, sie aufzurichten und anzukleiden, war vergebens. Sie rang bereits mit dem Tode. Er bedeckte sie daher mit Kleidern und ging in einer Art von Verzweiflung zurück. Als er etwa eine Stunde danach wiederkam, fand er sie tot. Er war außer sich, lief zum Pfarrer zu Wiele, ihm den Vorfall anzuzeigen. Dieser gab dem Landvogteigericht zu Konitz Nachricht davon, welches die Verbrecher sogleich der Untersuchung unterwarf.

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