Download-Tipp
Band 3

Heftroman der Woche

Archive
Folgt uns auch auf

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern … Teil 46

Das schwarze Buch vom Teufel, Hexen, Gespenstern, Zauberern und Gaunern
Dem Ende des philosophischen Jahrhunderts gewidmet
Adam Friedrich Böhme, Leipzig, 1796

Ratsfrage, ob ein schadhaftes Auge wieder könne hergestellt werden, und Verfahren

Einem Mann in einem lippischen Dorf wurde Leinwand gestohlen. Um den Täter zu erforschen, ging er zu einem Teufelsbanner und bat diesen, dem Dieb ein Auge auszuschlagen, um ihn dadurch kenntlich zu machen. In der Nachbarschaft des Bestohlenen bekam ein Mann beim Holzfällen Schaden an einem Auge. Anstatt nun so vernünftig zu sein, bei einem Arzt sich Rat zu holen, ging er zu einem sympathetischer Kuren wegen berühmten Mädchen. Von dieser wollte er durch Hilfe ihrer Kunst erfahren, ob sein Auge zum Sehen wieder tauglich werde oder nicht. Auf ihr Geheiß musste er sich auf die Erde legen und starr in die Höhe sehen.

Das Mädchen nahm einen Zinnteller, worauf etwas Wasser war, und hielt diesen über das Auge des Patienten, der voller Erwartung ruhig auf der Erde lag und in die Höhe sah. Glühendes Blei, das auf den Teller gegossen werden sollte und entweder alsdann in einem Klumpen bliebt oder in mehreren Teilen sich absonderte, sollte Auskunft geben, ob der Mann wieder sehend werde oder nicht. Blieb das Blei im Klumpen, so war der Mann zu heilen, zerteilte es sich, so war der Mann unheilbar. Das Blei wurde auf den Teller gegossen. Zu wenig Wasser auf demselben verursachte, dass das Blei durch den Teller in das schadhafte Auge des Mannes floss. Der Mann ertrug den Schmerz, ließ mit einem kupfernen Teller den Versuch noch einmal wiederholen und erfuhr nun endlich von der Künstlerin, was ihm jeder Zuschauer seiner Torheit hätte sagen können, nämlich, dass er mit einem Auge blind werde. So glücklich er nun auch bei diesem Versuch noch war, da das Blei bloß das schadhafte Auge traf, so schmerzlich musste es ihm dennoch gewesen sein, dass er durch Aberglauben das eine Auge nicht nur ganz verlor, was durch eine geschickte Behandlung vielleicht hätte können hergestellt werden, sondern dass er nun auch in den Verdacht geraten musste, er sei der Leinwanddieb und das Auge sei ihm vom Teufelsbanner ausgeschlagen worden.